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13. Oktober 2012

Ab auf die Wolke

Oder doch besser auf dem Boden bleiben, fragt Tom Borg

Die Cloud ist der ideale Platz, um von überall auf seine Daten zuzugreifen. Doch, wWenn wir auf Daten und Anwendungen nur noch über die Cloud zugreifen können, können die Anbieter uns vorschreiben, welche Rechner und Software wir verwenden müssen, damit der Zugriff überhaupt klappt. Eine böse digitale Falle!

Über den Wolken soll laut Reinhard Mey die Freiheit grenzenlos sein. Aber neuerdings kommen mir da doch einige Zweifel wenn es um von Menschen gemachte Wolken geht – sprich die sogenannten Clouds. Sie werden angepriesen als der letzte Schrei, das mobile Nonplusultra. Aber was bedeuten Clouds wirklich für unser Leben und unsere Arbeit? Sind sie wirklich die Zukunft schlechthin?

Erste Zweifel daran kamen mir bereits im Rahmen der Wikileaks Affäre wo amerikanische Konzerne kurzerhand Server in den USA abschalteten und auch Cloud-Kapazitäten einfach kappten weil Wikileaks gegen die AGB und einige darin enthaltene schwammige Formulierungen verstoßen hätten. Aber wer kontrolliert die Auslegung dieser AGB und wen kann man dafür irgendwo auf diesen Planeten haftbar machen, wenn man als normaler Privat- oder Geschäftsmann auf der angestammten Wolke nicht mehr willkommen ist?

Einen weiteren deftigen Vertrauenseinbruch gab es vor nicht allzu langer Zeit, als die angeblich so leistungsfähigen Amazon-Server zu-sammenbrachen weil Amazon USA einen Tag lang das neue Album von Lada Gaga zu 99 Cent als Download anbot. Da stürzte Amazon von Wolke sieben auf den Boden der Realität zurück. Und der ist erschreckend und ernüchternd: Die Cloud-Kapazitäten können sich wie ihre natürlichen Namensvettern in nichts auflösen. Und wo ist dann meine Computerpower…?

Lege ich dann auch noch meine Daten auf der Cloud ab, wird es ganz bitter. Immer mehr Anbieter offerieren mobile Office-Funktionalitäten. Es gehört fast schon zum guten Ton, mit seinem Laptop von unterwegs seine Bürodokumente anzuzapfen und von der Wolke rein regnen zu lassen. Aber wie sicher ist die Verfügbarkeit dieser Datenwolke? Komme ich da wirklich immer und überall ran? Unsere Großväter hatten mal einen Spruch: was du schwarz auf weiß in Händen hältst, kannst Du getrost nach Hause tragen. Ok, wir leben nicht mehr im informativen Mittelalter. Aber ganz ehrlich: Ich fliege gerne über den Wolken mit "Cloud Nr. 9" auf den Ohren und Laptop unterm Arm zum mobilen Office am Strand der Copacobana. Aber meine Daten bleiben schön auf meiner eigenen Festplatte in einer stinknormalen Access-Datenbank. Da weiß ich was ich habe und vor allem wo ich es habe…

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags gibt die persönliche Meinung des Autors wieder. Diese Meinung wird nicht notwendigerweise von der gesamten Redaktion geteilt.