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09. April 2012

Abenteuer Schicksal

Das größte Abenteuer mit sich selbst, meint Christa Schyboll

Bei vielen Menschen kommt irgendwann der Zeitpunkt, wo sie ihr eigenes Leben hinterfragen. Momente einer inneren Zäsur, die von großer Bedeutung für den Rest des Lebens werden kann.

Diese Fragen sind aber nicht immer leicht – und noch weniger sind sie immer nur angenehm. Oft weiß man nicht, wie und was man sich denn so genau fragen soll.

Die erste Frage, die einem einfällt, ist die nach dem Sinn des Lebens. Jeder kann sie nur für sich alleine beantworten. Das fällt vielen Menschen nicht leicht, da es kein Richtig oder Falsch im Sinne einer allgemeinen Aussage geben kann. Wo also soll man seine eigene innere Sicherheit her bekommen? Es gibt auch kein Rezeptbuch, wo man diesen Sinn mal eben nachschlagen könnte. Dennoch gibt es viele Anleitungen durch geistige Schulungen, wie man ihm individuell begegnen kann. Das können religiöse Betrachtungen sein oder philosophische oder ganz eigene Formen individueller Kontemplationen, die geeignet sind, seinem eigenen Lebensentwurf viel genauer als bisher auf die Schliche zu kommen.

Es gibt keinen „einen“ Weg, sondern es gibt so viele Wege wie es Menschen gibt. Mir selbst wurde irgendwann klar, dass ich es über die Beobachtung meiner Schwächen und Ängste schaffte, mir meinen ganz eigenen Lebenssinn zu erschließen. Und damit auch meine Aufgabe, die ich mit diesem Leben verbinde, voll erschlossen. Dieser Weg ist für mich selbst erfolgreich, aber kann für einen anderen Menschen dennoch ins Nichts führen, weil es eben „mein“ Weg ist.

Mir wurde klar, dort wo mein Mangel ist, wo meine Angst sich zeigt oder wo meine Blockaden mich an vielem hindern, genau da ist auch meine Aufgabe. Geht man in die Einzelheiten der eigenen Schwächen, dann sieht man sehr klar, wo man selbst noch zu lernen hat. Bewertungen, die zu völlig unnützen Minderwertigkeitsproblemen führen könnten, haben da nichts zu suchen, sondern es geht nur zunächst um ein nüchternes Bilanzieren, das aufrichtig zu sich selbst ist. Eingedenk der Tatsache, dass Menschsein eben menschlich und deshalb in aller Regel auch sehr fehlerbehaftet ist. Auch eingedenk der anderen Tatsachen, dass diesen Schwächen auch Talente, Begabungen und eine Liebe zum Leben an die Seite gestellt ist, um eben genau für diese Schwächen auch die richtigen Werkzeuge zur Hand zu haben.

Lebensmeisterung ist keine Frage von Anerkennung, Geld, Macht, Ansehen – auch wenn unsere Gesellschaft es täglich neu suggeriert und die Massen genau danach streben. Sollen sie nur, wenn das ihr Weg ist! Und man darf feststellen, dass ja auf wirklich jedem Weg notwendige Erfahrungen gemacht werden, die oft auch wichtig sind, um die eigenen Irrtümer zu entlarven. Insofern ist selbst ein Irrweg oder ein Umweg ein Weg, der letztlich irgendwann zum Ziel führt. Und Umwege sind im Sinne der Folgerichtigkeit des Bewusstseins, das solche Wege wählt, letztlich auch wieder wichtige Wege, weil es ja offenbar diese Erfahrung brauchte, sonst wäre sie nicht gemacht worden. Man hätte dann eine andere Alternative gewählt.

Zu wünschen ist, dass jeder Mensch sich diese Fragen stellt und keinesfalls daran verzweifelt, dass er vielleicht weniger toll ist, wie er bisher dachte – aber grandios, weise und glücklich werden kann, wenn er sich dieser spannendsten aller Lebensfrage in Ernsthaftigkeit stellt. Dann beginnt das Abenteuer mit sich selbst.