Anzeige

30. August 2019

Glücksspiel erfährt offizielle Akzeptanz in Deutschland

Von der Versuchung zum Vergnügen

Das Glücksspiel wird in der Öffentlichkeit immer noch mit einem skeptischen Auge betrachtet. Dabei ist es eine der ältesten Freizeitaktivitäten der gesamten Menschheitsgeschichte. Mittlerweile können Fans des Glücksspiels längst nicht mehr nur in den örtlichen Spielotheken dem Spielspaß frönen, sondern auch das Internet lockt die Spieler mit guten Angeboten und prominenten Werbebotschaftern in die virtuellen Hallen. Doch wie legal sind die Seiten? Immerhin stehen landbasierte Casinos unter strengen Regeln und müssen sich regelmäßigen Kontrollen unterziehen. Private Spiele im Hinterzimmer sind hingegen illegal. Wir erklären die aktuelle Rechtslage.

Bild von pixbay.com

Schleswig-Holstein vergab 2012 erste Glücksspiellizenz

Im Alleingang hat Schleswig-Holstein im Jahre 2012 die Liberalisierung des Glücksspielmarktes beschlossen und damit Geschichte geschrieben. So kam es durch den damaligen Beschluss im Landtag zu dem lange waltenden Schleswig-Holstein Sondergesetz, nach welchem sich private Anbieter von Casino, Lotto und Sportwetten mit der staatlichen Genehmigung in dem Staat niederlassen konnten. Der Sonderweg des Bundeslandes in Bezug auf das Glücksspiel begann, als das Bundesland aus dem damals herrschenden Glücksspielstaatsvertrag ausscherte. Das Land entzog sich einfach den laufenden Verhandlungen zwischen allen 16 Bundesländern und schaffte eigenständig Fakten.

Laut dem stellvertretenden CDU-Vorsitzenden Hans-Jörn Arp galt Schleswig-Holstein als das erste Bundesland, welches die Realität des immens verbreiteten Glücksspiels im Internet mit stetigen wachsenden Zahlen erkannte und daraus die richtigen Schlüsse ziehen wollte. Denn trotz des offiziellen Verbots von nicht-staatlichen Glücksspielen war auch damals schon nicht mehr von der Hand zu weisen, dass täglich millionenschwere Glücksspiele durch online Casino Slots, Sportwette und Lotterien stattfanden. Vor allem sollte es darum gehen, diesen neuen Markt unter staatliche Kontrolle zu bringen und diesen durch ein sinnvolles Lizenzverfahren aus der Grauzone zu holen.

Deutsche Regierung tut sich mit Glücksspielvertrag schwer

Der Begriff Glücksspielstaatsvertrag fällt in den Nachrichten immer wieder, doch nur wenige Leser wissen überhaupt, was es mit dem Vertrag auf sich hat. So dienen die Ziele dieser Bestimmung vor allem der Prävention von Spielsucht, sowie dem verantwortungsbewussten Umgang mit Glücksspielen. Auch der Jugendschutz, die Fairness aller Spiele und die Seriosität der Anbieter sind zentrales Thema.

Der Glücksspielvertrag 2008 war damals der allererste Versuch zur Regelung des Glücksspiels und wurde zwischen den Bundesländern mit dem Ziel geschlossen, einen Rahmen für das Glücksspiel in der Bundesrepublik zu geben. Dieser trat am 1. Januar 2008 in Kraft, war aber Ende 2011 jedoch schon nicht mehr gültig. Ab dann konnten sich die Bundesländer Deutschlands nicht mehr richtig einigen. Der zweite Glücksspielvertrag, welcher im Jahre 2012 in Kraft trat, sollte dann 20 vorgesehenen Lizenzen vergeben. Diese wurden aber nach keinem logischen System verteilt und leer ausgegangene Anbieter klagten über die sinnfreie Vergabe durch die Regierung.

Hamburgs erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) erklärte den fragwürdigen Glücksspielvertrag bei der Konferenz der Ministerpräsidenten in Berlin als einen Vertrag zum "Zeitgewinn", während die einzelnen Länder weiterhin an einer endgültigen Lösung arbeiteten.

Bisher wurden somit Sportwetten von privaten Anbietern aufgrund der mangelnden, landeseigenen Regulierung geduldet. Nach EU-Recht befinden sich die Anbieter immerhin im legalen Rahmen. Ebenso ist es nicht die Schuld der Anbieter, dass die Landesregierung sich lange Zeit nicht über die Regulierung einigen konnte und daraus resultierend eine Grauzone entstand. Mit dem Glücksspielstaatsvertrag von 2012 sollten längst 20 Lizenzen für private Glücksspielanbieter vergeben werden. Wegen gerichtlicher Einsprüche gilt das Verfahren als gescheitert. Jetzt kam mit dem neuesten Beschluss im März 2019 endlich neuer Schwung in die Sache und die Vergabe der Lizenzen wird nun effektiv gefördert.

