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Heinrich von Kleist über Feste

Hinaus mir über die Gefilde, sag ich,
und mir die Rosen, die der Lenz verweigert,
mit eurem Atem aus der Flur gehaucht!
An euer Amt, ihr Priesterinnen der Diana,
daß eures Tempels Pforten rasselnd auf,
des glanzerfüllten, weihrauchduftenden
mir, wie des Paradieses Tore, fliegen!
Zuerst den Stier, den feisten, kurzgehörnten,
mir an den Altar hin; das Eisen stürz' ihn,
das blinkende, an heil'ger Stätte lautlos,
daß das Gebäu erschüttere, darnieder!
Ihr Dienrinnen, ihr rüstigen, des Tempels,
das Blut - wo seid ihr? - rasch, ihr emsigen! -
mit Perserölen, von der Kohle zischend,
von des Getäfels Plan hinweggewaschen!
Und all ihr flatternden Gewänder, schürzt euch,
ihr goldenen Pokale, füllt euch an,
ihr Tuben, schmettert, donnert, ihr Posaunen,
der Jubel mache, der melodische,
den festen Bau des Firmamentes beben!
O Prothoe! Hilf jauchzen mir, frohlocken,
erfinde, Freundin, Schwesterherz, erdenke,
wie ich ein Fest jetzt göttlicher, als der
Olymp durchjubelte, verherrliche.
Penthesilea 14. (Penthesilea)
Zitat von Heinrich von Kleist
Heinrich von Kleist
deutscher Schriftsteller
* 18.10.1777, † 21.11.1811

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