Sprichwort über Reichtum

  • Je reicher, je kärger.

Gedanken zum Zitat

Das Sprichwort »Je reicher, je kärger« bringt eine Beobachtung auf den Punkt, die immer wieder Anlass zu gesellschaftlicher Kritik gibt: Menschen mit großem Reichtum zeigen sich oft weniger freigiebig als solche mit bescheideneren Mitteln. Es scheint paradox, doch genau darin liegt die Provokation und Wahrheit dieses Spruchs. Wer viel besitzt, hält oft fester daran, während derjenige der wenig hat, oft großzügiger teilt.

Der veralterte Begriff »kärger« bezeichnet Geiz, Sparsamkeit bis zur Knausrigkeit. Das Sprichwort wirft also ein kritisches Licht auf die Mentalität mancher Reicher: Statt Großzügigkeit zeigt sich Zurückhaltung, statt Teilen herrscht Horten. Es geht dabei nicht um Neid, sondern um eine moralische Bewertung von Besitz und Verantwortung. Wer viel hat, trägt, so das ethische Ideal, auch größere Verantwortung gegenüber anderen. Wenn dieser Verantwortung nicht nachgekommen wird, erscheint der Reichtum als hohl oder gar unmoralisch.

Die Ursachen für diese Haltung können vielfältig sein. Oft ist es nicht der Reichtum selbst, der kärger macht, sondern die Angst, ihn zu verlieren, oder die Gier, ihn zu mehren. Wer sich ein Leben lang auf Besitz konzentriert hat, fürchtet, durch Geben Kontrolle aufzugeben. So entsteht ein Widerspruch: Reichtum, der eigentlich Freiheit bedeuten könnte, führt zu innerer Enge.

Gleichzeitig verweist das Sprichwort auch auf gesellschaftliche Missverhältnisse: Während manche Menschen im Überfluss leben und dennoch nur wenig abgeben, zeigen sich andere trotz knapper Ressourcen solidarischer und hilfsbereiter. Studien bestätigen, dass Menschen mit geringem Einkommen prozentual zum Einkommen häufiger spenden als sehr reiche. Das Sprichwort benennt also ein reales soziales Phänomen.

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