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01. April 2014

Werbung nervt

Wie man uns nutzt, damit es von Nutzen ist, untersucht Christa Schyboll

Im Nachhinein hat es jeder schon immer gewusst: Jeder, der kann, weiß über jeden vieles oder alles bestens Bescheid. Die NSA ist nur die Spitze vom Eisberg. Was sie macht, machen – wenngleich im kleineren Maßstab – doch letztlich alle Firmen. Daten kaufen.

Wo sie kostenlos zu erspähen und zu sammeln sind, tun sie es. Über alle Bestelldetails und so weiter. Vielleicht nicht ganz so illegal und heimlich wie Big Brother, aber letztlich kommt es aufs gleiche heraus: Wir werden alle verkauft. Wir werden auf dem Schachbrett des Konsums hin und her geschoben. Und jeder rechnet fest mit unserer Verführbarkeit selbst dann, wenn wir kein Geld haben. Geld kann man in Form von Krediten ja notfalls aufnehmen, wenn die Verführung nur gut genug wirkt.

Gleichzeitig hassen es die meisten geistig gesunden Menschen, wenn sie von Werbebotschaften genervt werden. Geht man ins Netz: Kann man der Dauerberieselung durch Werbung nicht entfliehen. Sie ist fest überall dort verankert, wo wir datentechnisch hin wollen. Das muss auch so sein, damit die Werbewirtschaft ihre scharfzahnigen Anker wie Tentakeln in unser Bewusstsein schmeißen kann. Einmal gut angedockt, funzt es. Das zeigt die Wirklichkeit unternehmerischer Bilanzen. Natürlich lullen wir irgendwann ein. Auch das ist fest eingeplant, man kennt diese Spezies Mensch mit ihren Macken ja. Sind wir erst einmal im Alphazustand, wirkt die Musik, die eine Erkennungsmusik sein kann, ohne dass wir es ahnen. Wir glauben, ein Musikstück zu hören und werden von Fettkillern, Autopflegemitteln oder lactosefreiem Yoghurt im Kopf besucht, während wir zu chatten meinen. So ist das heute.

Persönlich habe ich bemerkt, dass die blinkenden Nachrichten jedoch in mir einen ausgesprochen starken Antitrieb wachrufen. Nein, ich kann sie ebenso wenig wie die anderen subtilen Botschaften der Werbung jetzt an Produkten festmachen, fühle aber eine starke Aggression in mir aufsteigen, wenn es blinkt. Blinken bedeutet in meinem eigenen Wächtersystem: Da will jemand was von Dir. Unverschämt! Ich habe eh keine Zeit. Je mehr er etwas will, je dringlicher und lauter er mit rot oder grellgelb blinkt, umso eher die Chance auf inneren Hass. Beleidigt bin ich eh schon. Denn die Arbeitsästhetik ist mit all dem sowieso zum Teufel.

Whatsapp ist ohne Werbung! , ruft da einer im Hintergrund. Allerdings du zahlst cash dafür, dass man Dich schont!

Wusste ich es doch! Alternativen haben immer einen Haken. Warum nur hinke ich meiner eigenen Aufregung technisch immer nur so hoffnungslos lange hinterher. Nur weil ich ständig immobil am heimischen PC in der altmodischen Großversion arbeite? Einfach, weil ich es damit am schnellsten kann? …