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07. August 2012

Glück lernen

"Glück" als Unterrichtsfach in der Schule, von Christa Schyboll

Die Heidelberger waren die ersten in Deutschland, die "Glück" als neues Unterrichtsfach vor einiger Zeit einführten. Mittlerweile haben viele Schulen in Europa nachgezogen.

Dass Glück eine ernste wie schwierige Sache zugleich ist, muss man keinem Menschen erzählen. Jeder weiß, wie flüchtig und kurzatmig es ist und wie viel Kraft und Talente es braucht, um es immer wieder neu zu erringen. Insofern ist es auch kein so genanntes "Zuckergussthema", um den leidigen Schulalltag doch ein wenig zu versüßen.

Ist Glück eigentlich eine Glückssache oder eine Frage des Zufalls? Ist es knallharte Arbeit oder jenes Maß von weiser Gelassenheit, die kommen und gehen lassen kann, ohne viel dafür zu tun?

Kinder können früh lernen, dass sie selbst dazu beitragen können, dem Glück eine Chance in ihrem Leben zu geben. Es willkommen zu heißen und jene besonderen Momente nutzen zu lernen, die wir so dringend brauchen und so selten erleben. Glücklich zu sein oder zu werden, hat viele Komponenten. Daran zu arbeiten und Glück auch zu verstehen, ist in jedem Fall sinnvoll. Dabei kann es jedoch nicht nur darum gehen, Glück allein durch philosophische oder psychologische Betrachtungen zu erfahren. Dann bliebe es ein "totes" Fach.

Auch die Frage den persönlichen Emotionen gehört zentral zum Lehrfach Glück. Aber diese Gefühlsstimmungen sind so individuell, dass es oft schwierig ist, eine generelle Aussage zu machen. Was den einen erfreut, kann den nächsten langweilen oder den übernächsten sogar traurig machen. Soweit ist die Bandbreite der Emotionen zwischen den Menschen gestreut, was im Falle des Glücks eher Pech ist, weil: Es ist kein Lernfach, auch wenn es gelehrt wird.

Glück ist eine Kompetenzsache, sofern man nicht schon als Glückskind geboren wurde. Auch das gibt es, aber es ist die Ausnahme. Die meisten Menschen erfahren Glück und Leid im Wechsel. Und der größere Prozentsatz vermutlich etwas mehr Leid als tatsächliches Glück. Die Formel vom dauerhaften Glück ist wohl eine der schwierigsten, weil die Lebensbedingungen in aller Regel nicht im Einklang stehen mit dem Bewusstsein desjenigen, der es dauerhaft sucht.

Das Königreich Bhutan hat Glück sogar in seine Verfassung mit aufgenommen. Als symbolischer Akt ist das eine wunderbare Sache, sofern man nicht mit den falschen Voraussetzungen nun diese Verfassung und seine garantierten Rechte falsch interpretiert. Glück ist nicht juristisch zu erkämpfen, sondern nur mit dem Herzen und dem gesunden Menschenverstand zu erringen. Glück muss auch von manchem gar nicht errungen werden, sondern stellt sich als Selbstverständlichkeit oder sogar Unausweichlichkeit ein, wenn man vieles so richtig wie nur möglich macht. Dann nimmt das Glück gern Platz.

Da wir aber keine Roboter sind, ist es keine Frage, dass wir auch immer wieder neu Fehler begehen. Dann schleicht sich das Glück in unseren hintersten Winkel und versteckt sich vor uns. Aber es ist nicht weg. Es ist bereit, uns immer wieder neu aufzusuchen, wenn wir die Bedingungen dafür schaffen. Die Bedingungen sind aber nicht immer leicht. Verschiedene Kombinationen müssen individuell so fein justiert sein, dass das letzte Zahnrädchen zum Einklicken ins Glück passgenau wird: Liebefähigkeit, Erkenntnis, Verständnis, Toleranz, Gelassenheit, Mut, Fleiß, Hoffnung, Sehnsucht, Großherzigkeit sind nur ein paar dieser Bedingungen, die Glück als Nährboden braucht. Die Wirklichkeit des Glücks ist in wenigen Zeilen nicht zu erfassen.

Früh von all dem aber bereits in der Schule schon zu lernen zu dürfen, ist auch schon … Glück! Glück, das bisher nur wenigen geschenkt ist.