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16. November 2009

Glück und Unglück – eine reine Befindlichkeitsfrage?

Nachdenkliches von Christa Schyboll

Macht Glück Sie glücklich? Was für eine Frage! … Dennoch: Sagen Sie bitte nicht zu schnell JA! ...

Die alte Frage nach dem Geld im Zusammenhang mit Glück ist ja zu oft gefragt worden. Dass es das Geld nicht ist, weiß jedes Kind. Aber dass Geld oder ausreichender Reichtum als Hilfsmittel vorübergehend auf einer Teilstrecke zum privaten Glück angenehm sind, bestreiten auch nur wenige. Man kann sich in diesen Zwischenphasen schön in einer Hängematte von gewissen Sicherheiten wiegen, während andere eine wesentlich härtere Grenze zum persönlichen Glück wagen müssen. Sei es durch materielle Schulden, sei es durch individuell schwer empfundene zwischenmenschliche Leistungen. Aber irgendwann braucht man auch das nicht mehr. Denn davon kann Glück allein naturgemäß nicht wirklich abhängen.

Wovon hängt denn nun das Glück eigentlich ab, wenn es eben doch nicht der äußere Reichtum allein ist, was uns die Reichen der Welt ja häufig mit ihrem Kummer öffentlichkeitswirksam präsentieren? Gibt es überhaupt gültige Antworten? Oder liegt das Geheimnis des Glücks vor allen Dingen darin, dass man es nicht einmal bewusst anstrebt, sondern weise sein Leben so zu gestalten versteht, dass es die Abwesenheit von Unglück ermöglicht? Ist man schon glücklich, wenn man gerade nicht unglücklich ist?

Es gibt nicht wenige sehr kranke Menschen, die glücklich sind. Glücklicher jedenfalls als vollkommen Gesunde. Also auch daran kann es auch am Faktor Krankheit/Gesundheit nicht alleine liegen. Oder ist Glück ein so komplizierter Vorgang, dass er seiner Natur nach gar nicht immer vorhanden sein kann? Liegt es vielleicht in seinem Wesen, im Leben eines Menschen nur immer mal wieder kurz aufzuglimmen? Als befeuernder Impuls, das Beste immer wieder neu anzustreben – sei es in partnerschaftlicher Hinsicht, in Freundschaften oder dem Beruf. Vielleicht ist die Abwesenheit eines konstanten Vorhandenseins sogar seine Bedingung? Oder aber, man muss diesen Begriff nochmals anders fassen und unterscheiden zwischen einem kurzzeitigen, vielleicht sogar ekstatischen Hoch zu bestimmten, seltenen Gelegenheiten und jenem Dauerglück, dass man „Zufriedenheit“ nennt. Der Begriff „Zufriedenheit“ hört sich wesentlich bescheidener an als „Glück“ oder „glücklich sein“ -- aber birgt die Möglichkeit einer Langzeitwirkung, so ein Mensch das Geheimnis des Erreichens dieses Zustandes für sich entdeckt hat. Glück also doch als Dauerzustand, in dem wir ihm übertriebene Spitzen nehmen? Indem wir es entkernen von überzogenen Erwartungen?

Vielleicht ist das kurze, vorübergehende Glück, dass wir hin und wieder erleben, aber keineswegs in aller Regel festhalten können, ein wunderbarer Vorgeschmack auf jenen Zustand, wo wir reif dafür geworden sind, nicht mehr ein Mindesthaltbarkeitsdatum befürchten zu müssen, weil wir seinem Geheimnis auch auf die Spur kamen?