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01. April 2016

Geld regiert die Welt

Fragen zum Geldsystem und der Zukunft Christa Schyboll

Mehr und mehr Länder schaffen die Kleinmünzen ab, weil sie die Geldbörsen offenbar zu sehr belasten. Natürlich auf freiwilliger Basis für den Verbraucher. Mehr und mehr Menschen ersetzen auch durch den Einsatz von Kreditkarten das Bargeld, dessen Abschaffung ebenfalls immer lauter diskutiert wird.

Mehr und mehr Länder schaffen die Kleinmünzen ab, weil sie die Geldbörsen offenbar zu sehr belasten. Natürlich auf freiwilliger Basis für den Verbraucher. Mehr und mehr Menschen ersetzen auch durch den Einsatz von Kreditkarten das Bargeld, dessen Abschaffung ebenfalls immer lauter diskutiert wird. Vorteile und Nachteile liegen auf der Hand. Die Nachteile sind dabei besonders heftig in Zeiten von Massenmanipulationsmöglichkeiten – durch welche Gruppen auch immer.

Aber Geld ist ja vielmehr als nur ein Zahlungsmittel. Es hat eine lange Geschichte in der Menschheit, die oft unrühmlich in Sachen Geld endete. Noch immer leben wir in antiquierten Vorstellungen in Bezug auf das Geld. Dabei wissen wir genau, dass es doch nur ein Hilfsmittel für unsere soziale Interaktion ist, womit wir uns in Teilbereichen des Lebens organisieren.

Die teils gut, teils schlecht funktionierenden alternativen Formen des Tauschhandels, der Wertkarten, des Anschreibens und was es sonst noch immer an kreativen Alternativen in den Wertkreisläufen gibt, sind nur bedingt einsatzfähig, lokal begrenzt und auch nicht auf alles anwendbar. Diese Alternativen mögen innerhalb überschaubarer Zirkel eine positive Funktion haben und den "kalten" Geldverkehr ersetzen. Es mag dabei auch zu neuen sozialen Übereinkünften der jeweiligen Gemeinschaft kommen, die sich auch in Sachen Achtsamkeit, Bewusstheit usw. selbst und freiwillig weiter schult. Aber das sind noch keine großen Entwürfe, die ganze Nationen, gar die ganze Menschheit als Modell so ohne weiteres gemeinschaftlich übernehmen kann.

Auf der anderen Seite steht die gierige Fratze eines unersättlichen Finanzkapitalismus, der Armut und Verelendung in viele Häuser und Familien bringt. Er hat kein Einzelgesicht, ist nicht namentlich zu benennen und dennoch hochwirksam in seinen legalen oder halblegalen zerstörerischen Machenschaften.


Hilft der Faktor Zeit für die Zukunft des Geldes?


Menschen, die hart für ihr oft bescheidenes Einkommen arbeiten müssen, wehren sich zu Recht gegen diese Raubkatze des Kapitalismus, der aber auch mit Gesetzen nicht beizukommen ist. Ob es nun die falschen Gesetze sind oder die Hüter des Gesetzes versagen, bleibt mit einem großen Fragezeichen im luftleeren Raum stehen. Hinter Gitter kamen angesichts der Milliarden verbrannter Dollar- und Euroscheine in den letzten zwei Jahrzehnten nur äußerst wenige.

Nicht wenige kritische Wissenschaftler glauben, dass der Kapitalismus bereits seinen Höhepunkt überschritten hat. Dennoch funktioniert er noch. Aber wie lange noch? Wird es eine zweite Occupy-Bewegung geben, die schlagkräftiger und nachhaltiger als die erste ist?

Die Frage des substantiellen Wertes des Geldes wird immer genauer hinterfragt werden. Denn Geld an sich ist kein wirklicher Wert, solange er nicht im Kontext einer sozialen Funktion daherkommt.

Mit der Frage nach dem Sinn und der Notwendigkeit von Geld wird auch die Frage der Zinsen in Zukunft eine große Rolle spielen. Die alten keynesianischen Wachstumsraten sind längst vorbei - und heute träumt man schon von 2-3 Prozent an Zinsrendite und muss sich dabei noch fragen, ob man damit schon im Risikobereich ist.

Fachleute erwarten weitere Finanzkrisen. Sie scheinen unvermeidlich zu sein. Was an Schulden zurückbleibt, wird – wie immer – auf den Steuerzahler gebürdet. Aber wie lange noch? Wie oft noch? Und wenn alles wieder crasht, wie wird die Alternative aussehen können, die derzeit noch kaum jemandem vorstellbar ist. Zu sehr sind wir an das ruinöse System gewohnt. Und wer es vermochte, hat sich auch gut darin eingerichtet. Die Masse aber schaffte das nicht, weil es eben unter anderem auch auf Ausbeutung und Unrecht aufgebaut ist … wenngleich nicht an jedem Ort der Welt. Wir im reichen Westen haben Glück!

Ist die Geldproblematik durch den Faktor Zeit zu lösen? Wäre die Idee, weniger zu arbeiten und die Arbeit gerechter auf der Welt zu verteilen, die Rettung? Doch wie lange braucht eine Umstellung eines solchen Systems – oder ist das am Ende nicht einmal wichtig, wenn man endlich nur einmal damit beginnt.

Ich las kürzlich, dass Keynes bereits vor über 80 Jahren orakelte, dass wir in Zukunft wohl nur noch vier Stunden täglich arbeiten würden… nein: müssten. Wirtschaftsfachleute diskutieren diese Dinge ernsthaft mit den entsprechenden wissenschaftlichen Parametern. Man darf gespannt sein, welche Richtung diese Diskussion nimmt, sobald der nächste massive Finanzcrash die Welt erneut in ihren kapitalistischen Festen erschüttert.

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags gibt die persönliche Meinung des Autors wieder. Diese Meinung wird nicht notwendigerweise von der gesamten Redaktion geteilt.