Die Bibel

Eine lebendige biographische Schöpfung von Christa Schyboll

Unter einer Biografie (gr. von bíos "Leben" und -grafie) versteht man allgemein die Lebensbeschreibung einer Person. Diesen Begriff des Lebendigen aber auch auf ein Buch anzuwenden, heißt, in diesem besonderen Werk Lebendiges als immerwährender Quell zu finden. Die globale Wirkmächtigkeit dieses Werkes ist in seiner Art einzigartig.

Eine Bibel zu besitzen, sie zu lesen, auf rechte Weise zu deuten und sie am Ende zu leben bedeutet eine stufenweise Annäherung an ethische Vorgaben, die ohne zusätzliche Information darüber schwer zu erreichen sind. Nicht ausgeschlossen ist, auf ganz anderen Wegen diese ethischen Ziele dennoch zu erreichen. Gottes Wege sind aus guten Gründen breit gefächert und der religiös gesinnte Mensch hat sie lebenserfahrend zu erringen.

Die Bedeutung und Biografie des Buches der Bücher ist vor allem unter den Gesichtspunkten von Religion, Literatur und Kultur zu sehen. Einen enorm starken Fundus bietet er auch Forschungszweigen wie u. a. der Philologie, Rechtswissenschaft oder der Archäologie. Den meisten Menschen jedoch, die mit der Bibel leben und aus ihr Lebendiges für sich zu gewinnen wissen, wird der Offenbarungscharakter jenes Hauptelement sein, der den besonderen Wert ausmacht. Für die Menschen der Moderne dürfte dies in erster Linie das Neue Testament sein. Viele Thesen sind dabei außerordentlich geeignet, den Menschen in seinem Bemühen um Mitmenschlichkeit zu stärken, festigen und eine ethisch-moralische Orientierung anzubieten, die man dem Begriff wachsender sozialer Intelligenz durchaus zunächst zuordnen könnte. Dies alles zunächst für die mehr irdische Seite des menschlichen Lebens. Die Gefahr von Missbrauch oder Missverständnis jedoch ist sehr groß. Deutung und Interpretation lassen scheinbar viele Möglichkeiten zu, dieses großartige Werk auch für die eigenen egobehafteten Ziele zu instrumentalisieren.

Die religiöse Bedeutung jedoch geht wesentlich tiefer. Sie erschließt sich einem Individuum ausschließlich nur auf einem individuellen Wege, der vom Glauben über das Erkennen geht. Der innere Weg der Freiheit und Verantwortung für sich selbst, seine Gedanken, Gefühle und Taten kann individuell dann Dimensionen erreichen, die sich verbaler Mitteilbarkeit entziehen. Große Mystiker der Geschichte sind u. a. lebendige Zeugen solcher individuellen Entwicklungsmöglichkeiten, die durchaus - wenn gleich nicht ausschließlich - mittels der Bibel erfolgen können.

Aber auch ohne individuelle mystische Erfahrung spielt die Bibel in ihrem biografischen Werdegang und ihrem beständigen Lebensquell eine tragende gesellschaftliche Rolle in der Welt. Die positive Seite davon sind die ungezählten Taten der Nächstenliebe. Die negative Seite hat durch Fehldeutung und Missbrauch bis zum heutigen Tage auch immer wieder zu Krieg und Tod geführt.

Die Bibel ist Schauplatz des menschlichen Dramas geblieben, dessen Ringen um das Wahre und Gute durch tausend Höllen muss, Irrtümer wiederholt durchschreitend und immer wieder neu Hoffnung gebend, der göttliche Kern des Menschen möge sich im Menschen selbst erkennen.

— 01. August 2010
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