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10. Oktober 2010

Reizen Sie Reize?

Ein Looping zwischen schaurigem Nervenkitzel, Ärger und Lust – von Christa Schyboll

Befragt man mich, wie ich zu Reizen stehe, beantworte ich es im negativen wie im positiven Fall eher positiv. Reize sind u.a. elektrische oder magnetische Ströme, die nicht nur unsere Nerven stimulieren, sondern auch den Körper, den Charakter, unser Gemüt. Unsere Gefühle reagieren oft schneller als wir sie realisieren können. Sie scheinen über einen eingebauten Mechanismus zu verfügen, auch ohne unser Zutun halbwegs vernünftig damit umzugehen.

Es gilt für die schönen, wie die gefährlichen oder ärgerlichen Reize, die uns immer wieder heimsuchen. Auch heilende Reizströme, die weniger mit Lust als mehr mit Gesundheit zu tun haben, entfalten enorme Wirkung, wenn wir sie zulassen und aushalten. In der richtigen Dosierung versteht sich.

Unterschwellige und überschwellige Reize versuchen sich an uns und unserem Potential, fordern uns zu Reaktionen heraus oder auch nur zur feinen Wahrnehmung im Vorfeld eines Ereignisses. Sie überschwappen uns in Gefahrensituationen lawinenartig und können bei zu starker Reizung zur Lähmung unseres Handelns oder unseres Bewusstseins führen. Ab einem gewissen Punkt sind wir den Reizen nicht mehr gewachsen – und werden schwach.

Es gilt für alle Reize schlechthin, wenngleich auf sehr verschiedene Arten. Die Schwäche, die verführerische Reize sexuell auslösen können, können auch zur Stärke führen, je nachdem, was als schwach oder stark im menschlichen Bewusstsein kategorisiert wird. Optische Reize haben wiederum ganz andere Qualitäten als die Reizungen der Nerven bei schwerwiegenden Angstsituationen oder Auseinandersetzungen. Sinnes- und Nervenreizungen gehen Hand in Hand mit den Reizen, denen wir mit unseren Gefühlen und Gedanken unterliegen – und nicht selten auch unterlegen sind.

Auch das Spektrum des Reizes aus der Werbewirtschaft ist eine erfolgreiche Stimulanz zur Wirtschaftsförderung. Geschickt mit Farbe, Bild und Ton reizen uns fast unbemerkt kleine Kunstwerke, die imstande sind, subtil und wie nebenbei eben jenen entscheidenden Reiz auszulösen, der uns wie quasi fremdbestimmt ganz freiwillig unsere Checkkarte ziehen lässt.

Vorsicht also mit den Reizen, die so schön und gefährlich sein können, so glückbringend, befriedigend und blindmachend, dass so manch einer von ihnen nach erfolgreicher Stimulierung später zu einem bösen Erwachen führt. Stellt man sich ihnen aber willentlich, klar und bewusst, haben zumindest die psychologischen Reize in Bezug auf Dominanz schlechte Karten.

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags gibt die persönliche Meinung des Autors wieder. Diese Meinung wird nicht notwendigerweise von der gesamten Redaktion geteilt.