Jugendliche

Eine ganz eigene Spezies Mensch?, mutmaßt Christa Schyboll

Man kennt die Typen ja! Der eine Typus: Verwahrlost, faul, genusssüchtig, unverschämt, bei Bedarf kriminell und jenseits jedes Unrechtsbewusstseins. Der andere Typus: gestylt, gegelt, geschniegelt, empfindlich, arrogant und ebenfalls faul mit einer Menge Bedürfnis nach viel Knete, um die elementarsten Notwendigkeiten des ständigen Konsumterrors erfüllen zu können.

Diese Spezies taucht regelmäßig neu in der Entwicklungsperiode im Laufe eines Menschenlebens auf und wird in dieser Phase als "Jugendlicher" bezeichnet. Die Unterschiede zwischen Mädchen und Jungs können enorm sein, haben jedoch eines gemeinsam: sie können unbarmherzig verschiedenartig stark nerven.

Alle Eltern, die damit in den Jahren zwischen zwölf und zwanzig – je nach Früh- oder Spätzünder – geschlagen sind, haben die höchstpersönliche Pestzeit ihres Lebens zu bestehen. Entweder sie überleben es und gehen tief gezeichnet aus dieser Periode oder sie sterben tausend Tode und sind anschließend menschliche Zombies, die ausnahmslos früh gealtert sind und gespensterhaft für den Rest des Lebens in den Seilen hängen.

Was tun mit dieser Brut in jenen Jahren, wo ein Brett vor den Kopf genagelt ist mit der Aufschrift: "Wegen Umbau geschlossen!" – Helfen da etwa gute Worte? Vernünftige Begründungen, Drohungen, Einschmeichelungen? – Was haben Generationen von Eltern nicht alles versucht, um gegen den Wahn, vorübergehend ein ganz normaler Jugendlicher zu sein – sprich: zu allem fähig – ein Mittelchen zu finden, dass diese Zeit erträglich sein lässt!

In der Regel nutzt: nichts! Egal, was man als Eltern tut, es ist nur eines: falsch! Biedert man sich mit ähnlicher Kleidung oder Musikgeschmack an, ist man megaoberpeinlich. Spielt man sich in seiner Verzweiflung als Autorität auf, wirkt man nur lächerlich. Heult man ihnen die Ohren voll, ist mit Hohn zu rechnen – oder mit schlimmerem! Aber lässt man sie einfach und vertraut auf den bereits gesäten guten Samen, dann jedoch ist man schon ein ganzes Stück weiter. Im Regelfall. Ausnahmen gibt es natürlich immer.

Sehr oft hilft: Augen zu und durch! Vertrauen, Vertrauen, Vertrauen … in die Kraft der Liebe und Fürsorge, sofern man sie vorher ausreichend an die Kinder gegeben hat. Auch wenn alles danach schreit, als sei der Jugendliche in sozial-anarchischen Zuständen aufgewachsen und es drohe im der baldige finale Untergang in den verlausten Slums der Gemeinschaft. Aber glauben Sie mir: Das wird schon!..Sofern vorher etwas Gutes war.

Aber was ist mit denen, wo alles in der Pubertät glatt lief? Oh, das sind oft die Schlimmsten! Das ist die allerübelste Sorte: Denn diese Vernünftigen pubertieren dann erst mit 30, 40 oder 50 Jahren – sprich: zur Unzeit und entsprechend problematischer als jene, die ihren Ausnahmezustand zur ordentlichen Zeit zwischen zwölf und zwanzig nahmen.

Gratulieren Sie sich dazu, wenn ihre Kinder es im richtigen Alter erledigten. Das werden dann in der Regel später gute Eltern, die sich auch bestens bei den eigenen Kindern dann daran erinnern können, wie sie selbst einmal waren und sich damit aber selbst nicht nur vortrefflich überlebten, sondern dazu auch noch ihr Leben zu meistern wussten!

— 18. Oktober 2011
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