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Johann Wolfgang von Goethe über Feste

Sieh, ein Waldgebüsch bewegt sich
nach der Stadt hin; aller Gärten
froher blumenhafter Aufputz
reißt sich los, um sich ins grüne
Prachtgehäng hinein zu flechten,
das der Häuser, das der Hütten
Ansicht schön verhüllt und zieret,
das von Giebel sich zu Giebel
ziehend reicht und kranzbeladen,
schwankend, frischbelastet schwebt.
Bunter wird die tiefe Grüne,
muntrer immer; Band an Bändern
schlingt sich um, geknüpft zu Schleifen
krümmt sich's, und die losen Enden
flattern windbewegt. Zum Laubgang
siehst du Straßen umgewandelt
und zum Feiersaal den Marktplatz.
Außenseiten sind nun Wände,
Fenster volkverzierte Nischen;
unter ihnen schmückt die Brüstung
sich mit bunten Teppichen.
Hier mit holden Blumenzügen
spricht's dich an und dort mit goldnen,
so, als ob dir offne Herzen
überall begegneten.
Vorspiel zur Eröffnung des Weimarischen Theaters 1807. (Friede)
Zitat von Johann Wolfgang von Goethe
Johann Wolfgang von Goethe
deutscher Dichter
* 28.08.1749, † 22.03.1832
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