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Bibel über Diebstahl

Du sollst nicht stehlen.
Moses 5,19
Zitat von Bibel
Bibel
Heilige Schrift der Christen

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Gedanken zum Zitat von Tom Borg

Was ist stehlen? Die Juristen machen es sich einfach. Für sie gilt die simple Formel: Wer eine fremde bewegliche Sache einem anderen in der Absicht wegnimmt, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen ist ein Dieb.

Bereits dieser Ansatz zeigt aber auch auf, dass Stehlen gegen ein Sachenrecht verstößt. Besitz ist aber mehr als die Summe der materiellen Güter, die man besitzt. Es können auch Werte wie Wissen und Fähigkeiten hinzukommen. Und in unserer heutigen Zeit spielen virtuelle Werte eine immer größere Rolle. Das digitalisierte Buch, die Musik als MP3, aber auch unser Bankguthaben, das schlicht als eine Verbindlichkeit in der Bilanz der Bank steht, aber beileibe nicht in barer Münze vorhanden ist.

Und noch etwas deckt der sachlich definierte Diebstahlbegriff nicht ab: Das Ansehen, welches eine Person oder ein Unternehmen besitzt. Beim Stichwort "Kirch" erinnern wir uns sofort daran, dass die angezweifelte Kreditfähigkeit ein ganzes Medienimperium zusammenstürzen ließ. Auch unsere Börsen reagieren auf jedes Gerücht und lassen mit sinkenden Aktienkursen auch große Vermögen blitzschnell schrumpfen.

Pech gehabt? Nein, ganz so einfach ist es in unserem modernen Leben nicht. Wir leben im Zeitalter des automatisieren Aktienhandels, einer Finanzwelt, wo blitzschnell verkauft, gekauft und wieder verkauft wird. Ist es Diebstahl, wenn jemand absichtlich ein Gerücht lanciert um den Kurs einer Aktie abstürzen zu lassen, damit er die dann billigeren Aktien kaufen und nach Stabilisierung des Kurses wieder gewinnbringend verkaufen kann? Betrug ist es allemal, geschummelt, getrickst und so manches andere auch. Aber Diebstahl? Man hat nicht das Gefühl, dass man irgendjemanden etwas weggenommen hat, wenn man nur am Computer wie bei deinem Spiel mit Zahlen jongliert.

Das Unrechtsbewusstsein geht gegen Null, wenn mit wenigen Mausklicks ganze Schiffsladungen an Rohstoffen irgendwo auf der Welt geparkt werden, bis die Preise steigen. Man nimmt ja niemandem etwas weg. Und doch, viele Menschen haben dadurch weniger: nämlich diejenigen, die für die Rohstoffe mehr bezahlen müssen, weil sie absichtlich verknappt wurden.


Wem gehört die Welt?


Wenn Diebstahl darauf abstellt, dass eine "fremde Sache" weggenommen wird, dann stellt sich die Frage nach dem Eigentum. Was ist Eigentum? Aber auch wann ist Eigentum gerechtfertigt? Wie viel Eigentum darf jemand besitzen, ohne dass dadurch anderen Menschen die Lebensgrundlage genommen wird?

Gerade letzteres ist eine zunehmend wichtigere Frage. Nicht nur in der Griechenlandkrise, wo über Verträge verhandelt wird, deren Folgen erst die nächste Generation der Geber- und Nehmerländer so richtig spüren wird. Ist es Diebstahl wenn die jetzt lebenden Menschen den zukünftigen Generationen lebenswichtige Ressourcen wegnehmen oder die Erdatmosphäre verschmutzen sowie einen Klimawandel verursachen, der Teile der Erde unbewohnbar macht? Ist dies alles auch Diebstahl oder gehört es in die Kategorie "dumm gelaufen"...?

Um eine fremde Sache wegzunehmen, müsste die Erde mit all ihren Ressourcen irgendwem gehören. In unserer globalisierten Welt kann es aber eigentlich nur heißen: Die Erde ist das Eigentum aller Lebewesen, was explizit auch Tieren und Pflanzen ein Recht auf ihren Lebensraum einräumt.

Wenn die Erde allen gehört, gehört sie zwangsläufig auch jedem einzelnen der somit das Recht hat, sich seinen Anteil zu nehmen. Doch was ist der Anteil eines Menschen? Wie viel steht einem einzelnen Menschen zu? Die klassische Philosophie gab darauf die Antwort, dass ein jeder so viel nimmt wie er zum Leben braucht. Davon sind wir inzwischen weit entfernt, denn Vermögen werden gehortet von Familien, Banken, Hedgefonds und letztlich von jedem Sparer, der etwas zur Seite legt. Sind wir deshalb nun alle Diebe?

Wenn alles allen gehört, dann ist die Erde mit allen was sie bietet ein gemeinschaftliches Eigentum, das jeder einzelne als das Eigentum aller zu betrachten und durch seinen Lebenswandel zu respektieren hat.

Auch davon sind wir weit entfernt. Die Erde ist ein Selbstbedienungsladen geworden, wo sich jeder nimmt, so viel wie er kann. Wenn andere dadurch weniger haben als ihnen am Gemeinschaftseigentum zusteht, dann nehmen wir ihnen etwas weg - wir bestehlen sie. Insofern ist das siebte Gebot "Du solltest nicht stehlen" mehr als ein Schutz materieller Güter. Es ist eine Anweisung, das Leben so zu gestalten, dass andere, auch zukünftige Generationen, keinen Nachteil durch das Handeln Einzelner haben.