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07. April 2014

Hype

Über die kurzfristige Lust elektrisierter Massen, von Christa Schyboll

Was ein Hype ist, weiß jeder. Allein schon deshalb, weil er zuverlässig so schnell wieder verschwindet, wie er im Bewusstsein der Weltbevölkerung angekommen ist. Er tritt – zumindest gefühlt – spontan auf, schwingt sich in erfolgreiche Höhen, um dann wieder zu verpuffen.

Ob es sich dabei um Mode oder Schlagzeilen handelt, ist nicht wirklich wichtig. Wichtig ist ja nur der Unterhaltungswert, das Neue, das Einzigartige, das man noch nicht hat oder kennt oder selbst ist.

Der Hype ist ein moderner Zirkus, der aus der Managementlehre stammt. Dahinter steht die Erwartung auf satte Gewinne oder schnelle Profite. Er sollte, um erfolgreich zu sein, vorübergehend zum Träger eines Lebenssymbols werden. Nicht selten wird er von diesem oder jenem Star inszeniert, geschickt ins Bewusstsein der Öffentlichkeit transportiert – und bevor es flächendeckend angekommen ist, darf sich der neue Hype-Begeisterte kurzfristig als Individuum der Sonderklasse fühlen… sofern er schnell genug ist. Geht dieses Gefühl verloren, weil es zu viele haben, ist er auch schon wieder vorbei. Platt, tot…. Die Gewinne daraus sind abgesahnt, die sich nicht selten um kurzfristige Modeartikel handeln oder auch um Nachrichten, die merkantil zu verwerten sind.

Um als Hype vorübergehend erfolgreich zu sein, braucht es das Mittel des Infotainments, dass gesteigerte Aufmerksamkeit garantiert. Interessant sind aber auch die immateriellen Hypes, wie beispielsweise die Medienhypes. Man denke dabei nicht nur an das Sommerloch düsterer Nachrichtenleere, das möglichst mit irgendeiner Lächerlichkeit zur Pseudobedeutsamkeit aufgeputscht wird, sondern auch an die unübersehbaren Bewusstseinsinhalte im Internet. Diese kommen dann über Bild-, Ton- oder Videodateien daher, die sich rasend schnell im Disneyland des Geistes verbreiten. Fröhlich, lustig, satirisch, brutal oder voll der Schock!...

Alles ist erlaubt. Wichtig ist nur der Erfolg. Vieles davon läuft unter dem Begriff der künstlerischen Selbstdarstellung. Wenn man sonst schon keine Bühne hat, warum nicht gleich die ganze Welt! Manchmal wird man auch ungefragt zum Star oder Anti-Star. Das Hoch- und Runterladen von was auch immer: Ein Klick! Und schon ist der Hype auf der Festplatte des eigenen Gehirns gespeichert. Alles kann zum Hype werden. Jede Sache, jede Information. Aber sie muss dieses gewisse Quäntchen Betroffenheit auslösen, das zum Mitmachen reizt. Sei es Lust oder Schock. Es muss das Besondere auf Zeit versprechen und kann sich dann auf eine Gemeinschaftstreue verlassen, die Millionen umfasst… und mit ein wenig Glück auch Millionen in kurzer Zeit einbringt. Kein Kontinent ist ausgenommen, kaum eine Kultur, die sich zurückhält. Vielleicht ja noch die Yanomamis am Amazonas? Wenn ja, sie wären zu beglückwünschen.