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Karl Gottfried Ritter von Leitner: Jakob Lorber

Die Hauptwerke Jakob Lorbers

(Neu-Salems-Schriften)

Wie wir aus dem Leitnerschen Lebensbild entnehmen, begann die geistige Schreibtätigkeit Jakob Lorbers am 15. März 1840 mit dem Werke

Die Haushaltung Gottes

Nach einigen einleitenden Kapiteln behandelt dieses grundlegende dreibändige Werk die Hauptfragen allen religiösen Denkens: das Wesen Gottes, die Urschöpfung der Geisterwelt, die Entstehung der materiellen Weltenschöpfung, die Erschaffung des Menschengeschlechts und die Urgeschichte der Menschheit bis zu der vorderasiatischen Erdkatastrophe, der Sündflut. - Die Darstellungsform ist schon in dieser, wie in fast allen Lorberschriften nicht die gelehrtenhafter Abhandlung, vielmehr werden uns die tiefsten Lehren über alle Fragen des Diesseits und Jenseits in Form von fesselnden, lebendigen Lebensschilderungen geboten. In unvergleichlich eindringlicher Weise wird uns so das Wesen Gottes und Seiner geistigen und stofflichen Schöpfung vor die Seele geführt und in der Geschichte der Urmenschheit uns der Spiegel unseres eigenmenschlichen Wesens vorgehalten und zugleich der Weg gezeigt, auf welchem wir aus menschlicher Unvollkommenheit zu seliger Vollendung gelangen können.

Die Jugendgeschichte Jesu

Dieses Werk ist eine ausführliche Neuoffenbarung des im ersten und zweiten Jahrhundert nach Christus im Umlauf befindlichen, von Jakobus, dem Bruder des Herrn, über Jesu Kindheit verfaßten sogenannten Jakobusevangeliums. Diese Evangelium wurde bei der im 4. Jahrhundert nach Christus erfolgten Feststellung der kirchengebräuchlichen Schriften durch die Patriarchen von Alexandria und Rom aus heute unbekannten Gründen als "apokryph", d.h. unsicheren Ursprungs, bezeichnet und nicht in die Zahl der heiligen Schriften aufgenommen - eine Beurteilung, die ja viele Jahrhunderte lang auch der Offenbarung Johannis, dem Jakobusbriefe und verschiedenen anderen Teilen der Bibel widerfahren ist. Am 22. Juli 1843 empfing Jakob Lorber, dem vom Bestehen und Inhalt dieses Evangeliums nichts bekannt war, die innere Mitteilung, daß ihm die verschollene Schrift des Jakobus "von der Zeit an, da Joseph Maria zu sich nahm" wiedergegeben werden solle. Es hieß, Jakobus, ein Sohn Josephs, habe solches alles aufgezeichnet. Es sei aber mit der Zeit so entstellt worden, daß es nicht als echt in der Schrift aufgenommen werden konnte. In 299 Kapiteln schildert das Werk in schlichter, würdiger Sprache reizvoller, bildhafter Darstellung die Geburt und Kindheit Jesu so herzerquickend und lichtvoll, daß kein unvoreingenommener Leser die göttliche Wahrheit verkennen kann. Die Rätsel der Person Jesu wurden aufgeklärt, und zugleich bietet das Werk eine lebendige Schilderung der damaligen Zeiten und Verhältnisse. Ergreifend ist das geistige Wirken des wunderbaren Kindleins inmitten vieler Menschen aus allen Ständen und Völkern. - Mit den in der Berlenburger Bibel überlieferten Bruchstücken des Jakobusevangeliums steht die Lorbersche Wiedergabe weitgehend im Einklange.