Neue Lizenzen bis 2021 gültig

Die neueste Regelung zum Glücksspiel in Deutschland soll zum 1. Januar 2020 in Kraft treten und bis 30. Juni 2021 gelten, wenn der Vertrag erneut ausläuft. Die zu vergebenden Lizenzen für private Anbieter sollen ab dem Jahr 2020 an für eineinhalb Jahre gelten. Der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU) bestätigte in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa, dass künftig jede Person Sportwetten anbieten darf, die sich an die Regeln hält. Das Bundesland Hessen soll für die Vergabe der Lizenzen zuständig sein.

Bei der anstehenden, umfassenden Regulierung durch den Glücksspielstaatsvertrag soll es aber nicht nur um die Regulierung von Sportwetten gehen, sondern vor allem auch um die Zukunft der Branche, weg vom staatlichen Monopol und hin zu einer effektiven Regulierung sämtlicher Anbieter, deren Legalität schon zu lange bestritten wurde.

Immer mehr Online Portale entstehen

Im Zuge der Digitalisierung erfreut sich das Online Gaming immer größerer Beliebtheit. Die Zahl der Online Casino Nutzer hat in ganz Europa die beträchtliche Größe von mehr als sieben Millionen Spielern erreicht. Schaut man sich die Online Unternehmen mit dem bedeutendsten Wachstum der vergangenen Jahre an, gehört das Online Glücksspiel eindeutig dazu. Woran liegt das?

Im Großen und Ganzen unterscheiden sich die virtuellen Glücksspiele auf den ersten Blick nur durch das Medium. Die digitalen am Bildschirm sind ihrem landbasierten Pendant gegenüber zum Verwechseln ähnlich und selbst die Spielweise ist teils sogar identisch zu den Offline Automaten. Der einzige Unterschied ist, dass im Online Casino die Spiele über den PC, das Smart Phone oder das Tablet aufgerufen werden. Hinzu kommt, dass die Online Portale mittlerweile bessere Boni und Gewinnmöglichkeiten als die landbasierten Etablissements anbieten. Nutzer befürworten außerdem, dass sie keine langen Anfahrtswege antreten und keinen Dresscode einhalten müssen. Zu guter Letzt ist das Online Casino an 24 Stunden, 7 Tage die Woche, geöffnet.

Kein Wunder also, dass sich inzwischen so viele Betreiber auf dem digitalen Casino Markt tummeln, dass es kaum möglich ist, hier den Überblick zu behalten. Die Anbieter holen die Spieler über ihre Portale in sämtlichen Sprachen ab und schaffen damit durch länderübergreifende Anwendbarkeit millionenschwere Businesses.

Lotto seit jeher das Lieblingsglücksspiel der Deutschen

Die Lotterie ist in Deutschland schon immer staatlich kontrolliert. Das allein macht Lotto für deutsche Spieler zum attraktivsten aller Glücksspiele. Die Nutzung von Lotterien ist vergleichsweise einfach und es gibt festgelegte Gewinnchancen. Seit dem Internet erfreuen sich Fans aber auch an verschiedensten Online Lotterien, die nicht von der deutschen Staatshand geleitet werden. Diese Lottospiele sind dabei nicht weniger beliebt. Ganz im Gegenteil - die Jackpots gehen teils auf gigantische Summen hinauf und Nutzer können unabhängig von geografischer Lage gleich in mehreren Lotterien spielen.

Online Sportwetten: Live-Wetten populär

Auch Sportwetten machen sich im Internet gut. Denn auf das richtige Pferd kann man auch von zuhause aus oder von unterwegs über das Mobilgerät setzen. Bei den deutschen Nutzern sind dabei vor allem Fußball-Wetten beliebt und zwar in Form von Live-Wetten. Die Funktion ermöglicht es den Nutzern, hautnah und in Echtzeit bei den Fußballspielen mitzufiebern und über den Ausgang der Spiele zu spekulieren, die in Sekundenbruchteilen übertragen werden. Online lassen sich die Wetten eindeutig besser durchführen, als in einem landbasierten Wettbüro. Und mit der neuen Rechtslage von März 2019 für Online Wetten werden nun schließlich auch deutsche Lizenzen ausgestellt und alte verlängert, damit die Anbieter innerhalb des eigenen Landes endlich offiziell rechtens handeln.