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25. Januar 2012

Leben

Leben Sie sich tatsächlich?, fragt Christa Schyboll

Die Frage ist ernst gemeint und kein grammatikalisches Monstrum, auch wenn es im ersten Augenblick so klingt. Wie sehr und wie genau leben Sie sich?

Also dasjenige, was sie eigentlich wirklich sind oder sein möchten – aber eventuell nicht trauen zu sein? Inwieweit leben Sie ihre geheimen Wünsche aus oder verbannen diese in den Tag- oder Nachttraum, damit Sie selbst dabei in der sicheren Zone bleiben?

Geheime Wünsche auszuleben kann unter Umständen das Leben kosten, je nach Gefahrengrad, den man sich wünscht. Oder aber es kann unbezahlbar sein. Dann sollte man sich schleunigst auf andere Wünsche konzentrieren, um am Ende nicht das ganze Leben verpasst zu haben. Beim geheimen Wünschen gibt es keine Tabus und wir können uns glücklich schätzen, dass es derzeit noch keine technische Gedankenkontrolle gibt, die wir vielleicht in einigen Generationen schon vorfinden. Aber wo bleibt die Umsetzung? Dass nicht alles, was wünschenswert ist auch für jeden machbar ist, versteht sich von selbst! Aber sind wir denn konsequent genug, das Nichtmachbare dann doch wenigstens gegen anderes Machbares auszutauschen? So herrlich schön verrückt zu sein!!! – einfach weil heute Dienstag ist oder Ende Januar in irgendeinem Jahre X?

Kurioses, Spannendes, Gefährliches, durchaus aber auch Bezahlbares, Fröhliches, Neckisches, Anrührendes und vor allem aber absolut Ungewöhnliches usw. kann umgesetzt werden, wenn Sie den Mut dazu aufbringen. Suchen Sie sich doch probeweise in Ihrer Phantasie etwas aus den nachfolgenden Vorschlägen für sich aus oder machen sich eine ganz eigene, andere Liste. Wichtig ist nur, dass sie bezahlbar und umsetzbar ist – sonst betrügen Sie sich am Ende selbst… und das wäre doch schade für ihr einmaliges Leben als einzigartige Individualität!

Wie also wäre es zum Beispiel mit dem Schwimmen mit Delphinen, einer echten Tortenschlacht, ein Nacktbad in der lauen Sommernacht am Fluss, ein spontaner Auftritt auf dem Marktplatz der nächst größeren Stadt mit einem Megaphon (mit welcher ihrer wichtigsten Botschaft auch immer), einem scharfen Protest im Bundestag, Body-Painting am FKK-Strand, ein gellender lang anhaltender Abendschrei am Ende ihrer Straße, vorsichtiges Streicheln einer Tarantel, Schlange oder Elch, einen Eisberg knutschen, wildfremde Menschen ins Cafe einladen und interviewen zum Thema Sterben und Tod oder dem Verhältnis zu den Nachbarn oder Kollegen, drei Tage radikales Schweigen, alternativ einen Tag nonstop sprechen, als wären Sie auf Speed, all die Kollegen beschenken, die Sie partout nicht ausstehen können und sich an Ihrer Verblüffung erfreuen, alles anders machen, als man es von ihnen erwartet, Kühe melken, so man es vorher noch nie probiert hat, ein romantischer Friedhofsbesuch Schlag Mitternacht bei Neumond und ohne Taschenlampe, durch strömenden Regen laufen und einen Unbekannten kurz umarmen, allen Ernstes vor dem Haus des Partners eine Abendserenade singen – ich könnte seitenweise weiter schreiben, überlasse dabei Ihre ganz intimen Wünsche Ihnen selbst und bin bemüht, sie nicht zu sonstigen Taten mit juristischen Folgen zu verführen, jedoch gerne zu einem fantastischen Blödsinn, den Sie bis ans Lebensende gern erinnern.

Spaß machen muss er und sollte ihren Alltag einfach einmal radikal sprengen. Zeigen Sie sich selbst Ihren Mut zum Verrücktsein und eine gesunde Radikalität, Träume in die Wirklichkeit zu ziehen mit einem Erlebnis, das perfekt auf ihre Person zugeschnitten ist.