Sprichwort über Wort
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Man fasst das Pferd beim Zaum, den Mann beim Wort.
Gedanken zum Zitat
Das Sprichwort »Man fasst das Pferd beim Zaum, den Mann beim Wort« verdeutlicht auf eindrucksvolle Weise die Bedeutung von Verbindlichkeit, Ehrlichkeit und Verantwortung im menschlichen Miteinander. Wie der Zaum das Pferd lenkt und kontrolliert, so wird ein Mensch durch das, was er sagt, gemessen und beurteilt. Worte sind mehr als bloße Laute, sie sind Ausdruck von Absichten, Charakter und Haltung.
In der alten Welt, in der Verträge oft mündlich geschlossen wurden, war das gegebene Wort ein heiliger Bund. Wer es brach, verlor nicht nur das Vertrauen, sondern auch seine Ehre. Auch heute noch gilt: Wer etwas verspricht oder zusichert, muss sich daran messen lassen. Worte schaffen Bindungen in Freundschaft, in der Politik, in der Wirtschaft oder in der Familie.
Das Sprichwort erinnert uns auch an eine gewisse Vorsicht: Wer spricht, setzt sich dem Urteil anderer aus. Wer leichtfertig redet, droht unglaubwürdig zu werden. Deshalb ist es klug, überlegte, wohlgewählte Worte zu verwenden, denn man wird daran »gefasst«, festgehalten, zur Rechenschaft gezogen und manchmal auch konfrontiert.
Zugleich liegt in diesem Sprichwort ein Aufruf zur Klarheit: Wer Verantwortung trägt, ob im Beruf oder im persönlichen Leben, sollte sich seiner Sprache bewusst sein. Ein Wort kann trösten oder verletzen, führen oder verführen, Hoffnung geben oder zerstören. Wer redet, sollte wissen, was er sagt, und bereit sein, die Konsequenzen zu tragen.
In einer Zeit, in der Worte oft inflationär gebraucht und Versprechen leicht gebrochen werden, erinnert uns dieses Sprichwort daran, dass wahre Stärke und Integrität darin liegen, zum Wort zu stehen. Es mahnt zur Besonnenheit und ruft auf zu Aufrichtigkeit. Denn nur wer ehrlich spricht, bleibt glaubwürdig. Und nur wer glaubwürdig ist, wird respektiert.