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27. März 2016

Die Macht des Gerüchtes

Die Angst-Manipulation als Mittel zum Zweck, von Christa Schyboll

Wir alle kennen nicht nur Gerüchte, sondern finden sie manchmal auch spannend. Nicht selten geben wir sie deshalb auch weiter, weil sie etwas in uns bewegen oder uns in irgendeiner Form anregen oder aufregen. Wir möchten es mit anderen teilen. Da begegnen uns dann in den sozialen Medien beispielsweise Tote, die niemals verstarben, weil es sie nicht einmal gab. Oder es gibt angebliche Vergewaltigungen als Schutzbehauptung, weil ein Teenager sich nicht nach Hause traute.

Nur zwei von vielen Gerüchten aus der neueren Zeit, die sich als glatte Fehlmeldungen herausstellten. Aber welche mit einer solchen Macht, dass sie nicht nur die Öffentlichkeit aufrüttelten, sondern sogar bis zu diplomatischem Gezänk unter Staatsmännern führten (z.B. im Fall der angeblichen Vergewaltigung eines jungen russischen Mädchens). Da kochten nicht nur private Emotionen hoch.

Warum eigentlich ? Die Welt ist halt aufgeregt in Zeiten wie diesen, wo Terror und Kriegsangst, Unsicherheit und Finanzkrisen global um den ganzen Erdball ziehen. Zum Glück konnten diese beiden neueren Fälle von Falschmeldungen schnell aufgeklärt werden. Das ist nicht immer die Regel. Es gibt massenhaft viele Gerüchte, die gezielt in die Welt gesetzt werden, um Unruhe bei speziellen Bevölkerungsgruppen zu schüren. Ständig gibt es Interessen, die eine Stimmungslage in einem Volk – und damit ist keineswegs nur das deutsche Volk gemeint – geschickt für ihre Zwecke und Ziele ausnutzen. Besonders wirkungsvoll ist dies, wenn es um den Faktor Angst oder eine generelle Verunsicherung geht. Hier sind Menschen besonders leicht zu manipulieren, denn Angst ist in uns allen ein mächtiger Faktor, der sich in den Vordergrund des eigenen Bewusstseins drängt. Angst um Frieden, Wohlstand, das Liebgewonnene.

Und was ist mit denen, die diese Angst verlachen, die sich nicht sorgen, die ihre Arme zum Willkommen zu was auch immer vertrauensvoll und mitmenschlich ausgebreitet haben? Fehlt ihnen am Ende etwa die Fantasie für das eventuell doch lauernde Böse? Mangelt es ihnen persönlich an schlechter Erfahrung, warum sie an die Ängste anderer weder anknüpfen können noch wollen? Sind sie stärker, besser informiert, gebildeter, existenziell besser gesichert als die Angsthasen im Volk?


Vom Lancieren und der geschickten Manipulation


Beim Versuch der Beantwortung einer solchen Fragekette allein in die Theoriekiste der Psychologie hineinzugreifen, die da sagt, dass uns vor allem das Fremde, das Unbekannte Angst erzeugt, greift jedoch zu kurz und auch noch lange nicht bei jedem. Und weil das so ist, funktioniert ja auch die Manipulation mit dem Streuen von Gerüchten sehr gut. Man muss das Gerücht nur geschickt genug lancieren, wenn man bestimmte Stimmungslagen dabei erreichen will. Dazu gehört nicht nur das richtige Thema, sondern auch der richtige Zeitpunkt und die richtige Art und Weise, die so geschickt gewählt werden muss, dass man das Gerücht als solches ja zunächst nicht erkennt, sondern als Tatsache, Wirklichkeit oder Wahrheit vermeint.

Dann kocht schnell des Volkes Zorn hoch, dann haben fundamentalistische Gruppen Zulauf. Dann gibt es plötzlich nur noch schwarz-weiß in einer Welt voller Buntheit. Alles, was fein differenziert betrachtet werden müsste, wird in einem großen Topf der Gleichmacherei zu Brei gekocht. Alles Individuelle und notwendig zu Differenzierende hat plötzlich keine Bedeutung mehr. Denn man kennt den oder die Bösen, man kennt das Unheil, man weiß, von wem es kommt und hat den "Feind" erkannt!- Hat man? Meist nicht. Denn der Feind ist viel näher als gedacht.

Der wahre Feind sitzt in einem jedem selbst und nennt sich: "Vor-Urteil". Oder auch "Informationsmangel", oder "großes Missverständnis" aufgrund von was auch immer… und sei es aufgrund von falschen Gerüchten, denen man allzu leichtfertig auf den Leim ging, weil sie einen gewissen Nerv in uns trafen.

Was also ist zu tun, wenn Neuigkeiten unsere Seele oder unser Hirn empören? Ruhig bleiben, recherchieren, genau hinhorchen, Quellen studieren, sich eines Vor-Urteils solange enthalten, bis man eine eigene Urteilskompetenz erarbeitet hat. Und sich selbst auch immer wieder hinterfragen. Wie gehe ich selbst mit dem speziellen Thema um? Bin ich vorbelastet oder wirklich vorurteilsfrei? Bin ich auch schon manipuliert oder habe ich konkrete Erfahrungen gemacht? Die Liste ist lang, wenn man zu einem reifen Urteil kommen will. Das ist - zugegeben – etwas mühselig aber schützt uns vor dem Schwachsinn der Welt, der nicht nur inflationäre Ausmaße angenommen hat, sondern zudem auch als Mittel der Manipulation von bestimmten Gruppen, Parteien, Regierungen usw. weltweit immer wieder neu eingesetzt wird.

Wenn uns etwas retten kann, dann ist es die Aktivierung des eigenen Verstandes.

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags gibt die persönliche Meinung des Autors wieder. Diese Meinung wird nicht notwendigerweise von der gesamten Redaktion geteilt.