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10. Mai 2014

Frauen und Schönheit

Warum die Eitelkeit wichtig und anstrengend ist, erörtert Christa Schyboll

Viele Frauen suchen Liebe und wissen: Mit Schönheit ist die Auswahl größer. Also müssen sie einiges dafür tun, wenn sie ihre eigenen Chancen vervielfachen wollen. Oder sollte man am Ende weniger wählerisch sein? Oder besser noch auf das eigene Schicksal vertrauen, dass sich auch mit weniger Aufwand an Eitelkeit der richtige Partner einstellt, weil auch die inneren Werte zählen?

Gehört eine Frau heute rein alterstechnisch nicht mehr der freien Jugendclique bis maximal so um die Mitte dreißig herum an und ist auf der Suche nach einem passenden Partner, so braucht es schon viele "Kneipengänge" (oder Partys, Theaterbesuche, Konzerte, Schwimmbäder oder Kirchenfestivals usw.) bis der Richtige erscheint, zu der/dem man dann auch selbst passt.

Was die Natur an Jugendschönheit nun nicht mehr für alle zu bieten hat, muss durch kleine Tricks aufgepeppt werden. Das ist schon eine Jahrtausende altes Erbe und keine Marotte der Neuzeit.

Viele, vermutlich die meisten Frauen, setzen bei diesem Bemühen auf Augenscheinliches. Sie tun es in dem Wissen, dass der Mann an sich ein Augentier ist. Frauen sind Ohrenwesen. Sie lauschen, hören genau hin – wenn sie gerade einmal nicht reden. Männer schauen, starren, gucken. Schamlos, offen, süffisant, interessiert, lockend, abweisend, abschätzig – je nachdem, wer da in ihren Blick stolpert. Und weil Frauen dies wissen, sorgen sie vor – in dem sie notfalls nachsorgen, was das Leben hier und dort bereits sorgenvoll in kleine Fältchen eingegraben hat. Mit anderen Worten: Sie machen sich schön für den Mann. Auch wenn sie behaupten, es sei für sich selbst! Das zu behaupten, verlangt der Rest der inneren Würde, die es mit der Wahrheit nicht so ganz genau nimmt. Und sie machen es, so gut und ordentlich sie es halt können. Gleichzeitig hoffend, dass der Erwählte hinter diese geschminkte Schönheit schaut. Dahinter? Manch ein Kerl würde das am Ende noch biologisch deuten und nach dem dermatologischen Hautaufbau fragen. Nein, dahinter zu schauen, das kann zunächst nur eine Minderheit der anderen Spezies. Aber die kluge Frau hilft nach. Immerhin hat die Schöpfung ihr dafür ein ausgezeichnet intelligentes Sprechorgan geschaffen, das sich auch mit dem Nichtoffensichtlichen der eigenen Talente wortreich darzustellen weiß, um auf ihre innere Schönheit aufmerksam zu machen.


Liebe fordert Tribut


Heute sind die meisten Frauen berufstätig. Sehr viele davon auch noch zusätzlich alleinerziehend. Manch eine davon bringt es sogar noch auf die Gleichung: politisch aktiv, sozial engagiert, berufstätig und Mutter von mehreren Kindern. Das sind die unerkannten Göttinnen, deren Kraft unermesslich ist. Es gibt sie, meine Herren! Und sie machen einem Manne Angst! Solche Frauen werden vermutlich auch keinen Partner mehr finden. Denn welch ein Mann sollte da noch mithalten! Das kann er nur, in dem er ihre wahre Leistung konsequent übersieht.

Aber gemach, gemach! Es gibt auch die durchschnittlichen Frauen, die sehr wohl für durchschnittliche Männer interessant sein können. Auch diese Damen bleiben ungern allein und sehnen sich nach Partnern, Freunde, Liebende. Sie sehnen sich nach Zärtlichkeit, dem Schönen und dem Vertrauten. Sie sehnen sich nach einem Ideal, auch wenn es sie Zeit und Mühe kosten wird, es zu erlangen.

