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Lao-Tse

chinesischer Philosoph und religiöser Reformer (um 340 vChr - )

Der legendäre chinesische Philosoph soll im 6. Jahrhundert vor Christi gelebt haben.

Die Schreibweise dieses „Alten Meisters“ gilt auch für die Formen Laozi, Lao Tzu. Er gilt als er Gründer des Taoismus (Daoismus), dem das Tao Te King zugeschrieben wird.

Kaum etwas ist heute über Laotse geschichtlich gesichert. Man ist auf die Anekdoten und Legengen angewiesen, die zum Teil aufgeschrieben wurden. Selbst die ersten historischen Quellen aus dem 1. Jahrhundert vor Chr. sind unsicher und niemand weiß, ob Lao tse wirklich je gelebt hat. Die Legenden jedoch berichten davon, er habe im Staate Chu gelebt und sein Sippenname sei Li gewesen. Sein Vorname war Er, was soviel wie Ohr bedeutete. Als Verwalter arbeitete am Hofe des Chu-Staates und sah Chaos und Verfall des Reiches voraus. Er verließ das Land, aber wurde gebeten, sein Wissen doch für die Nachweilt aufzuschreiben. Diese Sammlung ist heute als Tao Te King bekannt. Die Legenden sprechen weiter von einem enorm hohen Alter des Weisen, das mal mit 160, mal mit 200 Jahren angegeben wird, was selbst in der daoistischen Literatur für Widersprüche sorgt.

Zurückgezogenheit und Namenslosigkeit suchte er selbst nach seinen Lehren, was der tatsächlichen Bekanntheit seiner Person jedoch eklatant widerspräche. Zu einem späteren Zeitpunkt wurde aus Laotse eine Gottheit gemacht, die als einer der Drei Reinen im Pantheon aufgenommen wurde. Er wurde ein Hochgott im Daoismus. In einigen Daoistischen Schulen mutmaßte man sogar, er sei Dao selbst. Das würde bedeuten, dass seine Existenz dem Universum voraus ginge nach den Lehren dieser Schulen und er als Gestalter der kosmischen Ordnung anzusehen sei. In unzähligen Inkarnationen wäre er nach dieser Auffassung ein weiser Berater der Kaiser gewesen und hätte daoistische Adepten unterwiesen.

Richard Wilhelm befand in seinen Forschungen zu Laotse, dass dieser gegenüber dem Konfuzianismus auf einer primitiveren Kulturstufe stand und Laotse keine Bedenken hatte, "daß die Menschheit wieder zurücksinke auf die allgemeine Ebene der Naturwesen." … "Allein die Lehre des Laotse hat auch noch eine Kehrseite. Seine große Objektivität gibt ihm die Klarheit des Blickes, die Naturgesetze in ihrer automatischen Auswirkung zu erkennen. Eine solch objektive Erkenntnis der Naturgesetze aber gibt die Möglichkeit zu ihrer Beherrschung, und gelegentlich finden sich bei Laotse auch Äußerungen von einer macchiavellistischen Amoralität. … "Was man schwächen will, das muß man erst tüchtig stark werden lassen; Was man zerdrücken will, das muss man erst tüchtig sich ausdehnen lassen." (Richard Wilhelm)

Eine Reihe von Vermutungen über die Realität von Laotse sagen aus, dass hinter dieser legendären Person eventuell ein Geschichtsschreiber namens Tai Shi Dan steckt. Die Stellung der Geschichtsschreiber im China der Vorzeit war eine sehr geachtete, die ihnen viel Respekt entgegenbrachte. Beweise über die Existenz der historischen Persönlichkeit bleiben im Dunkeln, jedoch hat seine Lehre über die Jahrtausende hinweg sich heute großes Interesse in der modernen westlichen Kultur errungen… vielleicht auch deshalb, weil es einen Gegenpart zur Hochkultur der Technik und beständigen Eile des dauergehetzten Menschen bildet.