Sprichwort über Wort
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Wer einem ins Wort fällt, der will sich selbst hören.
Gedanken zum Zitat
Das Sprichwort »Wer einem ins Wort fällt, der will sich selbst hören« bringt ein verbreitetes und oft als unhöflich empfundenes Verhalten prägnant auf den Punkt: das Unterbrechen eines Gesprächspartners. Dabei ist nicht nur die Geste der Unterbrechung gemeint, sondern vor allem die dahinterliegende Motivation, nämlich, sich selbst und die eigenen Gedanken wichtiger zu nehmen als das, was der andere gerade sagt.
Im Zentrum des Sprichworts steht die Eitelkeit des Zuhörers, oder besser gesagt: des Nicht-Zuhörers. Wer ständig dazwischen spricht, signalisiert, dass er nicht wirklich am Gegenüber interessiert ist. Es geht nicht um einen echten Dialog, sondern vielmehr darum, die eigene Meinung durchzusetzen, sich selbst Gehör zu verschaffen, und sei es auf Kosten der Gesprächskultur. Das Unterbrechen wird so zum Ausdruck von Egozentrik, Ungeduld oder gar mangelndem Respekt.
Das Sprichwort wirft damit auch einen kritischen Blick auf die Art und Weise, wie Kommunikation heute oft funktioniert, sei es in Debatten, Talkshows, Besprechungen oder alltäglichen Gesprächen. In einer Zeit, in der viele sich durchsetzen und ihre Meinung präsentieren wollen, geht das aufmerksame Zuhören zunehmend verloren. Dabei ist genau das Zuhören eine der wichtigsten Grundlagen für echtes Verstehen und ein respektvolles Miteinander.
Natürlich gibt es auch Situationen, in denen ein Zwischenruf nötig oder berechtigt ist, etwa um Missverständnisse zu klären oder Themen in die richtige Bahn zu lenken. Doch das Sprichwort zielt nicht auf solche Ausnahmefälle, sondern auf das Musterhaften, das ständige Dazwischenreden, das die Gesprächsführung an sich reißen will.
Im Kern fordert uns dieses Sprichwort zu mehr Demut und Achtsamkeit auf: Wer spricht, verdient Gehör. Wer unterbricht, sollte sich fragen, ob er wirklich zum Gespräch beitragen oder sich nur selbst bestätigen will. Dialog bedeutet nämlich nicht nur Reden, sondern vor allem: Zuhören.