Ausgehen bedeutet für die jungen Frauen, nach einem vielleicht stressigen Job am Abend: ab ins Bad, schönmachen, ausgehen. Für die Frauen im mittleren Alter heißt es, nach dem stressigen Job die Kinder versorgen, den Haushalt in Ordnung bringen, ab ins Bad, schönmachen, ausgehen. Für die älteren Frauen heißt es: ins Bad, langer, länger, am längsten schönmachen, ausgehen. Die Haut sollte so frisch aussehen, wie der Geist frisch tut, auch wenn er längst hundemüde ist. Aber ein einsamer Geist weiß die Müdigkeit zu unterdrücken, wenn die Liebe lockt.

Liebe fordert immer Tribut. Und so geht es dann – vielleicht noch nach altem Muster - mit der Straßenbahn durch den spätabendlichen Regen – oder besser gleich mit dem Taxi ins entsprechende Etablissement, damit man vor seinem ersten Drink nicht wie eine nasse, streunende Katze steht, wo doch die Zeit im Bad so lange verbracht wurde. Das alles kostet nicht nur Zeit und Kraft. Auch Geld, Geduld, Glaube und Hoffnung.


Abendliche Pirsch


Natürlich läuft frau auf müden Beinen in High Heels, damit nicht schon im Vorfeld die Chance einer optischen Erstwirkung verpasst wird. Denn die Modeindustrie zeigt uns allen über die Medien, wie wir aktuell auszusehen und was wir zu tragen haben. Daran sind auch viele Männerblicke beim automatischen Taxieren orientiert. Denn Männer sind Augentiere. Sie kennen es nicht anders, da sie viel fernsehen und das Fernsehen für die Wirklichkeit halten. Die Wirklichkeit selbst mitsamt seinem Menschen passen sich in der Tat auch perfekt ans Gewollte an. Hirnwäsche funktioniert immer, wenn sie nur gründlich und nachhaltig angelegt wird.

Hat man einen solcher Tage, wo man einfach so auf die abendliche Pirsch geht, ohne etwa mit jemandem schon fest verabredet zu sein – so wie das in Zeiten vor dem Internet unter Menschen durchaus üblich war und man sein Glück allen Ernstes Frau Zufall anvertraute - dann ist natürlich die anvisierte Kneipe noch leer. Die nächste auch. Es wird eben erst immer nach 23.00 Uhr so langsam voll. Aber um 06.00 morgens klingelt der Wecker und die ersten Mails liegen schon auf dem Frühstückstisch, noch bevor man zum Weg auf die Arbeit gestartet ist. Von denen mit Kindern wollen wir erst gar nicht reden! Dabei ist der Schlaf so wichtig! Nicht nur um beruflich erfolgreich zu sein, sondern auch gesund und schön zu bleiben. Aber ein neuer Partner ist ebenso wichtig. Und sei es doch mindestens nur ein Mingle-Partner für eine offene, freie Beziehung auf Zeit!

Heute braucht es so etwas wie großes Gottvertrauen, um bei der Stange zu bleiben. Man braucht viel Gelassenheit, wenn man sich nach all den aufgebürdeten Mühen eines solchen mühevoll- langweiligen Flirtabends ohne Erfolg zerschlagen gegen ein Uhr Nacht ins Bett legt und in den letzten Gedanken vor dem ersten Traum der Nacht die eigenen Pleiten durchzählt. Diejenigen, die dann immer noch bei dieser altern Methode bleiben, haben wahrhaft beeindruckende Kräfte und Ziele!

Sollte man am Ende weniger wählerisch sein? Doch das macht gewiss auch nicht glücklicher, sofern man in relativ festen Vorstellungen lebt. Je höher jedoch die Vorstellungen geschraubt werden, je schneller katapultiert man sich ins Aus der begrenzten Möglichkeiten. Zumindest, sofern es das rechnerische Kalkül betrifft. Setzt man auf das Schicksal, dann gelten andere Formeln und Bedingungen.

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags gibt die persönliche Meinung des Autors wieder. Diese Meinung wird nicht notwendigerweise von der gesamten Redaktion geteilt.