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13. Dezember 2013

Das Luciafest

Lichtzauber einer Märtyrerin. Von Christa Schyboll

Das Luciafest ist auch ein Symbol vom Licht in der Finsternis, das uns entzündet wird. Der schöne Brauch beginnt schon am frühen Morgen durch das Entzünden der Kerzen, die uns den Weg durch das Leben leuchten sollen.

Unsere europäischen Nachbarn, die Schweden, begehen am 13. Dezember jährlich das Luciafest. Es erinnert an die frühchristliche Heilige, die in Syrakus/Italien um die Zeit von 283 bis 304 lebte. Lucia, bedeutet, „die Leuchtende“ und kommt von lateinisch lux, Licht.

Die Heilige Lucia, so ist durch die Überlieferung bekannt, trug ihren Lichterkranz auf dem Haupte deswegen, um ihre Hände zum Helfen frei zu haben. Sie versorgte die verfolgten Frühchristen heimlich mit Lebensmitteln und half, wo sie konnte. Ihr weißes Gewand scheint ein Indiz dafür zu sein, dass sie zu ihrer Lebenszeit zum Stand der geweihten Jungfrauen gehörte. Nach den Beschreibungen war ihr Leben voll von Wundern. Sie war die Tochter eines reichen römischen Bürgers, der jedoch früh verstarb. Lucia wehrte sich gegen die Pläne ihrer Mutter, sie zu verheiraten, da sie sich als Braut Christi entschieden hatte, ehelos zu bleiben. Auf einer gemeinsamen Wallfahrt zum Grab der heiligen Agatha von Catania wurde sie nach einem Gebet vom Leiden des Blutflusses geheilt. Ihre Mutter stimmte darauf hin dem Wunsch der Tochter Lucia nach Ehelosigkeit zu. Doch die Verlobung war bereits versprochen und der Bräutigam wollte nicht zurückstecken. Der Richter ordnete an, Lucia in ein Bordell bringen zu lassen. Doch selbst ein Ochsengespann und tausend Männer konnten sie nicht fortbewegen. Nach einem schweren Märtyrium aufgrund ihrer festen Entscheidung, nur die Braut Christi sein zu wollen, wurde sie mit einem Schwertstich in ihren Hals getötet. Andere Legenden berichten auch, man habe ihr die Augen herausgerissen.

Geehrt wird sie bis heute durch verschiedene Lichtriten, die besonders im hohen Norden in der lang anhaltenden Dunkelheit des Winters mit vielen Lichtern begangen werden. Dann gedenken die Menschen der Heiligen Lucia und ehren sie an ihrem Feiertag am 13. Dezember.

Vor der Gregorianischen Kalenderreform war der 13. Dezember der kürzeste Tag des Jahres und galt bis 1752 als Wintersonnwende. Niemand weiß heute noch genau zu sagen, wann dieses christliche Fest bei den nordischen Völkern Fuß fasste und zu einem Festtag wurde. Zumindest aber seit dem Mittelalter ist es für uns Nachkommen als besonderer Tag des Jahres überliefert. Die damals überwiegend ländliche Bevölkerung stellte ihre landwirtschaftlichen Arbeiten spätestens ab diesem Zeitpunkt ein. Die Menschen zogen sich weiße Gewänder an. Erste bekannte Überlieferungen deuten dabei vor allem auf die Gutshöfe in Westschweden hin. Die Bauernregeln zum Luciatag sind diesem alten Kalender vor der Reform geschuldet. Deshalb waren die Aussagen „An Sankt Lucia ist der Abend dem Morgen nah“ oder „St. Luzen tut den Tag stutzen“ im Zusammenhang der Wintersonnwende gut nachvollziehbar.


Lucia in der Zeit der Moderne


Auch heute werden noch weiße Gewänder getragen und gemeinschaftlich die Lucialieder gesungen. Ein jeder Ort, der dieses Fest begeht, wählt sich seine eigene symbolische Lucia an diesem Tag. Zumeist ist es ein junges Mädchen. Alle erfreuen sich bereits schon am Morgen am Lussekatter, einem traditionellen Safrangebäck, dass an diesem Tag besonders gerne verzehrt wird.

Der Festtag der Heiligen Lucia beginnt somit schon am frühen Morgen in der Familie und setzt sich über den ganzen Tag in Schulen und Kindergärten ebenso fort wie auch an so manchem Arbeitsplatz, selbst in der heutigen modernen Zeit. Die Familien-Lucia ist zumeist traditionell die älteste Tochter. Sie trägt das weiße Gewand und ein rotes Band um ihre Taille. Auf ihrem Kopf trägt sie einen Kranz brennender Kerzen.

Sternenmädchen und Sternenknaben folgen ihr, wenn sie ihre Gänge durch die Dunkelheit geht. Sie halten die Kerzen als Symbol des erwachenden Lichtes in ihren Händen. Aus Sorge um Verbrennungen wurden vielerorts die Wachskerzen durch elektrisches Licht ausgetauscht. Nicht nur die Schweden begehen dieses Fest. Auch die anderen nordischen Völker in Norwegen, Finnland und Dänemark haben nach und nach diesen Brauch übernommen. Vielleicht ist es in diesen Ländern besonders beliebt, weil der Lichterschein in der Dunkelheit den Menschen Hoffnung gibt. Sie wissen, ein neues Jahr bricht an und die Sonne mehr und mehr wieder in ihr Leben ein.

Der Heiligen werden bis heute auch heilende Einflüsse bei diversen Krankheiten zugeschrieben, weshalb Gläubige zu dieser Märtyerin beten und sie um Hilfe bitten, vor allem bei Augenleiden, Blutfluss, Halsschmerzen und Ruhr. Weiter gilt sie als Patronin der Armen, der Blinden, reuigen Dirnen und kranker Kinder. Die Kunst der Ikonographie stellt die mutige junge Frau, die so früh ihr Leben verlor, meist mit einem Schwer und einem Palmzweig dar, die beide als Symbol der Märtyrer bekannt sind. Auch kennt man sie bildlich mit einem Buch, einem Kranz aus Rosen oder einer Öllampe, die als Attribute für geweihte Jungfrauen stehen. Hin und wieder sieht man auch Bilder mit ihren ausgerissenen Augen, die sie in einer Schüssel trägt.

Blindheit und Licht. Die Dunkelheit, die dem Licht weicht nach der längsten Nacht des Jahres. Ein Symbol, das weit über den Kalender hinaus geht, wenn man all das zu deuten versteht.