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Gedankensplitter
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Kaum braucht man sich nicht auf eine schwierige Sache beruflicher oder sonstiger Art konzentrieren, passiert folgendes: Menschen, die wir kennen, "springen" uns in den Sinn.Je nachdem wer es ist, denken wir aber nicht nur an sie, sondern wir "sprechen" mit ihnen nonverbal. Wir erzählen von uns, befragen sie imaginär oder teilen nur einfach etwas mit. Nicht selten, dass wir uns dabei erwischen können, dass wir dem/der-jenigen sogar schon die Antwort in den Mund legen. Nicht weil wir wollen, dass... weiterlesen
Christa Schyboll
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Joachim Ringelnatz
VG Wort

Der deutsche Schriftsteller, Kabarettist und Maler Joachim Ringelnatz, der eigentlich Hans Gustav Bötticher hieß, kam am 7. August 1883 in Wurzen als jüngster Spross einer thüringischen Gelehrtenfamilie zur Welt. Sein Vater Georg Bötticher war ein erfolgreicher Musterzeichner und Autor von humoristischen Versen und Kinderbüchern, der mit einigen literarischen Größen seiner Zeit im Briefwechsel stand. Er veröffentlichte über vierzig Bücher und war für seinen Sohn ein Leben lang Vorbild, Ansporn und Herausforderung.

Doch der familiäre Hintergrund war dem Jungen keine große Stütze. Schon in der Schulzeit zeigten sich Trotz und Rüpelei sowie der unstete Trieb, der ihn sein ganzes Leben lang verfolgte. Ringelnatz selbst führte dies auf sein Aussehen zurück; seine übergroße Vogelnase, das vorstehende Kinn und die kleine Statur führten schon in der Schule zu Hänseleien und Spott seitens der Mitschüler, die Ringelnatz wiederum mit Trotz und Extravanzen beantwortete. Er war ein "Schulrüpel ersten Ranges" notierte einer seiner Lehrer auf seinem Abschlusszeugnis, das Ringelnatz nur nach zwei Wiederholungen und einem Schulverweis als Einjährigen-Freiwilligen-Examen bekam - sprich ein Abschluss zweiter Klasse.

Nach der Schule zog es Ringelnatz 1901 zur Seefahrt, doch die Erfahrungen waren schmerzhaft: der seltsam aussehende junge Mann wurde erneut zur Zielscheibe des Spotts und Opfer von Schikanen. In Britisch-Honduras riss er aus, wurde wieder aufgegriffen und musste auf der Rückfahrt noch mehr erdulden, bevor er Ende des Jahres als Aushilfe auf dem Hamburger Dom landete. Ringelnatz war damals oft arbeitslos und litt Hunger. Beides sollte ihn ein Leben lang begleiten. Er wechselte oft die Tätigkeit und kam viel herum, so auch nach Amsterdam, wo er gar kurz im Gefängnis landete.

1908 veröffentlichte Ringelnatz in der satirischen Wochenschrift "Grobian" Gedichte und Anekdoten sowie das Märchen "Der ehrliche Seemann". Aber aufwärts ging es für ihn erst 1909 als er mit Auftritten in der Münchner Künstlerkneipe Simplicissimus Bekanntheit erlangte. Er lernte Schriftsteller wie Erich Mühsam, Frank Wedekind, Max Dauthendey, Ludwig Thoma, Roda Roda, Bruno Frank und auch Max Reinhardt kennen - aber seine Bezahlung blieb lange bei einem Bier das später um 1 und 2 Mark aufgebessert wurde. Ein Hungerlohn.

1910 erschienen seine Gedichtsammlung "Die Schnupftabaksdose" und der Novellenband "Ein jeder lebt’s". Jedoch bekam er kaum über einmalige 200 Mark hinaus. Auch wenn es Ringelnatz immer wieder mal gelang, etwas zu veröffentlichen, verdiente er die nächsten Jahre kaum etwas.

Bei Ausbruch des ersten Weltkriegs meldete sich Ringelnatz freiwillig zur Marine. Doch seine Begeisterung für den Krieg ließ schnell wieder nach.

Im Dezember 1919 verfasste er die ersten Gedichte unter dem Pseudonym Joachim Ringelnatz. Doch seine Einnahmen aus Veröffentlichungen verbesserten sich kaum. Dafür hatte er jedoch ab Ende 1920 erfolgreiche Auftritte im Berliner Kabarett "Schall und Rauch", was für ihn der Start als reisender Vortragskünstler wurde. Im Matrosenanzug als Markenzeichen wurde Ringelnatz schnell bekannt und es ergaben sich auch 16 Schallplattenaufnahmen und später ab 1927 Rundfunkauftritte.

Mit seinen erfolgreichsten Gedichtsammlungen "Kuttel Daddeldu oder das schlüpfrige Leid" und "Turngedichte" gewann Ringelnatz weiteres Ansehen als Schriftsteller, aber kaum Einnahmen, obwohl nun fast jedes seiner Bücher einen Verleger fand. Die Not blieb ein Dauergast im Hause Ringelnatz.

Joachim Ringelnatz versuchte sich auch in der Malerei, vor allem mit Aquarell- und Deckfarben. 1923 hatte er eine erfolgreiche Auktion und 1925 auch zwei Gemälde verkauft. Doch die finanzielle Situation verbesserte sich kaum. Im Gegenteil. Ringelnatz, der sich nie für Politik interessiert hatte, geriet ins Visier der NSDAP, nachdem diese 1933 an die Macht gekommen war. Er erhielt Auftrittsverbot und viele seine Bücher wurden verbrannt, seine Kunstwerke größtenteils als entartet gebrandmarkt.

Ohne die Auftrittsmöglichkeiten verarmte Joachim Ringelnatz zusehends und erkrankte zudem an Tuberkulose, von der er sich nicht mehr erholte. Am 17. November 1934 starb Joachim Ringelnatz in Berlin.

Nach dem Krieg wurde Joachim Ringelnatz immer populärer und gehört heute zu den bekanntesten deutschen Schriftstellern des 20. Jahrhundert. Besonders beliebt sind bis heute seine humoristischen Gedichte um die Kunstfigur "Kuttel Daddeldu".