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05. April 2012

Ärger

Schlagen Sie zu!, fordert Christa Schyboll

Ärger ist nicht nur eine alltäglich bittere Medizin, die oft zu schlucken ist, sondern auch noch eine die uns offenbar lebenslang verordnet wird. Statt uns zu gesunden, kostet sie uns aber eher noch mehr von der nervlichen Restgesundheit, kostet Kraft, Zeit und noch ganz andere Ressourcen. Dabei kann man Ärger vermeiden.

Ärger ist nicht nur eine alltäglich bittere Medizin, die oft zu schlucken ist, sondern auch noch eine die uns offenbar lebenslang verordnet wird. Statt uns zu gesunden, kostet sie uns aber eher noch mehr von der nervlichen Restgesundheit, kostet Kraft, Zeit und noch ganz andere Ressourcen.

Ärger zu vermeiden kann manchmal gelingen, wenn man wachsam genug mit allen möglichen Situationen umgeht. Dann kann man ihn ab- oder ausbremsen oder kann ihn intelligent umleiten. Aber so sind wir halt nicht täglich drauf. Die, die dies schon schaffen, sind zu beneiden. Und was machen die anderen? Sie schlucken zu oft und zuviel davon. Die Dosis ist für viele zu hoch. Grund genug, sich Gegenstrategien zu Gemüte zu führen.

Nun kommt es ja ganz darauf an, was für ein Typ man selbst ist. Zuschlagen, austeilen, zurückärgern kann ebenso hilfreich sein, wie eine Form von Ignoranz, die nicht verdrängt, sondern sich wirklich darüber stellt. Alle Formen des Zurückschlagens, so man noch keine anderen intelligenten Strategien entwickeln kann, sollten jedoch nicht die physische Ebene betreffen. Sonst gibt’s schnell noch ganz anderen Rabatz, eventuell juristische Folgen mit eingeschlossen. Zurückschlagen kann man auch mit Gesten, Blicken, Worten - je nach Situation.

Wählt man seine Worte gezielt, bedacht, klug und unter Zeugen, kann das eine Lehre sein, die Respekt einflößt. Vielleicht ist man dann zukünftig sicherer, weil der Gegner einen fürchten lernt. Nur: Das ist einfacher gesagt als getan, weil der Ärger oft so spontan und so unkalkulierbar verschieden kommt, dass man sich eben nicht immer direkt darauf einstellen kann. Oft braucht man eine Zeit ruhiger Besinnung, um sich selbst klarzumachen, was man da gerade erlebt oder gehört hat. Man traut seinen Ohren kaum und stockt oftmals dort, wo eine kluge spontane Reaktion nötig wäre. Ladehemmung! Und das ist dann der doppelte Ärger. Nicht nur, dass man sich über den Gegner ärgert, sondern jetzt zusätzlich noch über sich selbst.

Vielen Menschen geht es so. Eine Abhilfe braucht ein mentales Training, bei dem aber auch die eigenen Gefühle eine zentrale Rolle spielen. Wird man zu Unrecht angegriffen oder angemacht, sollte man sich wehren. Je direkter und klarer, umso besser. Gelingt es nicht immer, weil die Situation nicht danach war, dann aber im Anschluss nach einer kleinen, nicht zu langen Weile. Raus mit dem Schmerz, wenn er zugefügt worden ist. Sonst setzt er sich gern in der Galle oder im Magen fest. Welche Taktik oder Strategie zu verwenden ist, richtet sich nach dem Gegnertypus wie auch der Situation und des Abhängigkeitsgrades.

Apropos Abhängigkeitsgrad! Hier liegt oft ein zentrales Problem. Hier kann wiederholter Ärger nämlich zu einem Schatz werden, dessen Stelle man zwar schon gefunden, ihn selbst aber noch nicht gehoben hat. Trifft bei gewissen Menschen Ärger besonders oft und dazu schmerzlich auf, tut man gut daran, das Beziehungsgeflecht tiefer als bisher zu hinterfragen. Und dann stößt man häufig auf subtile Formen von Abhängigkeiten, die gar nicht immer beruflich oder finanzieller Art sein müssen, sondern kann sich z.B. auch auf feiner, emotionaler oder geistiger Ebene entwickelt haben. Hier fand nach und nach oft schleichend und leise eine gewisse Dominanz des einen über den anderen statt, der sich an alltäglichem Ärger bei gleichzeitigem Ungleichgewicht der Gegner zeigt. Hat man dies einmal durchschaut, kann man die Nuss auch knacken und das Ungleichgewicht abbauen. Das gibt Öffnungen für spontane Schlagfertigkeiten, die blitzschnell den Ärger vielleicht auch wieder neutralisieren oder doch zumindest erträglich machen, wenn er schon nicht immer ganz zu vermeiden ist.

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags gibt die persönliche Meinung des Autors wieder. Diese Meinung wird nicht notwendigerweise von der gesamten Redaktion geteilt.