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29. November 2013

Sharing - Das neue Geschäftsmodell

Wer teilt hat mehr? hinterfragt Christa Schyboll

Wer teilt, schont nicht nur Ressourcen. Er verhilft auch anderen Mitbürgern dazu, sich Dinge leisten zu können, die alleine nicht finanzierbar waren. Wächst hier eine neue Ökonomie mit der Ökologie zum Wohle des Zwischenmenschlichen zusammen?

Derzeit bilden sich weltweit neue alternative Wirtschaftsgemeinschaften aus der globalen Bevölkerung heraus. Sie brauchen keine Rohstoffe und keine Fabriken, sie verzichten auf ein kompliziertes Management und brauchen auch keine börsennotierten Unternehmen. Sie agieren leise, erfolgreich und zugleich so spektakulär, dass sie bereits als gefährlich eingestuft werden. Sie sind nämlich gefährlich für den Konsum. Weil sie ihn teilen! Sie sie die neuen Entdecker des Urkommunismus, muss man ernstlich fragen.

Sharing oder teilen heisst das Zauberwort. Möglich macht es vor allem die Vernetzung durch das Internet mit seinen logistischen Möglichkeiten. Viele Menschen besitzen heute viele Dinge, die sie nicht oder nur selten brauchen. Die sie nicht brauchen, werden oftmals zu überaus günstigen Preisen im Internet vertackert. Nicht nur Ebay und ähnliche Plattformen haben daran ihre Freude, sondern auch die alten und neuen Besitzer. Der eine muss das gute Stück nicht verschrotten und tut zudem noch ein gutes Werk mit seinem geringen Preis. Und der neue Besitzer wiederum kann es sich endlich auch leisten. Wer boomt, sind dabei vor allem die Paketdienste und das gesamte Transportwesen. Aber trotz dieser Zusatzkosten für den Käufer lohnt es sich zumeist für alle. Sonst wäre es nicht so erfolgreich.. Der Wirtschaft entgeht bei jedem dieser kleinen Privatgeschäfte ein Kunde, der wegfällt. Ein Konsument. Das kann so nicht stehen bleiben, meinen heute schon Teile der Wirtschaft.

Noch ärger wird es, wenn das Sharing greift. Es ist im Kommen und erobert sich mehr und mehr Länder und Begeisterte. Nun wird nicht verkauft, sondern gemeinsam genutzt. Dies geht vor allem lokal vor Ort. Autos, Waschmaschinen, Werkzeuge oder Küchengeräte, Schmuck. Die Liste kann endlos lang fortgeführt werden, weil es zahllose Möglichkeiten des Teilens gibt und die Dinge endlich einmal auch tüchtig gebraucht oder benutzt werden. Vor allem in unserer Singlegesellschaft sind viele Gegenstände des täglichen Gebrauchs vorhanden, die früher die Mitglieder einer großen Familie nutzten. Ein Einzelner nutzt sie entsprechend weniger oder selten. Das muss nicht sein. Viele Sachen sind auf Dauergebrauch angelegt, wenngleich die Industrie bemüht ist, die Halbwertzeiten in der Funktionstüchtigkeit absichtlich herunter zu drosseln und für schnellen Verschleiß zu sorgen. Das nennt man dann: Obsoleszenz. Waschmaschinen müssen nicht nur einmal die Woche laufen. Sie können auch öfter, wenn man sie nur gemeinsam beispielsweise in einer Hausgemeinschaft benutzt. Nicht jeder braucht sich ein eigenes großes Gerät dafür aufstellen, wenn man sich einig über den Aufstellort ist. Auto-Sharing wird immer beliebter und mausert sich zur echten Alternative zum eigenen Gefährt, wenn man es selbst nur selten braucht. Nicht jeder muss täglich zur Arbeit. Aber jeder gewinnt, wenn das Konzept und die Bedingungen für alle stimmen. Nur halt Handel und Industrie nicht.


Gewinner und Verlierer der neuen Idee


Die Share-Economy gehört zu einer der zehn Ideen, die wohl die Welt verändern werden, meint das Time-Magazin. Immer mehr Geschäftsmodelle starten in diesen neuen Wirtschaftszweig, der die Welt zu erobern beginnt. Die Wirtschaft sieht es mit Sorge und zieht bereits vor Gericht. Wehret den Anfängen?

In der Tat ist die Grenze schmal, wenn man Sharing, Handeln, Verkaufen und Gewinne daraus gesetzlich definieren muss. Ähnlich, wie das Internet uns noch eine gigantische Lücke im Rechtswesen beschert, wird dies auch mit der Share-Economy geschehen. Wo hört das Private auf, wo fängt das Geschäftliche an? Ist es nur an einer Summe festzumachen? An welcher? Denn der Urkommunismus wird mehr und mehr kommerziell betrieben, während zugleich die Ressourcen ein ökologisches Highlight durch Wiederverwertung erringen.

Die Sache des Teilens ist sinnvoll. Nicht nur wegen der Ressourcenschonung, sondern auch, damit auch finanziell schlechter gestellte Menschen sich nun endlich Dinge leisten können, die sonst jenseits ihrer Möglichkeiten liegen. Der Beginn ist gemacht. Die Hürden und Stolpersteine werden vielleicht zu überwinden sein. Aber dann muss unsere Wirtschaftskraft auch tatsächlich auf Nachhaltigkeit umgerüstet werden. Denn natürlich kostet es Arbeitsplätze, wenn wir von der Wegwerfgesellschaft fort wollen. Dann muss weniger, aber besser produziert werden. Wird das Wenige und Bessere aber am Ende dann noch mehrfach geteilt, ergeben sich ganz andere Bedingungen in der Arbeitswelt. Diese müssen ebenfalls aufgefangen werden, wenn unser Gemeinwesen sozial und wirtschaftlich funktionieren soll. Denn die Folgen von Arbeitslosigkeit müssen genau so bezahlt werden, wie die Ausbeutung der Erde und der übermäßige Gebrauch wertvoller, begrenzter Rohstoffe. Es sind also gleich viele Dinge zu beachten, wenn es neue Gewinner gibt. Trotzdem ist es ein gutes Modell. Aber eines, das sich seiner Solidarität ebenso bewusst sein muss, wie auch sich Konzepte überlegen muss, wie es einmal mit den Folgen daraus sinnvoll umgeht. Ökologie, Soziales, Ökonomie versuchen wieder einen neuen Schulterschluss im Zeitalter des großen sozialen Experimentierens.