Anzeige

Epiktet über Dinge

Es sind nicht die Dinge, die uns beunruhigen, sondern die Meinungen, die wir von den Dingen haben.
Zitat von Epiktet
Epiktet
griechischer Philosoph;
Er gilt als ein wichtiger Vertreter der späten Stoa.
* um 50, † um 138

Weitere Zitate

Anzeige

Gedanken zum Zitat von Christa Schyboll

Die Liste der Dinge, die uns ängstigen oder beunruhigen können, kann unter Umständen lang sein. Mal sind es die äußeren Faktoren um Existenz, Leib und Leben, die uns aus den Bereichen von Natur, Politik oder Gesellschaft bedrohlich erscheinen. Mal sind es private Angelegenheiten wie Gesundheit, drohender Jobverlust oder die finanzielle Klemme, die uns ängstigen. Andere Sorgen wiederum machen wir uns um Partnerschaft, Eltern, Kinder oder andere nahestehende Menschen. Geht man die Liste der eigenen Sorgen durch und zieht eine ehrliche Bilanz, so wird man feststellen, dass unglaubliche viele Sorgen und Ängste, die uns immer wieder neu beunruhigten, letztlich aber niemals eingetroffen sind. Jetzt könnte man meinen: Glück gehabt! - Aber so oft im Leben? Oder ist es vielleicht gar nicht immer Glück gewesen, wenn all das Schlechte und Böse, das wir befürchteten, nicht eintraf, sondern steckt etwas ganz anderes am Ende dahinter? Nämlich genau das, was Epiktet schon vor langer Zeit offenbar genau kannte: Den allgemeinen Hang oder die Neigung sich vorsorgliche Sorgen um alles Mögliche zu machen.

Je phantasievoller und tiefschürfender ein Mensch darüber nachdenkt, was alles passieren könnte, umso länger wird diese Sorgenliste. Und mit jeder Sorge mehr türmt sich der Sorgenberg weiterer Befürchtungen so hoch, dass sich so manch einer schon am liebsten vorab die Kugel geben möchte, um all das nicht erleben zu müssen, was da theoretisch angesichts selbstgebastelter Meinungshöllen noch droht. Tatsache aber ist, dass das Wenigste unserer zuvor gemachten Sorgen tatsächlich auch eintritt. Es sind nämlich oft wirklich nur unsere Meinungen über die Dinge, die wir uns ein-gebildet haben, die uns zur Falle werden.

Manch ein Ängstlicher handelt sozusagen prophylaktisch, wenn er all die potenziell möglichen die Sorgen nicht nur in Gedanken oder Gefühlen, sondern selbst im Handeln vorwegnimmt. Dahinter steht das Bedürfnis nach Schutz, auch Selbstschutz, damit im Falle des realen Eintretens seiner vielfältigen Horrorszenen, die eigene Psyche schon einmal vorbereitet ist und keinen Schock erleben muss. Mit einer gewissen Vorsorge, die bis in Vorräte oder Bewaffnung führen kann, schläft es sich einfach besser.


Aus dem Bannkreis der eigenen Meinung heraustreten


Der Effekt: Treten die vorher gemachten Ängste und Sorgen tatsächlich ein, hat sich für ihn die mentale Vorbereitung auf den Schrecken gelohnt. Inwieweit wir den Schrecken aber auch ein Stückweit genau dadurch angezogen haben, indem wir uns ja regelrecht auf ihn fest einstellten und einen unbewussten Magnetismus auf das ständig innerlich neu beschworene Unheil auslösten, bleibt Geheimnis, ist aber auch nicht ganz von der Hand zu weisen. Denn unsere Gedanken und Meinungen über die Dinge beeinflussen nun einmal auch unser Erleben in der Realität.

Treten all diese Sorgen aber nicht ein, was zumeist der Fall ist, hat man einen oft erheblichen Teil seiner wertvollen Lebensstunden an völlig unnötige Befürchtungen verschwendet. Auch dafür sind unsere Gedanken verantwortlich. Wir hätten diese vielen Stunden auch mit Fröhlichkeit oder Freude verbringen können, statt wie ein Kaninchen auf die imaginäre Schlange zu starren, die es nur in unserer Einbildung gab. Insofern sind unsere Meinungen der Schlüssel zu unserer eigenen Lebensqualität.

Meinungen werden durch vieles beeinflusst. Wir selbst haben es in der Hand, ob die den angstmachenden Einflüssen zu viel Raum in uns geben und damit oft auch Opfer einer Konsumindustrie werden, die auch massenhaft unnötige Produkte zur unnützen Schein-Sicherheit verkauft. Damit das gelingt, muss sie aber zunächst in unser Hirn vordringen und unser Herz entsprechend ängstigen können. Will man aus diesem Kreis aussteigen, hat man seine Beeinflussungssphäre zu analysieren und seine Gedanken zu kontrollieren lernen. Dazu gehören auch selbstkritische Hinterfragungen, denen dann auch entsprechende Umsteuerungen im Denkverhalten zu folgen haben, das wiederum unsere Handlungen beeinflusst.

Sinnvoll ist es, zu vertrauen, dass das Rechte passiert. Das bedeutet nicht: Verdrängung realer Möglichkeiten, sondern ein feines Hinhorchen auf wirkliche Gefahren und dann zu lernen, diese von den eingebildeten Gefahren unterscheiden zu lernen. Die wirklichen Gefahren gibt es sehr wohl, aber sie sind in aller Regel viel, viel seltener als die eingebildeten. Auf diese Weise kann man durch kluges Reflektieren jede Menge an mehr Stunden für schöne Lebensqualität dem eigenen Leben abgewinnen. Jede unnütze innere Unruhe, die aufgrund falscher Meinungen in uns entsteht, hat dann keine Chance mehr, uns das Leben zu vermiesen.