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Hippokrates über Leben

Das Leben ist eine Komödie für den Denkenden und eine Tragödie für die, welche fühlen.
Zitat von Hippokrates
Hippokrates
griechischer Arzt
* um 460 vChr, † um 377 vChr

Weitere Zitate

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Gedanken zum Zitat von Christa Schyboll

Der Grieche Hippokrates von Kos, der um 400 vor Chr. lebte, gilt als Begründer der Medizin als Wissenschaft und war wohl der berühmteste Arzt des Altertums. Neben den Kenntnissen des Körpers und vieler Krankheitsvorgänge war er auch ein feinsinniger Denker und hinterließ uns nachdenkenswerte Zitate und Aphorismen.

So erkannte er unter anderem, dass das Leben für den Denkenden eine Komödie ist – allerdings nicht für jene Menschen, die ihren Fokus mehr aufs Gefühl ausgerichtet haben. Sie sehen die Dinge eher tragisch.

Diese Einsicht zog er vermutlich aus der Beobachtung des Lebens und seiner Patienten direkt, die ihm reichlich Zeugnisse dafür boten und diese Wirklichkeit immer wieder neue untermauerten.

Menschen, die klare Gedanken fassen, sind nicht mehr darauf angewiesen, allein ihren Gefühlen und Instinkten zu folgen. Sie haben gelernt, ihre Gedanken so zu disziplinieren, dass diese ihr Gefühlsleben leiten oder dominieren lernen, falls das in dieser oder jener Situation angesagt ist. Damit werden sie allerdings im gesunden Fall nicht zu Denk-Maschinen, sondern reifen zu einer vernunftbegabten Spezies heran, die nicht mehr darauf angewiesen ist, sich allein den spontanen Emotionen zu überlassen.

Dabei werden die Gefühle einer Kontrolle des Bewusstseins unterzogen. Konkret kann das eine Selbsthinterfragung bedeuten oder das Sammeln von viel mehr Informationen, um eine Sachlage besser zu beurteilen. Oft wissen wir ja nur sehr wenig, wenn wir uns aufregen und können das Für und Wider einer Sache nicht immer auch gleich in aller Tiefe ausloten. Geben wir uns dann den spontanen Gefühlen von Ärger, Wut, Trauer, blinder Begeisterung oder ähnlichem hin, kann es durchaus passieren, dass es später einer starken Korrektur bedarf.

Je mehr man sich dann mit den Hintergründen des Lebens befasst, umso klarer wird oftmals die Absurdität unserer Handlungen. Streit und Gezänk um Kleinigkeiten, verzichtbare Gemetzel und scharfzüngige Scharmützel, die zu nichts anderem führen, als die eigenen Nerven und die der Betroffenen blank zu legen.


Im Dilemma der emotionalen Verstrickung


Doch um hinter all diese Aberwitzigkeit zu steigen, braucht es ein gerütteltes Maß an Selbstkritik, Nachdenken, Vordenken oder Querdenken einer Sache oder eines Ereignisses. Nähert man sich einer gewissen Tiefe und Qualität, bekommt das Leben, das wir führen in der Tat etwas Komödiantisches, das uns Lächeln lässt, angesichts des Zirkus, den wir um vieles veranstalten.

Anders geht der Fühltyp, von dem Hippokrates spricht, die Sache an. Oftmals toternst, verbissen, humorlos. Er neigt dazu, alles als das zu nehmen, wie es ihm spontan erscheint. So bleibt ihm dann oft nichts anderes übrig, als seiner spontanen Wut zu folgen oder sich im Falle von Trauer zu verzehren. Er hat nicht das große Ganze im Blick, sondern den Augenblick seiner spontanen Empfindung, die durch dieses oder jenes ausgelöst wurde. Dabei werden der Auslöser, der Hintergrund, die Zusammenhänge, die betroffenen Personen nicht weiter hinterfragt.

Dass dabei alles immer wieder neu in einer großen Tragödie enden kann, versteht sich von selbst. Interessant dabei ist, warum denn die Häufigkeit dieser Tragödien im Leben nicht hinterfragt wird und ebenfalls nicht, warum man eigentlich immer so tragisch reagiert, wenn etwas passiert. Vergleiche mit ruhigeren Mitmenschen, die ja ebenfalls von gleichen oder ähnlichen Schicksalsschlägen oder Erlebnissen berichten können, finden nicht statt. Der Gefühlstyp dreht sich vor allem um sich selbst, ist sich selbst Sonne, Mond und Planetensystem in einem.

Spontane Gefühlsausbrüche können an der rechten Stelle dennoch klug oder einzig richtig sein. Hier ist abzuwägen, ob es sich um einen gesunden „Heiligen Zorn“ handelt, der sich dringend Bahn brechen musste – oder ein automatisiertes Muster im Gefühls- und Nervensystem, dass wieder einmal zu schnell aktiv ausschlägt und selbst auch einer gewissen Verkorkstheit unterliegt, die noch im Unbewussten schlummert.