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18. Oktober 2011

Hysterische Männer

Warum die Frauen schuld sind, hinterfragt Christa Schyboll

Hysterie wird seit alters her gerne den Frauen zugeordnet. Wie falsch das ist, zeigt der Mann an sich. Vermutlich hat man erst heute den rechten Blick darauf, wie sehr dieses Vorurteil doch wieder nur einer jener Fiesheiten entspringt, um Frauen klein zu halten. Aber wir Frauen haben es erkannt! Alles ist nämlich ganz, ganz anders. Die wahren Hysteriker sind die Männer. Und zwar perfekter, als es die hysterische Frau je vermag!

Nun gut, es mag sein, dass viele hysterische Männer ohne Vater groß geworden sind und unter der Kuratel von Mutter, Schwestern, Großmutter und Urgroßmutter standen. Das sei ihnen ja noch zugestanden: ein bitteres Karma weiblicher Überdominanz! Die Defizite die daraus entstehen, können einen allein ja schon hysterisch machen.

Ob sie nun selbst auch zu diesem psychotischen Formenkreis gehören, können Sie schnell ablesen, in dem sie mal ihren Verdauungstrakt befragen. Oder ihr Herz. Das hat bereits Freud gewusst. Und mal Hand aufs Herz, ihr Männer, seid ihr nicht fast alle auch ausnahmslos Hypochonder? Es braucht keine Gebärmutter (griechisch Hystera), um hysterisch zu werden, es reicht aus, Mann und Mensch zu sein und jedes kleine Problem zu einer großen Katastrophe zu stilisieren. Und die Scheu vor dem Arzt oder der Vorsorge ist bereits Ausdruck dieser Haltung, weil ein Ziehen in der linken Seite selbstverständlich keine kleine Blinddarmreizung ist, sondern Anzeichen für Krebs im Endstadium. Was soll man(n) also noch beim Arzt! Man kann abschließen. Unter Umständen auch sehr leise, aber dennoch auf feine Weise auch sehr hysterisch. Denn Hysterie nur mit lautstarkem Geschrei zu assoziieren, wäre eine Verkennung der Sache.

Gehen die Männer nun aber doch offensiv selbstkritisch ihr Verhalten an, merken sie durchaus, dass sie ein Problem auch mit ihrer Männlichkeit haben. Sie sind im Grunde unsicher und schwach. Wie gut sie auch aussehen mögen und stark sie auch wirken. Das alles ist ja nur Tarnung. Sie wissen: Ich bin ein Schlappschwanz, ein Versager, ein Nichtskönner… denn es gibt ja immer viel, viel bessere, stärkere, attraktivere Kerle! Zur Kompensation dienen feine Spielzeuge, wie: schnittige Boote oder röhrende Motorräder, gern ab 50 Jahre aufwärts, eine (möglichst rasch wechselnde) Geliebte – und überhaupt Superman sein! Für alle Welt ansichtig: "Seht her, ich bin ein Mann!" Für durchblickende Frauen ansichtig: "Seht her, ich bin ein Angeber, der es bitter nötig hat! Im Grunde bin ich voll hysterisch!"

Hysterische Männer, die sich aber irgendwann in alltäglichen familiären Verbindungen wieder finden, wo aufgrund mangels Masse weder die Geliebte noch das Boot oder Pferd zu finanzieren sind, können dann eben zum letzten verzweifelten Akt greifen: eben der oben angesprochenen Hypochondrie.

Natürlich stecken dahinter dann fast immer Mutterprobleme, wenn man unseren Psychologen glaubt. Die Mütter können sich nicht richtig ablösen, warum die Söhne hysterisch werden, auch wenn sie es nicht wissen oder merken. Insofern sind wir Frauen schuld. Komplett und total. Sowohl an der eigenen Hysterie wie an der Hysterie der Männer. Hysterische Männer sind also wieder nur frauengemacht. Und deshalb ist es natürlich nichts als richtig, dass das weibliche Geschlecht beide Formen der Hysterie gefälligst auch zu erdulden hat.