Sprichwort über Wasser

  • Stille Wasser sind (gründen) tief.

Gedanken zum Zitat

Das Sprichwort „Stille Wasser sind tief“ gehört zu jenen Redewendungen, die auf den ersten Blick schlicht wirken, bei näherem Hinsehen jedoch eine große menschliche Erfahrung zusammenfassen. Es beschreibt Menschen, die wenig reden, sich zurückhalten oder unscheinbar erscheinen, innerlich jedoch über Tiefe, Wissen, Gefühle oder Stärke verfügen. Die Metapher des stillen Wassers verweist dabei auf einen ruhigen See, dessen Oberfläche glatt ist, während sich darunter eine große Tiefe verbirgt, die Gefahr bedeutet.

In einer Gesellschaft, die Lautstärke oft mit Kompetenz und Selbstbewusstsein gleichsetzt, wird Stille schnell mit Schwäche, Unsicherheit oder Desinteresse verwechselt. Wer viel spricht, wirkt präsent, überzeugend und aktiv. Doch das Sprichwort mahnt zur Vorsicht: Nicht alles, was laut ist, ist bedeutend, und nicht alles, was ruhig ist, ist leer. Stille kann Ausdruck von Nachdenklichkeit, Beobachtungsgabe und innerer Reife sein. Menschen, die wenig reden, hören häufig genauer zu, reflektieren intensiver und wählen ihre Worte bewusster.

Gerade im zwischenmenschlichen Umgang zeigt sich die Wahrheit dieses Sprichworts. Oft überraschen ruhige Personen ihr Umfeld durch kluge Analysen, kreative Ideen oder emotionale Tiefe, die ihnen niemand zugetraut hätte. Ihre Stärke liegt nicht im schnellen Wort, sondern im überlegten Handeln. Wie tiefes Wasser sind sie nicht sofort durchschaubar, was sie zugleich geheimnisvoll und interessant macht.

Das Sprichwort kann jedoch auch als Warnung verstanden werden. Tiefe bedeutet nicht nur Weisheit, sondern kann ebenso verborgene Konflikte, Verletzungen oder starke Emotionen umfassen. Wer still ist, trägt manchmal mehr in sich, als nach außen sichtbar wird. Deshalb fordert „Stille Wasser sind tief“ dazu auf, andere nicht vorschnell zu beurteilen und hinter die Oberfläche zu blicken.

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