Theodor Fontane über Abschied

  • Abschiedsworte müssen kurz sein wie Liebeserklärungen.

Theodor Fontane

deutscher Apotheker, Journalist, Theaterkritiker, Dichter

* 30.12.1819 Neurupin
† 20.09.1898 Berlin

Gedanken zum Zitat

Theodor Fontanes Bemerkung »Abschiedsworte müssen kurz sein wie Liebeserklärungen«“ verbindet zwei scheinbar gegensätzliche Situationen: den Abschied und die Liebe. Beide sind emotional hoch aufgeladene Momente, in denen Worte an ihre Grenzen stoßen. Fontane deutet damit an, dass es gerade in solchen Augenblicken nicht auf Ausführlichkeit oder rhetorische Kunst ankommt, sondern auf Wahrhaftigkeit, Dichte und Zurückhaltung. Zu viele Worte können das Wesentliche verwässern oder die Intensität des Gefühls sogar mindern.

Abschiede gehören zu den sensibelsten Situationen menschlicher Begegnung. Sie markieren ein Ende, oft verbunden mit Schmerz, Unsicherheit oder Trauer. Der Wunsch, noch alles zu sagen, sich zu erklären oder das Unausgesprochene nachzuholen, ist groß. Doch Fontane warnt indirekt davor, den Abschied mit Worten zu überladen. Lange Erklärungen können hilflos wirken oder den Moment unnötig verlängern. Ein kurzer Satz, ein Blick oder eine Geste tragen häufig mehr Bedeutung als ein ausführlicher Monolog. Gerade die Knappheit verleiht den Worten Gewicht.

Der Vergleich mit Liebeserklärungen ist besonders treffend. Auch Liebe entzieht sich der vollständigen sprachlichen Erfassung. Wer liebt, weiß, dass große Gefühle nicht durch viele Worte größer werden. Im Gegenteil: Ein schlichtes „Ich liebe dich“ kann mehr ausdrücken als jede ausgefeilte Rede. Fontane legt nahe, dass Abschied und Liebe sich darin ähneln, dass sie Ehrlichkeit und Konzentration verlangen. Beide Situationen sind zu kostbar, um sie mit Floskeln oder Erklärungen zu überfrachten.

Darüber hinaus fordern Fontanes Worte Respekt vor dem Gegenüber. Kurze Abschiedsworte lassen Raum für eigenes Empfinden und eigene Gedanken. Sie drängen dem anderen keine Interpretation auf, sondern öffnen einen stillen Raum, in dem Gefühle wirken können. Schweigen oder wenige Worte können Nähe ausdrücken, selbst im Moment der Trennung. In dieser Zurückhaltung liegt eine Form von Würde, die dem Abschied seine Schwere nimmt, ohne ihn zu banalisieren.

In einer Zeit, in der Kommunikation oft ausufernd und permanent ist, wirkt Fontanes Gedanke besonders aktuell. Er erinnert daran, dass nicht die Menge der Worte entscheidend ist, sondern ihre Echtheit. Abschiedsworte, die kurz sind, bleiben oft länger im Gedächtnis. Sie verdichten das Gefühl des Moments und werden Teil der Erinnerung. Wie Liebeserklärungen sind sie weniger Mitteilung als Bekenntnis – leise, knapp und gerade deshalb von nachhaltiger Wirkung.

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