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Reinhold Niebuhr

amerikanischer Theologe, Philosoph und Politikwissenschaftler (1892 - 1971)

Reinhold Niebuhr war ein einflussreicher US-amerikanischer Theologe, Philosoph und Politikwissenschaftler.

Niebuhr stammte aus einem deutsch-amerikanischen Pfarrhaus und wurde 1913 zum Pfarrer der in der unierten Tradition stehenden German Evangelical Synod of North America, einer Vorgängerkirche der United Church of Christ, ordiniert. Nach Abschluss seines Aufbaustudiums in Yale wurde er 1915 zum Pfarrer einer Gemeinde in Detroit berufen. Ab 1928 lehrte er am Union Theological Seminary in New York, wo er 1930 eine ordentliche Professur erhielt, die er bis zu seiner Emeritierung 1960 innehatte.

1931 heiratete Reinhold Niebuhr Ursula Keppel-Compton; aus der Ehe gingen ein Sohn und eine Tochter hervor.

Niebuhr kritisierte nicht nur den falschen Utopismus des Kommunismus, der zu Despotismus führe, sondern auch die selbstgerechte Anmaßung der USA, sich als auserwählte Nation zu fühlen. Machtausübung führe immer auch zu moraldefizitärem Verhalten.

Sein Bruder Richard Niebuhr (1894–1962) war ebenfalls Theologe.

1964 erhielt Niebuhr die Presidential Medal of Freedom.

Bekannt ist Niebuhr der Weltöffentlichkeit aber primär wegen des ihm zugeschriebenen Gelassenheitsgebet. Das Gelassenheitsgebet findet sich häufig als Sinnspruch auf Alltagsgegenständen und in Zitatesammlungen.

Der geistesgeschichtliche Hintergrund des Gebets ist unverkennbar. Gleich im ersten Satz seines Handbüchleins der Moral unterscheidet der Stoiker Epiktet:

„Das eine steht in unserer Macht, das andere nicht. In unserer Macht stehen: Annehmen und Auffassen, Handeln-Wollen, Begehren und Ablehnen – alles, was wir selbst in Gang setzen und zu verantworten haben. Nicht in unserer Macht stehen: unser Körper, unser Besitz, unser gesellschaftliches Ansehen, unsere Stellung – kurz: alles, was wir selbst nicht in Gang setzen und zu verantworten haben.“

Präsent ist die stoische Tradition schon bei Friedrich Schiller:

„Wohl dem Menschen, wenn er gelernt hat, zu ertragen, was er nicht ändern kann, und preiszugeben mit Würde, was er nicht retten kann.“

(Friedrich Schiller, Über das Erhabene (Essay))

Der Unterschied des Gelassenheitsgebets zum stoischen Denken besteht in der Ermunterung zur Änderung der änderbaren Dinge und der Bitte um die Weisheit der Unterscheidung.