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12. Dezember 2019

Weltliteratur in finanzieller Hinsicht

Regiert das Geld die Welt? Wenn man unsere moderne Welt betrachtet, kann man leider nur eine positive Antwort darauf geben. Für viele Menschen sind sie sogar das Hauptziel im Leben, eine Krankheit.

Sie verwenden Tarot, um einen Blick in ihre finanzielle Zukunft zu machen, halten Rituale ab, um Geld anzulocken usw. Natürlich müssen Sie etwas essen und das Wohl Ihrer Familie gewährleisten. Aber manchmal ersetzt Geld alles im Leben. Es ist beängstigend, sich vorzustellen, wie viele Krankheiten in unserem Leben es mit sich bringen kann. Wir lasen die Weltliteratur noch einmal durch, haben altes Geld in neues umgerechnet und dabei auch versucht zu verstehen, was uns Abenteuer kosten würden, die von großen Schriftstellern beschrieben wurden.

Wie viel Geld brauchte ein kaiserlicher Schalksnarr im »Faust«, um ein Haus, ein Feld und ein Vieh zu kaufen? Obwohl Faust, wie Sie wissen, seine Seele nicht für Geld an den Teufel verkauft hat, wird das Thema Finanzen zu einem der zentralen Themen im zweiten Teil von Goethes Tragödie. Mephisto wird hier als Erfinder des Papiergeldes vorgestellt, das in den 1830er Jahren, dem Zeitpunkt der Veröffentlichung des zweiten Teils von »Faust«, für Goethe-Leser bereits zur Gewohnheit geworden war. In Europa wurde im 17. Jahrhundert nach und nach Papiergeld eingeführt. Gleichzeitig blieb die Münze das Hauptgeld, zusätzlich wurden Banknoten als Antikrisenmaßnahme eingesetzt. Eines der bekanntesten Beispiele für die Verwendung von Papiergeld, das möglicherweise als Prototyp einer Faustszene gedient hat, ist mit dem Namen John Law verbunden. Der englische Finanzier schlug Philipp von Orleans 1716 vor, Banknoten einzuführen, die die Lage der französischen Wirtschaft verbessern sollten. Wenn die Royal Bank zunächst mit Edelmetallen besicherte Schuldverschreibungen emittierte, dann hatten die Schuldverschreibungen nach 1717 nur noch einen Nennwert und führten zu einem Anstieg der Inflation und dem Scheitern von Luos Reform.

Goethe appelliert auch zum Thema Geld. Im zweiten Akt von »Faust« wurde der Wert der von Mephistos geschaffenen Banknoten durch Mineralien bestimmt, »Schätze, die im Boden lauern«. So verweist Goethe zum einen auf die Gefahr der Verwendung von Banknoten ohne Gold- oder Silberäquivalent. Andererseits wird die Geldschöpfung hier zu einem magischen Akt: Eines der Ziele der Alchemie, um das sich der zweite Teil der Tragödie dreht, war es, aus unedlen Metallen reines Gold zu erschaffen. Mephisto schafft Geld aus dem Nichts, indem er einen »Coupon« mit der Unterschrift eines Kaisers zuweist, d.h. eine Banknote in Höhe von 1000 Kronen, jedoch in Ermangelung eines physischen Äquivalents.

Da die Handlung des zweiten Aktes in mehreren zeitlichen Dimensionen gleichzeitig stattfindet und die Krone eine Münze mit dem Abbild der Kaiserkrone ist, kann nicht festgestellt werden, um welche Münzen es sich handelt. Zu Goethes Zeiten waren nur in seiner Heimatstadt Frankfurt 26 Arten von Goldmünzen und 14 Silbermünzen im Umlauf, und auf dem gesamten Gebiet des Heiligen Römischen Reiches des deutschen Volkes 311 Arten, von denen viele eine Krone darstellten. Am Hofe von Franz II., Dem letzten Kaiser des Heiligen Römischen Reiches (1792–1806), wurden Banknoten von einem bis 1000 Gulden gedruckt. Die teuerste Schachtel im Prager Theater kostete 10 Gulden - das sind ungefähr 300 Euro -, basierend auf dem Preis für ein Kilogramm Weißbrot - 6 Kreuzer. Die Berechnungen in diesem Artikel wurden auf der Grundlage des aktuellen Preises für ein Kilogramm Brot erstellt, der bei uns 3 Euro entspricht - das ist der Durchschnitt der Verkaufspreis für ein Kilogramm Brot in Deutschland. Somit ergibt sich: 1 Gulden = 60 Kreuzer. Der Schalksnarr in der gleichen Szene bekommt vom Kaiser 5.000 ›Kronen‹ (ca. 150.000 Euro), für die man laut der Versicherung des schlauen Mephistos sicher »ein Feld, ein Haus und ein Vieh« kaufen kann. Wenn er eine Kuh (1.600 Euro) und ein Hektar Land (ca. 40.000 Euro) gekauft hätte, hätte er Geld für ein eher kleines Haus (ca. 100 qm) übrig gelassen.