Anzeige

10. Oktober 2010

Sünden

Die sieben Todsünden und die Laster. Gedanken von Christa Schyboll

Wer unter euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein. Johannes 8,12 – Also ich bin es nicht! Soviel Heiligkeit gab mein kleines Leben bisher nicht her. Dennoch ist es spannend, sich einmal anzuschauen, woraus denn die Sünden entstehen. Nämlich aus den sieben schlechten Charaktereigenschaften die da sind: Hochmut, Geiz, Wollust, Zorn, Völlerei, Neid und Faulheit. Flankiert werden sie vom Übermut, der Eitelkeit und dem Stolz, der Habgier, Genusssucht und Ausschweifung, der Wut, Vergeltung und Rachsucht, der Unmäßigkeit Selbstsucht der Missgunst und der Eifersucht, der Trägheit des Herzens und des Geistes, Faulheit, Feigheit und Ignoranz.

Eine nette Aufstellung, in der sich vermutlich fast jeder Mensch irgendwo wieder findet, wenn er ehrlich zu sich ist. Das Sündenregister dürfte die Punkte in Flensburg um ein Wesentliches übersteigen. Diese Charaktereigenschaften, die für die einen das Leben oft schön und spannend machen, zugleich aber andere auch zu Not und Verzweiflung, Schmerz, und Leid führen können, sind selbst keine Sünden im engern Sinne, jedoch Ursache, die dann zu schweren Taten führen. Man nennt sie Wurzelsünden, weil sie am Anfang der grober Untaten stehen, die dann daraus erwachsen. Egal, welcher Kultur man angehört oder ob man religiös ist oder nicht. Diese oft fatalen urmenschlichen Eigenschaften bestimmen in besonderem Maße unsere Lebensqualität, je nachdem wie wir sie selbst leben oder von ihnen durch andere Menschen tangiert werden.

Die katholisch-theologische Konsequenz daraus, dass solche Sünden geradewegs die Hölle führen, so sie ausreichend und ohne Reue und Buße gelebt werden, werden immer weniger Menschen in ihrer Haltung teilen, weil es dafür auch eines Glaubens an eine solche Hölle bedarf. Fasst man den Begriff der „Hölle“ jedoch anders auf, so kann eine solche tatsächlich auf andere Weise erlebt werden, so man die eigene Gewissensinstanz befragt und sich dann in einer Zäsur dem eigenen unguten Tun stellt. Da kann so manche Untat durchaus zu einem inneren Höllenfeuer des schlechten Gewissens werden, sobald man realisiert, wie man seine eigene Täterschaft in diesem oder jenen Fall bewusst oder unbewusst lebte und andere Menschen damit unnötig schmerzte.

Keiner ist verloren. Auch nicht der größte Sünder. Es gibt Werkzeuge, wo wir fehlerbehafteten Menschlein durchaus einen Ausweg gewiesen bekommen: Es gibt die Reue, die Buße, die Vergebung, die Wiedergutmachung… Stellt man sich diesen Prozessen bewusst und freiwillig, werden Gott und die Götter ein Einsehen haben mit der Unbill, mit der wir Menschen auf diesen Planeten zu ringen haben. Ausgestattet mit all diesen unendlichen Möglichkeiten zu sündigen, aber eben auch zu bereuen und wieder gut zu machen.

Je feiner das Bewusstsein auf diese Zusammenhänge achten lernt, je mehr kann es gewiss sein, dass man sich nicht nur die brodelnden katholischen Höllenfeuer ersparen kann, sondern auch die eigenen innere Hölle erleben muss durch das eigene noch gut funktionierende Gewissen, dessen Stimme jedoch nicht selten sehr, sehr leise ist.