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Reinhold Niebuhr

Sozialistisch liberaler Pragmatist

Es gibt Menschen, die leisten ein Leben lang gute Arbeit, schaffen und erschaffen und bleiben dennoch primär mit einem einzigen Ereignis in Erinnerung. Dieses Schicksal trifft nicht nur Pop-Stars, die ein ganzes Leben lang versuchen, ihren ersten und größten Hit zu überbieten, nein, auch waschechte Theologen wie der amerikanische Theologe, Philosoph und Politikwissenschaftler Reinhold Niebuhr sind von diesem Phänomen betroffen. Die meisten Menschen hierzulande verbinden seinen Namen mit dem Gelassenheitsgebet

"Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden."

Dieses Gebet ist zweifelsohne ein weiser Gedanke den so ähnlich auch bereits Stoiker wie Epiktet und später auch der Dichter Friedrich Schiller formulierten. Doch Reinhold Niebuhr war mehr als nur der Verbreiter eines Gebets. Reinhold Niebuhr war ein einflussreicher US-amerikanischer Theologe, Philosoph und Politikwissenschaftler der unter anderem 1964 die Presidential Medal of Freedom als Auszeichnung für seine Leistungen erhielt.

Obwohl Theologe war Reinhold Niebuhr sein ganzes Leben lang politisch aktiv gewesen. Zusammen mit seinem Freund und Kollegen Paul Tillich gestaltete Niebuhr die liberale protestantische Theologie der United States während der 1940-ziger und 50-ziger. Niebuhr war Mitbegründer der Aktion "Americans for Democratic" sowie der "Fellowship of Socialist Christians".

Politisch war Reinhold Niebuhr ein sozialistischer, liberaler Pragmatist, eine ungewöhnliche Mischung aus orthodoxer Christlichkeit und liberaler politischer Überzeugung. Niebuhr kritisierte nicht nur den falschen Utopismus des Kommunismus, der zu Despotismus führe, sondern auch die selbstgerechte Anmaßung der USA, sich als auserwählte Nation zu fühlen. Auch ließ Niebuhr nie einen Zweifel daran, dass die militärische Antwort auf Hitler und damit auch das Eintreten der USA in den 2. Weltkrieg notwändig war. Gleichzeitig strengte er aber auch Überlegungen an, wie man solche Kriege vermeiden könne, und war Mitarbeiter am "Institute of War and Peace Studies" der Columbia University. Er war bemüht, die Dinge zu ändern, die er ändern konnte – mit den Mittel des Geistes, der Theologie und seinen Schriften, die in vor allem in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhundert recht zahlreich erschienen, wenn auch viele als Flugblätter und Denkschriften.

Reinhold Niebuhr bewarb sich für den Kongress, beriet das US State Department und diente als Delegierter bei der UNESCO. Im Grunde seines Herzes blieb er aber immer seinem christlichen Glauben verpflichtet; der christliche Glaube war sein Kompass der die Richtung seiner politischen Aktivitäten vorgab.