Anzeige

Christa Schyboll über Zusammenarbeit

Ein Team, das aus vielen Ich-en besteht statt aus einem satten WIR wird früher oder später in die Phase vielfältiger Individualisierungskrisen geraten.
»Taktvoll aus dem Takt« - Ein aphoristischer Gedankentango, Alojado Publishing, Ilog, 2015, ISBN 978-621-8015-20-3, Apho 145
Zitat von Christa Schyboll
Christa Schyboll
deutsche Autorin
* 06.09.1952
Anzeige

Gedanken zum Zitat von Angelina Westhagen

Gelungene Teamarbeit ist oft der Schlüssel zum Erfolg. Der Grund liegt unter anderem in der Vielzahl der verschiedenen Betrachtungen zu einer Sache, die unter allen möglichen Aspekten untersucht und abgewogen wird. Auch die verschiedenartigen Talente im Zusammenspiel spielen eine entscheidende Rolle. Und dennoch lauert in jedem Team auch eine potenzielle Gefahr des Scheiterns. Und das liegt in der Zusammensetzung der Mannschaft.

Ein Team, in dem (zu) viele sogenannte Alpha-Tiere, Macher, Eigenbrötler oder allzu starke Individuen vertreten sind, geht meist nicht gut. Auch dann nicht, wenn viele Talente zusammenkommen, die der Sache dienen. Was es braucht ist eine Ausgewogenheit, die in ihrer Gesamtheit eine Reifeleistung zeigt, welche eine Sache selbst zum Erfolg führt.

Je mehr Egoismen in einzelnen Mitgliedern des Teams noch stark nach vorne drängen, umso weniger kann die Gruppe gemeinsam erfolgreich sein. Die Führung eines Teams hat feinsinnig darauf zu achten, dass ein jeder mit seinen Talenten und Fähigkeiten ausreichend wie auch frühzeitig zum Zuge kommt. Insofern ist jede Teamführung gut beraten, ein jedes einzelne Teammitglied mit seinen Besonderheiten und Begabungen fest im Blick zu haben und dort zu fördern, wo es seine Talente auch einsetzen kann, aber nicht von anderen Teammitgliedern darin ausgebremst wird. Die Gründe zu einem Ausbremsen liegen häufig in der Frage von Karriere, Macht oder sonstigen persönlichen Vorteilen. Nicht jedem ist es gegeben, einen solchen Kampf führen zu wollen oder zu können; zumal dann nicht, wenn man selbst mehr die Sache als den eigenen Vorteil im Blick hat.

Setzen sich hier die Stärkeren gegen die Durchsetzungsschwächeren durch, ist nicht nur der Ärger vorprogrammiert, sondern auch das Scheitern. Da Durchsetzungsschwäche an sich aber nicht gleichbedeutend mit weniger Talent in der Sache ist, ist zu befürchten, dass durch die Dominanz des einen über den anderen Erfolg wider Willen verhindert wird. So wird letztlich trotz Talente in der Sache dem gemeinsamen Projekt nicht gedient. Der Einzelne im Team muss über sich selbst hinausdenken und handeln. Zurückhaltung in persönlichen Ambitionen kann dem großen Ganzen dienen. Das ist eine Frage von innerer Haltung und moralischer Kraft.

Ein Team, in dem starke Egos vor allem das Sagen haben, hat kein Zeug zum gesunden WIR zu werden. Es wird sich früher oder später in persönlichen Krisen verzetteln, weil die jeweilige Individualität einfach nicht ausreichend gewürdigt wurde und zum Zuge kam.