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18. Oktober 2011

Verbitterung

Das eigene Gefühlsmanagement als Ausweg?, hinterfragt Christa Schyboll

Wer mag schon gern mit verbitterten Menschen zusammen sein? Jeder meidet sie, wo er nur kann. Es ist, als würde man in eine Giftwolke gehüllt. Völlig unabhängig davon, ob man auch nur die leiseste Spur mit dieser Verbitterung zu tun hat oder nicht.

Verbitterte Menschen strahlen eine Destruktivität aus, die für andere Menschen kaum auszuhalten ist. Nur, was ist denn mit ihnen passiert?

Welches individuelle Geschehnis es auch immer war, das letztlich zur Verbitterung führte, eines ist allen Verbitterten gemeinsam: Sie konnten das Problem nicht auflösen! Es ist eine Form von persönlicher Kränkung passiert, die nicht befriedet werden konnte. Woran das lag, ist eine andere Sache, die nur am Einzelfall zu klären ist. Manchmal ist es der Verbitterte selbst, der durch seine eigene Haltung eine Lösung verunmöglichte. Manchmal liegt es aber auch am Partner oder an beiden, dass es nicht gelang oder oft nicht einmal versucht wurde.

Verbitterte Menschen wirken in aller Regel sehr hilflos. Denn nicht einmal eine Form von Genugtuung oder kleiner Rache ist ihnen möglich, die ihnen vielleicht ein wenig Erleichterung verschafft hätte. Dort wo noch Rache Vergeltung übt – ob zu Recht oder zu Unrecht – ist noch Feuer und Leben. Aus den tatsächlich Verbitterten jedoch ist dies gewichen.

Vermag man seine Ausgangslage in der Verbitterung nicht zu verändern, schlägt dieses grauenvolle Gefühl nicht selten in Depression um. Oder es somatisiert sich durch Schlafprobleme, Störungen des Magen-Darm-Bereichs, des Herzens, Essstörungen oder auch in Alkoholismus, der der Leber zuprostet.

Noch viel belastender können jedoch dabei die Gedanken sein, die sich immer wieder neu um das kränkende Erlebnis ranken. Manchmal wie im Fieberwahn. Immer wieder neu wird alles in Gedanken und Gefühlen durchgespielt, Alternativen werden erwogen, aber in der Regel eben keine gefunden, die der Verbitterung ein Ende machen.

Manchmal hilft der Faktor Zeit. Vor allem bei jenen Menschen, die es sich nicht leisten können, der Verbitterung einen zeitlich zu großen Raum zu geben. Dazu gehören alle Menschen, die von vielfältigen Pflichten und Aufgaben gefordert sind und immer wieder neu im Feuer der Lebensauseinandersetzungen stehen.

Dort aber, wo der Verbitterte zugleich auch noch ein einsames Leben führt, mit wenig Freunden oder Geselligkeit, ist höchste Gefahr im Verzug. Aber auch er schreibt sein Lebensdrehbuch selbst. Auch er hat die Chance, jeden Augenblick die gleiche Sache unter anderen Gesichtspunkten zu sehen und zum Beispiel zu erkennen, dass wir selbst es sind, der anderen die Macht über unsere Gefühle gibt.

Nimmt der Verbitterte diese Macht vom Kontrahenten weg, so wird er autark sein eigenes Gefühlsleben in gesunder Weise wieder managen lernen.