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Johann Wolfgang von Goethe über Gehör

Es hört doch jeder nur, was er versteht.
Maximen und Reflexionen, Nachlaß, Über Literatur und Leben
Zitat von Johann Wolfgang von Goethe
Johann Wolfgang von Goethe
deutscher Dichter
* 28.08.1749, † 22.03.1832
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Gedanken zum Zitat von Christa Schyboll

Mit dem Sprichwort: "Es hört doch jeder nur, was er versteht" wird das Erlauschen von Worten in einen direkten Bezug zur Erkenntnis gesetzt. Denn natürlich hören wir akustisch durchaus auch das, was wir nicht verstehen, sofern keine Erkrankung des Hörorgans vorliegt. Aber diese Art von allein akustischem Hören ist faktisch letztlich sinnlos, weil daraus alleine ja noch keine Tat oder Entscheidung erwächst.

Was also machen wir mit all den vielen Worten und Aussagen, die wir zwar laut und deutlich hören, aber dennoch nicht fürs Leben an sich nutzen? Wir verdrängen sie. Das kann bewusst oder unbewusst geschehen. Das Gehörte geht dann eben an einem Ohr herein und am anderen Ohr wieder hinaus. Das meint konkret, es nimmt in beiden Fällen nicht den Umweg über das Gehirn, über das Denken, wo aus dem Gehörten auch ein Verständnis oder eine Information herausgezogen wird. So ist es kein Wunder, dass Menschen sich immer und immer wieder bei manch einem ihrer Mitmenschen wiederholen müssen. Wie oft fällt der Satz: "Das habe ich Dir doch schon so oft gesagt!" ... Aber immer noch ist nichts begriffen. Das sind halt dann eben jene Worte, die am Denkvermögen des anderen vorbeigerauscht sind, obschon er sie recht klar vernahm.

Hören und Verstehen sind eben verschiedene Vorgänge. Aber auch zwischen Verstehen und Umsetzen gibt es häufig noch eine große Hürde. Man denkt zwar, dass man das, was man verstandesmäßig begriffen hat, automatisch durch die Vernunft auch in die entsprechende Umsetzung leitet, was jedoch sehr oft nicht der Fall ist. Hierbei handelt es sich dann aber weder um Hör- noch um ein Verstandesproblem, sondern um ein Drittes: Eine Willensschwäche. Die Hürde der Denkschwäche, also der Erkenntnisfähigkeit, mag bereits abgebaut sein, nun aber steht der innere Schweinehund bei Fuß und will ebenfalls seinen Meister durch uns erfahren.

Versteht man aber, was man hört und realisiert man zugleich bewusst, welche Folgen das so eben Gehörte und auch Begriffene hat, hat man einen ersten wichtigen Schritt in die richtige Richtung getan. Der zweite Schritt ist nun die Konsequenz, dem Ganzen dann auch die rechten Taten folgen zu lassen.