Sprichwort über Wort
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Wider spitze Worte gehören verharschte Ohren.
Gedanken zum Zitat
Das Sprichwort »Wider spitze Worte gehören verharschte Ohren« bringt auf bildhafte und zugleich scharfsinnige Weise eine wichtige Haltung im zwischenmenschlichen Umgang zum Ausdruck: Wer mit scharfer, verletzender Sprache auftritt, sollte nicht mit überempfindlichen Ohren reagieren, oder anders gesagt: Wer austeilt, muss auch einstecken können.
»Spitze Worte« stehen hier sinnbildlich für spöttische, bissige oder ironische Bemerkungen, also Äußerungen, die oft bewusst verletzend oder provozierend gemeint sind. Wer solche Worte gebraucht, sei es aus Witz, Überlegenheit oder Bosheit, sollte damit rechnen, dass Gegenwind kommt. Das Sprichwort fordert daher eine gewisse Konsequenz: Wenn man selbst mit der Sprache »sticht«, darf man sich nicht beschweren, wenn man selbst getroffen wird. »Verharschte Ohren«, also sinnbildlich dickere Haut oder eine gewisse Resistenz gegen Kritik, sind die passende Reaktion für jene, die im Gespräch gern spitz werden.
Das Sprichwort lässt sich auch auf die heutige Kommunikationskultur übertragen. Besonders in sozialen Netzwerken erleben wir häufig, dass Menschen schnell verbal angreifen, aber ebenso schnell verletzt sind, wenn Kritik zurückkommt. Die Mahnung des Sprichworts ist deshalb aktueller denn je: Wer bewusst provokant oder aggressiv kommuniziert, darf sich nicht über die Reaktionen wundern.
Gleichzeitig enthält das Sprichwort eine versteckte Warnung: Wer nicht mit Kritik oder Konter umgehen kann, sollte sich auch in seinen eigenen Worten zügeln. Denn nur, wer selbst gefestigt genug ist, kann sich in sprachlichen Auseinandersetzungen behaupten, ohne in unnötige Verletzungen oder Rechtfertigungen abzurutschen.
Insgesamt ruft das Sprichwort zur Selbstverantwortung im Reden und Hören auf. Es plädiert für eine Balance aus sprachlicher Klarheit, Standhaftigkeit und der nötigen Portion Selbstironie. Wer sich sprachlich zuspitzt, sollte sich bewusst sein, dass Kommunikation keine Einbahnstraße ist.