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22. August 2013

Freunde bis in den Tod

Wenn Freunde berufliche Rivalen werden. Von Christa Schyboll

Sammy und Jörn sind beruflich harte Konkurrenten. Sie stehen sich beim jeweiligen Karriere-Höhenflug gegenseitig im Wege. Deswegen sind sie auch ausgekochte Rivalen. Das Problem ist nur: Privat sind sie Freunde. Damit stecken sie beruflich ständig in einem Dilemma, wenn der eine oder andere an die Freundschaft appelliert.

Sammy und Jörn wollen beide in die Geschäftsleitung. Die hat nur Platz für einen von ihnen. Und zwar erst im übernächsten Jahr. Die Sache mit der stahlharten Konkurrenz hat also neben der zwischenmenschlichen nun auch noch eine zeitliche Hürde zu nehmen.

Um die Freundschaft dennoch zu retten, mussten den beruflichen Rivalen eine Menge guter Tricks einfallen. Ob diese sich als wirksam und nachhaltig erweisen, wird die Zukunft zeigen. Und natürlich auch die Karriere des einen oder des anderen. Denn wenn einer von ihnen es geschafft hat, könnte schon zwei Jahre später wieder ein Posten in der alternden Geschäftsleitung frei werden. Ob das etwas für den Zurückgebliebenen wäre? Eine Chance? Oder wird es dann als läppisches Gnadenbrot betrachtet, weil man den Vorsprung nicht mehr wirklich einholen kann? Denn der erfolgreiche Freund steht dann schon wieder ganz anders da.

Derzeit müssen sich also beide die gegenseitige Vertrauensfrage stellen. Was ist zu tun, wenn jeweils der andere das Rennen macht? Eine tüchtige Aufgabe für Herz und Hirn. Sammy spricht es offen an. Jörn ist dankbar darum. Endlich ist der Bann gebrochen! Auch wenn damit allein nun noch kein Problem gelöst ist.

Sie gehen ein Bier trinken. Oder auch zwei. Und weil es so schön ist, genehmigen sie sich an diesem Abend auch einen Schnaps. Oder zwei. Oder drei. Sie können ja mit dem Taxi heimfahren. Sie erzählen sich ihre gegenseitige Not. Sie hören sich selbst im anderen sprechen. Der eine spricht aus, was der andere schon lange fühlt. Man sitzt gemeinsam in der gleichen Falle. Darauf brauchen sie einen tüchtigen Cognac. Jetzt werden sie munter. Sie schmieden einen Plan für die Zukunft. Sie stellen sich die Szenerie so lebhaft wie möglich vor. Und zwar mit allen denkbaren Alternativen, falls der eine oder der andere oder wie auch immer …

Die Nacht wird lang. Die Liste der Getränke auch. Die beiden umarmen sich. Sie haben die Lösung gefunden. Sie vertrauen sich wieder voll. Sie wissen, wie es um sie steht. Sie merken doch auch, wie sie gegeneinander ausgespielt werden. Sie finden immer mehr Indizien dafür. Man hetzt sie aufeinander. Wie Bluthunde. Man will einen Keil zwischen sie treiben. Man will das letzte aus ihnen herausholen. Zum Wohle des Konzerns. Sie durchschauen die Sache. Eine fiese Masche. Eine übliche. Der normale Deal. Einer soll das Opfer geben. Aber es geht auch anders. Das beschließen sie nun. Diesem Treiben wird ein Ende gesetzt.

Noch einen letzten Tropfen. Einen doppelten. Dann wandern sie nach Hause. Arm in Arm. Sie stützen sich. Sie sind Freunde. Sie bleiben Freunde. Sie halten sich gegenseitig. Nicht nur jetzt auf der schwankenden Straße. Sie stehen sich bei. Immer. Sie sagen es sich gegenseitig. Sie überqueren die Straße. Sie ist wie ein Meer. Warum schaukelt sie nur so? Sie schauen nach rechts, schauen nicht nach links. Laufen direkt in einen frühen Laster auf dem Weg zum Gemüsemarkt. Wie sie so da liegen! Die Polizei staunt. Gleich zwei Tote. Und sie halten sich. Wie beste Freunde….. Wie beste Freunde bis in den Tod!