Anzeige

01. Februar 2016

Deutschland im Mai

Bräuche und Traditionen zum Wonnemonat, von Christa Schyboll

Der Mai bringt nicht nur Frische in unser Leben, sondern auch eine ganze Menge Feste, Bräuche und Streiche. Maibuben und Maihexen, Maibäume und Maibowlen sind nur einige von vielen Zeugnissen, dass dieser Wonnemonat die Menschen zu besonderen Taten drängt, die in uraltem Brauchtum beheimatet sind.

In alten Zeiten, als die so genannten Hexen ihr Unwesen trieben, wurde in der Nacht vom 30. April zum 1. Mai die Walpurgis-Nacht begangen. Ein Überbleibsel dieser uralten Tradition ist heute der Tanz in den Mai, den man auch Mai-Ball nennt. Überall in Europa, wo der Frühling kräftig Einzug hielt, wird bis heute diese besondere Zeit des Aufbruchs in der Natur gefeiert. Die Römer veranstalteten es zu Ehren ihrer Blumengöttin Flora, woraus die Feste der Floralien entstanden und schon damals feucht-fröhlich gefeiert wurden. Unsere englischen Nachbarn beispielsweise jedoch untersagten auch eine Reihe alter Bräuche. So wurde das Maienfest in Schottland im Jahr 1555 verboten. Und das Aufstellen von Maibäumen wiederum wurde vom englischen Parlament im Jahr 1644 unterbunden.

Dennoch konnte die Festfreude der Menschen bis zum heutigen Tag in vielfältiger Form und den meisten Gegenden überleben. Eine der ältesten Traditionen ist der geschmückte Maibaum, der in den Dörfern aufgestellt wird. Um ihn herum wurden früher häufig die Maientänze aufgeführt, die jedoch heute seltener sind. Es versteht sich von selbst, dass die Gemeinden darum wetteiferten, den größten und schönen Maibaum der Gegend zu haben. Nicht selten kommt es bis heute noch zu Maibaum-Diebstahl. Eine Bewachung tut mancherorts Not. Das ungeschriebene Gesetz der Tradition fordert jedoch von den Dieben eine gehörige Menge Bier für diesen Frevel, falls dieser gelingt.

In einer Reihe von Bundesländern gibt es jedoch nicht nur den Dorf- oder Gemeindemaibaum sondern auch den privaten Maibaum, den junge Männer an das Haus der Liebsten stellen. Das können sowohl Einzelpersonen oder Freundescliquen sein. Oft sind es die Junggesellenvereine der Dörfer, die dieses Maibaumsetzen organisieren. Den Teilnehmern steht oft eine turbulente Nacht bevor, die mit viel männlicher Holzfäller- und Aufbauarbeit verbunden ist. Die Birke ist der bevorzugte Baum. Bekommen die Mädchen jedoch eine Tanne oder einen jungen Kirschbaum, so müssen sie sich Gedanken um ihren guten Ruf machen.


Vom Schabernack zum Königsakt


Der Mai lädt mit seinen neuen lockenden Frühlingsdüften und der wärmenden Sonne besonders gern zum Wandern ein. Maitouren mit Bollerwagen und reichlich Alkohol sind dann nicht nur in Hessen und Baden Württemberg zu sichten, wiewohl sie dort besonders häufig vorkommen. Die Ausflügler scheinen aus allen Häusern zu kommen, um sich an der Natur zu erfreuen.

Zu den Maifesten gehört auch das Pfingstsingen, das vor allem im Bergischen Land gepflegt wird. Die Männergesangsvereine entbieten einen Liedergruß und bekommen von den Hausbewohnern zum Dank dafür Eier, Speck oder auch Geld für die Vereinskasse oder einen guten Zweck.

Eines der beliebtesten Feste jedoch ist die Wahl zur Maikönigin. Der Tradition nach soll es das schönste Mädchen der Gegend sein. Nun ja, Schönheit liegt im Auge des Betrachters – und an ausreichend vielen Dorfschönheiten fehlt es in der Regel auch nicht. Die Maikönigin wird je nach regionaler Traditionsregel erkoren und nach der Krönung auf dem Maifest zur Versteigerung feilgeboten. Danach wird das Mädchen dann entweder an den Meistbietenden oder einen gewählten Maikönig übergeben.

Eine besondere Tradition bevorzugen die Maibuben oder die Hexen. Sie lassen alles Mögliche mitgehen, das nicht niet- und nagelfest am oder um Haus und Garten herum angebracht ist. So können die Sitzmöbel, Gerätschaften, Fahrräder oder selbst das Gartentor verschwinden. Zum Glück wissen die Besitzer jedoch, wo es wieder aufzufinden ist: nämlich auf einem zentralen Platz im Dorf. Dort kann man sich sein Eigentum wieder heraussuchen und mit nach Hause nehmen. Besonders beliebt ist dieser Schabernack in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg aber auch bei unseren Schweizer Nachbarn in den Kantonen Aargau und Solothurn.

Doch der Maienstreiche gibt es so einige. So spielt beispielslweise der Dorfnachwuchs in der umliegenden Nachbarschaft auch gern Schabernack mit Schuhcreme, womit die Türklinken der Häuser mit eingecremt werden. In Bayern kennt man dies unter dem Begriff der Freinacht.