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Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach über Hochmut

Siege, aber triumphiere nicht.
Aphorismen. Aus: Schriften. Bd. 1, Berlin: Paetel. 1893. S. 4
Zitat von Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach
Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach
österreichische Schriftstellerin
* 13.09.1830, † 12.03.1916
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Gedanken zum Zitat von Christa Schyboll

Wer siegt, hat in der Regel einen Kampf erfolgreich ausgefochten. Mochte er riskant gewesen oder auch mit ungleichen Mitteln geführt worden sein. Am Ende stand jedenfalls ein Sieg. Siege wollen gefeiert werden. Die meisten Sieger sind stolz auf ihre erbrachte Leistung und wollen dieser Freude auch Ausdruck verleihen. Manch einer von ihnen gelüstet es, zu triumphieren. Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach warnt aber ausgerechnet vor diesem Triumph. Auch dann, wenn man eigentlich allen Grund dazu hat, ihn auszukosten.

Ist es die Bescheidenheit des Charakters, der die Freifrau zu dieser Warnung treibt? Oder ist es die tiefere Einsicht, dass ein Triumphieren bedeutet, sich über einen anderen Menschen, seinen Gegner, zu stellen?

Das Triumphieren wird häufig mit einer Überheblichkeit assoziiert. Also mit einer Eigenschaft, wo nicht nur Sieg oder Niederlage als Fakt eines bestimmten Ergebnisses eine Rolle spielen, sondern auch eine scheinbar generelle Überlegenheit über den Feind oder Gegner öffentlich zelebriert wird. Das ist gefährlich. Denn schnell können sich die Kräfteverhältnisse auch wieder ändern und plötzlich ist man am Ende nicht nur der Besiegte, sondern auch der Beschämte. Das macht einen großen Unterschied.

Feinde, die man als gleichwertig anerkennt, wird man trotz Feindschaft respektvoll behandeln können. Aber Gegner, die man letztlich doch nur verachtet, über die möchte man nach dem Sieg auch noch einmal ausdrücklich triumphieren. Dazu lässt man sich öffentlich feiern oder gar huldigen.

Ein solches Tun braucht vor allem das Ego des Menschen, das sich in solchen Momenten ungemein stark aufzublähen weiß. Es gerät in eine Hochstimmung über sich selbst und bekommt nicht genug von den Huldigungen jener, die nun zu ihm aufblicken.

Solche Triumphe können süchtig machen. Ihnen ist nicht nur schon so mancher Herrscher der Weltgeschichte erlegen, sondern auch viele Normalsterbliche, die die Sucht nach Triumph nach einem Sieg heimsuchte.

Siegen ist schön. Wir alle sehnen uns danach, Sieger zu sein. Die Wirklichkeit jedoch mischt die Karten immer wieder neu. So stehen wir mal auf dieser Sonnenseite des Lebens, mal aber auch wieder im Schatten. Dieses Licht- und Schattenspiel des Lebens prägt uns in unseren Erfahrungen. Das Triumphieren nach einem Sieg jedoch kann das Zünglein an der Waage werden, wo wir zeigen, was wir in diesem Wechselspiel schon gelernt haben.