Das große Evangelium Johannis

Es wird, weil es den Liebegeist des Johannes atmet und vielleicht auch von diesem hohen Engelsfürsten als geistigem Mittler inspiriert ist, auch kurz "Johanneswerk" genannt. Dieses gewaltige Werk, das eine Zusammenfassung und Krönung der Neusalemslehre darstellt, darf nächst der Bibel wohl als die bedeutendste Erkenntnisquelle im ganzen Schrifttum der Welt bezeichnet werden. Wir empfangen darin, gemäß der Verheißung des Johannes in Kap. 14,26 des biblischen Evangeliums, eine eingehende und tiefgründige Schilderung alles dessen, was Jesus in den drei Jahren Seines irdischen Lehramtes gesprochen und getan hat. Es unterliegt ja gewiß keinem Zweifel, daß die in Jesus menschgewordene Gottheit als Lehrer und Erwecker der vielen Tausende, die sich aus allen Völkern und Ständen lichtsuchend um Ihn drängten, bedeutend mehr geredet und getan hat als in den Evangelien der Bibel der Nachwelt überliefert worden ist. Ausdrücklich wird dies im biblischen Evangelium Johannis ausgesprochen in Kap. 21,25, wo gesagt wird: Es sind noch viele andere Dinge, die Jesus (gesagt und) getan hat. Wenn diese alle sollten eins nach dem andern aufgeschrieben werden, so würde die Welt die Bücher, die dann zu schreiben wären, nicht begreifen. - Von dem, was Jesus Seinem gereiften engen Jüngerkreise über Gott, Schöpfung und Heilsweg offenbarte, konnte wegen mangelnder Fassungskraft der noch gewissermaßen kindlichen Nachwelt also nur ein für die damalige Menschheit begreiflicher und lebenswichtiger Teil überliefert werden, bestehend in einer einfachen Glaubens- und Liebeslehre. Nach zwei Jahrtausenden erst entsprach es dem Erziehungsplane der Gottheit, gemäß der Verheißung in Johannes 14,26, der heutigen und zukünftigen Menschheit des kommenden Tausendjährigen Reiches in einer allgemeinen Offenbarung durch Jakob Lorber alles das von Jesus dem engeren Jüngerkreise Geoffenbarte aufs neue, und zwar in der tiefsten und umfassendsten Weise, zu enthüllen. Das hierfür bestehende Bedürfnis muß ja doch jeder denkende Mensch empfinden, der ersieht, wie die Menschheit, trotz der großen Verbreitung der alten biblischen Schriften in unserer Zeit, durch die Wirrnis der Glaubensanschauungen in den tiefsten Unglauben und das größte Elend des Materialismus versunken ist, aus dem es offenbar ohne Gottes klärendes Eingreifen keine Rettung geben kann.

Im großen Evangelium Johannis werden alle Grundfragen des Lebens von dem sich offenbarenden Geiste Gottes selbst erhellt.

Die Wahrheit, die in den Schriften der Bibel gleichsam im Samenform gegeben ist, ist im Lorber'schen Evangelium wie ein Baum mit seiner Krone zu weitausgebreitetem, blühendem Leben entfaltet. Mit gewaltigem, durchgreifendem Nachdruck wird der Glaube, "der durch die Liebe tätig wird" (Paulus Gal. 5,6), als der einzige, in Christo gültige, wahre Heilsweg enthüllt. Diese "Liebeslehre" wird begründet und erläutert durch eine höchst lichtvolle, einheitliche und folgerichtige Gottes- und Schöpfungslehre, in welcher wir das Doppelgebot der Gottes- und Bruderliebe als das Grundgesetz alles Lebens im Schöpfungsreiche Gottes erkennen. In eingehenden Darlegungen wird sodann das Liebesgesetz dargetan als richtunggebende Norm in allen Verhältnissen des irdischen Lebens (Ehe, Kindererziehung, Glaubenspflege, Gesundheitspflege, Berufs- und Staatsleben). Und schließlich erhellt uns die im großen Evangelium Johannis gebotenen Jenseitslehre die Weiterentwicklung nach dem Tode unter dem gleichen Gesichtspunkte der Vollendung in der reinen, göttlichen Liebe. Diesen ewigen Ur-Inhalt aller Religion sehen wir in Lehre und Beispiel verkörpert in Jesus Christus, dem Gekreuzigten, der Sich uns besonders auch in diesem Hauptwerke der Neuoffenbarung enthüllt als der alliebende, allweise und allmächtige Schöpfer der Unendlichkeit, als die Fülle der Gottheit, als Vater, Sohn und Heiliger Geist, - auf diese Weise der Christenheit einen alleinigen dreieinheitlichen Gott wiedergebend.