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19. Oktober 2013

Warum wir sind wie wir sind

Gedanken über unsere Selbsterschaffung von Christa Schyboll

"Wir sind, was wir denken. Alles, was wir sind, entsteht aus unseren Gedanken. Mit unseren Gedanken formen wir die Welt." Buddha lebte von 560-480 vor Christus. Was er vor langer Zeit formulierte, lebt in der Renaissance moderner Gedanken neu und vielfältig auf. Kaum ein Ratgeber aus dem Genre ganzheitlicher Sichtweisen, der dies nicht immer wieder betont. Und nicht nur Buddha wird diese Weisheit alleine zugeordnet.

Doch was nutzen Weisheiten, die schön klingen, aber die kaum jemand glaubt, versteht oder lebt? Nichts. Weisheiten müssen erkenntnismäßig durchdrungen werden, damit sie in uns Anker werfen können und lebendiges Zeugnis werden. Weisheiten sind erst dann Perlen des Seins, wenn unsere eigene Umsetzung stark und nachhaltig genug ist, solche Worte auch im Alltag mit Leben zu erfüllen. Wagen wir uns an eine kurze Betrachtung heran.

Wenn wir sind, was wir denken, sollte es uns allen zu denken geben, wenn wir uns darin nicht gefallen. Dann nämlich wäre unser Denken über uns selbst zu verändern, was dann auch zu anderen Handlungen führt. Doch wie verändert man einen Gedanken über sich selbst, wenn man von diesem oder jenem schon lange fest überzeugt ist? Wie bloß, wenn man schon lange tief eingegrabene Glaubenssätze über sich selbst hat. Glaubenssätze wie: Ich bin zu ängstlich, zu faul, zu hässlich, zu ehrgeizig, zu dick, zu dünn, zu engagiert, zu unsportlich, zu nervös? Objektiv mag es sein, dass genau das auch im Bild der anderen über uns perfekt passt, wenn wir unser Denken und Fühlen über uns nur gründlich genug betrieben haben. Logisch also, dass sich der Körper, die Seele, der Geist nach und nach danach verhält und formt. Ist der Glaubenssatz nur stark genug, wird er zur Realität. Natürlich gelingt das auch jenen vertrackten unbewussten Glaubenssätzen, die ganz tief in uns zu schlummern scheinen. Tatsächlich aber wirken auch sie höchst mächtig und erfolgreich ebenfalls an unserem Sein.

Was aber, wenn man dies realisiert und verstanden hat, ändern möchte und anfängt, das Gegenteil zu denken? Belügt man sich denn damit nicht? Doch. Das tut man. So ganz einfach geht es zumeist nicht. Selbstbetrug oder Schönrederei, die eine falsch verstandene Form des positiven Denkens sind, werden nämlich nicht zu jener sinnvollen Umformung des eigenen Seins führen, die man anstrebt, wenn das aktuelle Ergebnis einfach nur suboptimal ist.

Gedanke und Gefühl über sich selbst müssen in einem solchen Prozess zu einer neuen Einheit verschmelzen und von neuen Prämissen ausgehen. Dazu muss man sich selbst umprogrammieren. Das ist jederzeit möglich. Entscheidend sind ein starker Willensimpuls und die Überzeugung, dass es gelingt. Es gelingt umso schneller, je mehr sich das Vorhaben an machbarer, vernünftiger Realität orientiert. Wir haben zu begreifen, dass wir uns im hohen Maße selbst steuern. Es braucht Geduld und Konzentration, die alten Glaubenssätze mit ihren oft fatalen Wirkungen zu ergründen. Das ist ein Stück harter Arbeit. Denn hinter unseren bewussten Gedanken, lauern oftmals noch untergründige oder sich widersprechende Gedanken und Gefühle, die ein Umsteuern zunächst schwer machen. Das können z.B. früh eingeimpfte Minderwertigkeitskomplexe sein oder auch andere unverarbeitete emotionale Themen, auf denen sich die Glaubenssätze dann türmten. Konflikte, die verdrängt wurden und sich ihren ureigenen Ausdruck in uns suchten.

In vielen Fällen ist es ein zäher, dennoch ein sehr lohnender Prozess, das Denken und Fühlen über sich selbst positiv zu verändern. Der Lohn ist, dass man endlich wird, was man wesenhaft schon immer war, bevor die eigene Selbst-Behinderung erfolgreich eingriff. Wir erschaffen uns täglich neu. Wir sind uns oder dem Leben keinesfalls hilflos ausgeliefert, es sei denn wir glauben daran und verhalten uns danach. Jede neue Sekunde bietet eine neue Chance. Und wenn es nicht klappt, sollten wir den Verhinderer nicht im Außen suchen, sondern in uns selbst.

Ist das eigene Bewusstsein für die ständige und fortlaufende Selbsterschaffung erst einmal voll erwacht, tun sich neue und leichtere Möglichkeiten der Selbstveränderung auf. Unverzichtbar jedoch ist zumeist eine gründliche selbstkritische Überprüfung eigener Glaubenssätzen über sich selbst. Eine ganz einfache Methode, die nur Block und Bleistift braucht, zwei Spalten und dann Ehrlichkeit und Konzentration, wirklich alles über sich niederzuschreiben. Alles, was man von sich selbst denkt, wie man sich wahrnimmt, wie man sich erspürt und fühlt in eine positive und eine negative Spalte eintragen. Innerlich ist dabei aber weder das Positive als gut, noch das Negative als schlecht zu bewerten. Urteile darüber vermeiden, nur nüchtern die Bilanz betrachten und wahrnehmen. In Abstand zu sich gehen. So neutral wie möglich dabei bleiben. Pausieren, liegen lassen, weiterschreiben. Sich nicht irritiert fühlen, wenn sich zunächst nur eine der beiden Spalten füllt, weil einem so unendlich wenig auf der anderen Seite einfällt. Objektiv schreiben. Drüber schlafen, liegen lassen, weiter schreiben. Es ist ein Prozess, der seine individuelle Zeit braucht.

Die Welt im Großen und im Kleinen ist so, wie wir sie ständig neu schaffen. Meist geschieht es unbewusst. Je mehr man sich aber den Möglichkeiten des Bewusstseins und unserer eigenen schöpferischen Kräfte öffnet, versteht und bejaht, umso treffsicherer werden wir uns selbst und die Welt zum Wünschenswerten verändern.