Anzeige

19. November 2010

Trends

Von der Designwindel bis zum digitalen Grabstein – von Christa Schyboll

Ständige Neubeglückungen durch angesagte Trends sind längst nicht mehr aus unserem Konsumalltag wegzudenken. Mode war schon zu allen Zeiten ein Mittel, nicht nur der Ästhetik zur Augenscheinlichkeit zu verhelfen, sondern auch gewisse Wirtschaftszweige anzukurbeln, wie auch Eitelkeiten der Menschen zu befriedigen.

Und, Hand aufs Herz, dabei ist doch oft auch schon sehr viel Schönes und Buntes herausgekommen. Vieles das uns erfreut oder auch mal ein wenig stolz sein lässt, wenn man Träger oder Besitzer desselben ist.

Ein Stopp von Trends ist allein schon aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr wegzudenken. Aber warum sollte er auf Mode, Schmuck oder Accessoires beschränkt bleiben? Warum nicht für alles einen Trend, Materielles wie Immaterielles? Selbst Kinderlieder, cool designete Windeln, politische Programme oder skurrile Möbelstücke unterliegen Modenormen und dem jeweiligen Zeitgeist.

Natürlich umfasst es auch das Letzte, das der Mensch selbst dann als Leiche noch erfährt. Das eigene Begräbnis, den Sarg, den man zu Lebzeiten mitsamt der Grabstätte aussuchen und vorher noch modisch gestalten kann. Was dem einen makaber erscheint, ist für den anderen ein wichtiger, ernster Akt, sich mit Leben und Tod ein letztes mal bewusst auseinanderzusetzen. Auch hier sind Trends angesagt und man kann sich kundig machen, ob es ein Grabstein mit Bild und persönlicher Widmung sein soll oder mehr der schlichte Findling. Grabsteine mit integriertem Bildschirm, wo auf Knopfdruck Lebenslauf oder Bilder des Verstorbenen ablaufen, in der erweiterten Version vielleicht auch seine geistigen Erzeugnisse in Form von Schriftgut und Nachweisen, wird vermutlich ein Zukunftstrend werden, sobald die Friedhöfe Breitband verkabelt sind. Alles nur eine Frage der Zeit und der Moderichtung.

Besonders kreativ jedoch ist es, seine ganz eigenen Trends zu entwickeln und damit einen Gegentrend zum offiziellen zu fahren. Dazu gehört dann jener Mut, der die Gegen-den-Strom-Schwimmer schon immer auszeichnete, die neue Wege gingen. Viele davon dann nicht selten so erfolgreich, dass aus ihrem Gegentrend eine Art Haupttrend wurde, den sie niemals wollten und über deren geschäftlichen Erfolg sie sich am Ende dann dennoch freuen können.

Vielleicht ist es „trendy“, sich auf nichts als die eigenen Vorstellungen zu konzentrieren und dabei fröhlich wegzuklappen, durch welche Trends und Moden diese unbewusst bunt eingefärbt wurden.