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04. Februar 2016

Zum Valentinstag

Und die Liebe steht über allem, meint Christa Schyboll

30 Millionen Rosen für diesen einen Tag sein, die dafür extra gezüchtet und dann rund um den Globus verteilt werden. Der Tag der Liebe reiner Kommerz? Nein! Geschenke sind nur das äußere Symbol eines inneren Zärtlichkeitsempfindens, das man ehrlich füreinander hegt. Umworben und verwöhnt zu werden erfreut ein jedes Herz.

Passwörter, Tiere, Nahrungsmittel – alles hat seinen besonderen Tag im Jahr. Was aber wäre das Jahresgedenken ohne die Liebe. Die Liebe ist das, was die Menschheit trotz Krieg, Krankheit oder Naturkatastrophen vor allem überleben lässt. In ihr liegt unsere tiefste Sehnsucht und unsere stärkste Hoffnung zugleich. Widmen wir uns also der Liebe und den Liebenden.

Am 14. Februar gedenken wir des christlichen Märtyrers Valentinus. Jedoch ist nicht ganz gewiss, auf welchen Valentinus tatsächlich dieser Tag zurückgeht. Valentin von Terni war Bischof in Rom. Er heilte viele Kranke und trug dazu bei, dass sich viele Menschen dem christlichen Glauben anschlossen. Seine besondere Gabe des Heilens brachte ihm jedoch eine Anklage vor Gericht ein und er erlitt den Märtyrertod durch Enthauptung.

Dann gab es noch einen Priester in Rom, der den gleichen Namen trug und zur gleichen Zeit dort lebte. Er widersetzte sich dem Verbot durch Kaiser Claudius II. und traute Liebespaare nach dem christlichen Ritual. Auch er wurde hingerichtet. Die Überlieferung sagt aus, dass Valentin den frisch verheirateten Paaren Blumen aus seinem Garten schenkte. Man sagt, die Ehen, die er schloss, standen unter einem guten Stern.

Im späten Mittelalter feierte man den Valentinstag auch als Lostag. Lostage sind feststehende Tage im Kalender, die Vorhersagen über das Wetter und andere günstige Zeitpunkte erlauben. Da kam der Tag der Liebenden den Menschen recht. Man nannte ihn auch den "Vielliebchenstag".

Eine besondere Bedeutung bekam der Tag im angelsächsischen Sprachraum aufgrund eines Gedichtes des englischen Schriftstellers Geoffrey Chauser. Er trug anlässlich der Valentinsfeier am Hof des Königs Richard II. sein Poem "Parlement of Fouls" – alle 100 Strophen in deutscher Übersetzung hier: Parlament der Vögel – öffentlich vor. Hier stellt er dar, wie sich die Vögel um die "Göttin Natur" versammeln und ihren Partner für die neue Brut suchen.

Um das 15. Jahrhundert herum kam in England der Brauch des Schenkens zu diesem Tag auf. Am Vorabend des Gedenktages bildeten sich Paare durch Verlosung. Im späteren Viktorianischen Zeitalter bevorzugte man statt oder zu den Geschenken dekorierte Karten, die man sich gegenseitig schickte.

In die Vereinigten Staaten kam der Brauch durch die englischen Auswanderer wie auch durch die in Deutschland stationierten US-Soldaten. 1950 wurde der erste Valentinsball in Deutschland veranstaltet. Durch die starke Werbung der Floristen und der Süßwarenindustrie verfestigte sich der Brauch des Schenkens mehr und mehr in den Liebenden.


Die Welt ist voller Rosen


Bleiben wir kurz beim Kommerz. Er ist einer der Gründe, warum sich aber auch eine Reihe von Menschen diesem eigentlich schönen Tag verweigern. Nicht weniger als 1000 Tonnen Rosen werden allein von der Lufthansa Cargo eigens zu diesem Zweck transportiert. 30 Millionen Rosen sollen es weltweit für diesen einen Tag sein, die dafür extra gezüchtet und dann rund um den Globus verteilt werden.

Der Valentinstag beschert den Blumenhändlern Verkaufsglück, den Restaurants besonders viele Gäste, die auch mit besonderen Menüs an diesem Tag aufwarten. Der Champagner fließt reichlicher als sonst und die romantischen Kurztrips erfreuen wiederum die Reisebranche. Und obschon nach einer repräsentativen Umfrage 60 Prozent der Deutschen all dies für Quatsch halten, zeigen die Zahlen eine andere Wirklichkeit. Umweltschützer stehen all dem sehr kritisch gegenüber, weil sie wissen, welch hohe Emissionen allein zu diesem Zweck freigesetzt werden. Doch Kritik hin oder her: Der Siegeszug dieses Gedenktages um die ganze Welt war irgendwann nicht mehr aufzuhalten.

