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16. November 2009

Reifezeit für eine neue Geldethik?

Ein Appell von Christa Schyboll

Das Monopolyspielchen ist zusammengebrochen und scheint in alter Lesart aus Ruinen neu zu erstehen. Die globalen Rufe nach dem Staat, der alles richten soll, haben Früchte für die Verursacher getragen. Sie schicken sich gerade wieder an, ihr Spiel neu zu beginnen.

Sicher, ein wenig mehr will man ihnen jetzt schon auf die Finger schauen, die Megaeinkünfte dämpfen und die persönliche Verantwortung über den Zwangsschnitt in den Geldbeutel forcieren. Das sind die derzeitigen Methoden, die den schwerkranken Patienten Weltwirtschaft retten sollen, der von manchen längst schon wieder allein deshalb gesund geschrieben wurde, weil kranke Patienten mit Dauerschäden keine schöne Statistik hergeben. Weg mit den üblen Gerüchten, er sei im Grunde immer noch krank – und seine Scheingenesung sei lediglich eine Dämpfung durch finanzielle Psychotherapeutika… mit immer mehr antibiotischen, voll gegen das Leben und die Vernunft gerichteten Geldspritzen.

Auch der Patient selbst schreit nach einer Behandlung, die möglichst schmerzlos und kurzfristig ist - nicht wirklich wissen wollend, was denn seine Krankheit verursacht hat. Solange nur die ganz vielen Kleinen und Mittleren die ganz große Zeche seiner Behandlung zuverlässig weiter zahlen. Und wie nennt man nun diese Krankheit, die nicht entdeckt werden will, obschon sie jeder längst kennt: Gier, den Hals-nicht-vollkriegen-können. Diese jedoch kann ausgerechnet mit Geldmenge genau nicht geheilt werden, sondern nur mit einer neuen Geldethik, die eine grundsätzlich andere Struktur braucht. Aber man versucht es dennoch, weil man es so gewohnt ist… und es vor allen den Anwendern bisher viel Geld (der Kleinen) gebracht hat. Doch man beachte: Es handelt sich hier schon lange um einen "Suchtpatienten".... Wer und was ihn süchtig macht, ist eine Gegebenheit im Menschen, die eine zunächst natürliche, aber lange nicht zwangsläufige oder nicht behandelbare wäre.

Vielen, vielleicht den meisten Menschen, ist eine bestimmte Menge von Gier, Genuss, Habenwollen usw. als ganz natürlicher Faktor in ihrem Leben mitgegeben. Man kennt es bei jedem Kleinkind, das sofort schreit, wenn es irgendetwas nicht bekommt – unabhängig davon ob es dies wirklich zum Überleben braucht. Später lernen Menschen, mit dieser natürlichen Gier sozial besser umzugehen. Kaum haben sie es gelernt, beginnt das Desaster aber wieder neu durch die vielen subtilen Verführungsmechanismen, die man gewerbsmäßige Gehirnwäsche nennt und die die Bedürfnissteigerung zum Ziel hat, damit Produkte und Warenfluss im gesamtwirtschaftlichen Rahmen ja auch global funktionieren. Soweit so natürlich, wäre da nicht der Umstand, dass auch die Produktion von Waren mit allen damit verbundenen Umständen (z.B. Ressourcenabbau, Umweltverschmutzung usw.) ebenfalls von dem Faktor Gier wie von einer heimlichen Seuche bedroht wären. Der Begriff der Nachhaltigkeit und einer neuen Lebensqualität, wo weniger mehr ist, ist noch weit von seiner Realisation entfernt auch wenn das Wort schon mal häufiger als noch leere Hülle jetzt zu lesen ist.

Was es braucht, ist eine neue Geldethik, die im Zusammenhang der obigen Faktoren eine neue Ordnung schafft, damit der Patient endlich die Therapie bekommt, die ihn gesunden lässt. Diese Alternative wurde schon von vielen nicht nur gedacht, sondern auch konzeptionell entwickelt. Aber durchsetzen wird sie sich nur dann, wenn der Suchtpatient sich endlich freiwillig aufmacht und sich seinem Entzug stellt….