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05. April 2012

Fragen

Die Frage nach dem Wert der Frage, hinterfragt Christa Schyboll

Wer viel fragt, erfährt viel. Wer viel weiß, kann viel antworten. Wer nichts hinterfragt, sollte sich über ein Informationsdefizit nicht wundern. Wer zuviel fragt, erlebt oft unangenehme Überraschungen oder wird auch schnell als neugierig tituliert.

Wer zum falschen Zeitpunkt fragt, gilt als ungeschickt. Wer das Nachfragen unterlässt, gilt als stur oder gleichgültig. Wem keine Frage einfällt, der ist dumm oder phantasielos. Und natürlich dann noch die, die dumm fragen. Was immer dumm an einer Frage auch sein kann!

Mit anderen Worten: Mit Fragen kann man viel falsch machen. Ohne Fragen auch. Das Fettnäpfchen lauert überall. Und wie steht es mit der Selbstbefragung? Ist wenigstens hier ein Bereich, der halbwegs gesund gehandhabt wird? Sich selbst zu befragen, mag vielen Leuten lächerlich vorkommen, weil man doch weiß wie man ist und was man tut. Aber warum man etwas tut oder lässt und welche Motivation dahinter steckt, kann durchaus eine spannende Fragestellung werden, die viel mehr über uns aussagt, als die Tat an sich.

Sich selbst zu be- und hinterfragen, heißt aber auch, unter Umständen geheime Türen zu Bereichen zu öffnen, die nicht umsonst bisher fest verschlossen waren. So manch ein Mensch trägt noch Geheimnisse in sich oder vergangene Situationen, die so stark waren, dass sie einer kritischen Befragung bisher nicht gewachsen waren.

Auch Fragen brauchen ihre eigene Zeitqualität oder Zeitreife. Die richtige Frage zum falschen Zeitpunkt nützt niemandem. Ebenso aber auch nicht die falsche Frage zum richtigen Zeitpunkt. Unabhängig davon, ob man sie an sich selbst oder einen anderen Menschen stellt.

Manchen fällt Fragen sehr schwer. Sie fürchten, bei einem Informationsmanko erwischt zu werden und sehen ihr offizielles Selbstbildnis in Gefahr. Alles eine Frage des Selbstbewusstseins. Ist es stark, so wird häufig und sehr analytisch nachgefragt. Das kann im Zweifelsfall bis zur gefühlten Inquisition gehen. Ist das Selbstwertgefühl schwach, werden wichtige Fragen oft vermieden und eine Situation überspielt. Dies kann schief gehen und dann peinlich sein. Aber auch das ist dann eine wertvolle Erfahrung, aus der zu lernen ist.

Kinder fragen drauf los. Ohne Punkt und Komma. Sie gehen natürlich damit um und stellen sich auch nicht die Frage, ob ihre Frage blöd oder klug ist. Sie ist! Schluss aus. Und weil sie ist, wird sie gestellt. Für manch ein Erwachsener ein paradiesischer Zustand. Vielleicht aber auch ein Anlass, sich selbst zu hinterfragen, wie man es denn selbst mit der Fragerei so hält.