Schokoladengeschenke sind das Non plus Ultra für die Japaner. Die Frauen schenken die schwarze Schokolade den Männern und dürfen dafür einen Monat später am White Day weiße Schokolade als Geschenk zurück erwarten. Auch die jungen, am westlichen Lebensstil interessierten Chinesen lieben diesen Brauch und beschenken sich ebenso wie die Liebenden im fernen Brasilien.

Der Treffpunkt der Liebespaare an Brücken oder Gewässern an diesem Tag ist besonders in Italien beliebt. Meist sind dort Vorrichtungen angebracht, an denen man sein Fahrrad anschließen kann. Diese Vorrichtungen werden oftmals zweckentfremdet, in dem ein sogenanntes Liebesschloss angebracht wird. Es wird mit den Initialen der Liebenden Versehen oder mit einem Foto des Liebespaares geziert. Der Schlüssel wird ins Wasser geworfen und bei diesem Akt wird ein tiefer Wunsch gefühlt, der jedoch nicht laut geäußert wird. Zumeist betrifft er die Liebe des Paares und seine gewünschte Unvergänglichkeit. So manches Brückengeländer musste in neuerer Zeit auch schon durch Entfernung dieser Liebeszeichen gerettet werden, weil es sonst einzustürzen drohte. Die Südafrikaner ehren den Tag der Liebenden auch durch das Tragen besonderer Kleidung in den Farben Weiß und Rot, die symbolisch für die Reinheit und die Liebe stehen.


Die Liebe als hohes Ziel der Menschen


Heute hat der Valentinstag vor allem zwei Seiten: Eine ganz persönliche und eine stark kommerzialisierte. Letztere hat vor allem der Blumenindustrie wie auch der Konsumgüterindustrie an diesem Tag schöne Wachstumsraten beschert. Natürlich ist es dem massiven Werben der Industrie zu verdanken, dass quasi kein Liebespaar um diesen Tag "herumkommt".

Doch Achtung! Dieser Tag hat auch eine Kehrseite. Sie besteht in der mittlerweile auch hochgezüchteten emotionalen Erwartungshaltung an den Partner. Bekommt man kein Geschenk, wird man nicht mit Schönem bedacht, verwöhnt oder ausgeführt, kann dies ein böses Zeichen mangelnder Liebe sein, die sich ausgerechnet an diesem Tag in den Gefühlen Bahn bricht. Denn Erwartungen, die nicht erfüllt werden, können in große Enttäuschungen münden, die wiederum in Einzelfällen zu starken emotionalen Auseinandersetzungen führen können. Psychologen in München haben eigens für diesen Tag eine Notfall-Hotline eingerichtet, die tatsächlich auch reichhaltig genutzt wird. Dabei handelt es sich keineswegs um einsame Singles, sondern um Menschen in Beziehungen, die von genau dieser an diesem Tag besonders bitter enttäuscht werden oder sich ungeliebt fühlen.

Von diesem Kreis einmal abgesehen wird der Tag für viele Menschen aber häufig auch ein Tag tiefer Gefühle. Die Geschenke sind für die meisten Zeitgenossen letztlich nur das äußere Symbol eines inneren Zärtlichkeitsempfindens, das man ehrlich füreinander hegt. Umworben und verwöhnt zu werden mit persönlichen Aufmerksamkeiten erfreut ein jedes Herz. Die Liebenden nehmen sich für diesen Tag oftmals auch besonders schöne Aktivitäten vor, um diesen Tag von den anderen Tagen des Jahres als etwas ganz Besonderes abzugrenzen.

Dieses Besondere um die Liebe herum machte sich auch in den gefühlvollen Zeilen vieler Schriftsteller bemerkbar, die vom Keimen der Liebe sprechen und von den Wurzeln, die zu Wachsen nicht mehr aufhören. Auch das gemeinsame Blicken in eine gemeinsame Zukunft beflügelt die Dichter, die nicht müde werden, das Glück der Liebe zu beschwören. Sie wissen um die Herzkraft, die über jeder Vernunft steht und die das Auge die Welt in einem anderen Schein betrachten lässt. Wenn die Liebe winkt, so meint Khalil Gibran, sollte man ihr folgen. Wie steil und schwer die Wege auch sind. Denn die Liebe selbst hat kein Alter. Das alte Volksgut wusste: Die Blüte braucht die Sonne, um Frucht zu werden. Der Mensch aber braucht die Liebe, um Mensch zu werden. Und wenn der Mensch zu lieben weiß, wird er so, wie Gott in gemeint hat, schließt sich Fjodor M. Dostojewski in die Reihe der glühenden Beschwörer der Liebe ein.

Für alle Menschen, die die Liebe als das höchste Ziel ansehen, hat dieser Tag eines besonders schöne Bedeutung, die weit über ihre Kommerzialisierung hinausgeht. Und ist es nicht, um mit Victor Hugo zu sprechen, das höchste Glück des Lebens überhaupt, die Überzeugung zu haben, geliebt zu werden?

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags gibt die persönliche Meinung des Autors wieder. Diese Meinung wird nicht notwendigerweise von der gesamten Redaktion geteilt.