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18. Februar 2021

Spielen liegt in unserer Natur

Spielend werden wir erwachsen meint NN

Das Bedürfnis, zu Spielen ist natürlich. Und nicht nur Menschen tun es. Auch in der Tierwelt lernt der Nachwuchs zu großen Teilen spielerisch, wie er im Leben durchkommen wird. Entwicklungsbiologisch hat Spielen die Aufgabe, Verhalten und Geschicklichkeit zu trainieren, damit (überlebens-) wichtige Abläufe in der Realität schnell abgerufen werden können. Trotzdem reißt die Freude am Spielen auch mit dem Erwachsenenalter oft nicht ab, weder bei Tieren noch beim Menschen.

Es darf davon ausgegangen werden, dass der Mensch schon immer gespielt hat, auch wenn die ältesten archäologischen Nachweise über Spielzubehör lediglich bis knapp 3000 v.Chr. reichen. Zum Spielen braucht man aber ja nicht viel, wie wir alle wissen: es reichen ein Stock, ein Stein und ein »isschen Erde, um ein improvisiertes Spielbrett zu erschaffen. Das sind Dinge, die – selbst wenn sie später ausgegraben werden sollten – nicht zwangsläufig spielerische Aktivitäten belegen können. Aller Wahrscheinlichkeit nach liegt es uns in den Genen zu spielen.

Seit wann gibt es Spiele?

Aus diesem Grundbedürfnis entwickelten sich über die Jahrtausende ungezählte Variationen von Spielen und es kommen stetig welche hinzu. Man kann grob unterscheiden zwischen Spielen mit und ohne Regeln, zwischen Spielen in der Gemeinschaft oder allein und zwischen Spielen bei denen der Ausgang von Geschicklichkeit oder Strategie beeinflusst wird und solchen, bei denen das Resultat ausschließlich vom Zufall bestimmt wird. Daneben gibt es zahlreiche Überschneidungen und Mischformen der unterschiedlichen Prinzipien.

Hinreichend belegt sind Spiele spätestens seit der Antike und zwar in Form von Materialien, die zum Spielen benutzt wurden, wie auch durch Textbelege beziehungsweise Darstellungen auf Vasen oder in Wandmalereien. Überliefert sind vor allem Ballspiele, Puppen und Würfelspiele, die Jungen und Mädchen im Griechenland des ersten Jahrtausends vor Christus zum Zeitvertreib dienten. In allen historischen Hochkulturen sind Spiele belegt.

Neben dem antiken Griechenland hatten sie auch einen festen Platz in im alten China, bei den Ägyptern und schließlich auch im Römischen Reich, von wo der berühmte Ausspruch »Panem et Circensis« (also: Brot und Spiele) des römischen Gelehrten Juvenal überliefert ist. Gemeint ist hier das römische Volk, das unter Tiberius zu Beginn des ersten Jahrhunderts nach Christus durch den Zugang zu Grundnahrungsmitteln und Zeitvertreib unter Kontrolle gehalten wurde, damit die Machthaber nach Belieben schalten und walten konnten. Dies ist ein eindrucksvoller Beweis dafür, wie eng Spiele und Gesellschaft miteinander verwoben sind.

Lange Traditionen bei Spielformen

Viele der heute noch praktizierten Varianten von Spielen haben ihren Ursprung in der Geschichte. Vorläufer des Schachspiels sind ebenfalls aus Rom bekannt, das Lottospiel stammt dem chinesischen Glücksspiel Keno ab, Würfelspiele gibt es seit der Antike durchgehend, wie unzählige Funde von Würfeln in verschiedenen Formen und Variationen belegen. Und übrigens ist auch das Schummeln so alt wie die sprichwörtliche Geschichte. Man hat bei archäologischen Untersuchungen Exemplare gefunden, die innen ausgehöhlt worden waren, um dann eine Seite künstlich zu beschweren. Andere Fundstücke weisen auf mehreren Seiten gleiche (hohe) Augenwerte auf, damit der Spieler bessere Chancen hatte. Schon im Mittelalter gab es deswegen Verordnungen, wie ein Würfel beschaffen sein musste.

Der Sprung vom Spiel zum reinen Vergnügen, dessen Erfolg und Misserfolg in Punkte, Bohnen oder Steinchen gemessen wurde, zum Spiel um reale Werte wie Geld oder sonstigen Besitz, ist nicht groß. Auch hier gibt es Nachweise seit der Antike, dass die Spielanreize nicht immer rein ideeller Art waren. Angenommen werden darf, dass die Tradition von Spiel um materielle Werte noch sehr viel weiter in die Menschheitsgeschichte zurück reicht. Zu groß ist offenbar die Versuchung, die aktuelle wirtschaftliche Situation durch einen Coup deutlich zu verbessern.

Kennen Spiele einen sozialen Status?

Soziologen unterscheiden beim Glücksspiel solche Ereignisse, die eher einen gesellschaftlich-sozialen Aspekt haben von Spielen, die zumeist anonym ausgeführt werden. Die Zielgruppen dieser beiden Kategorien hängt augenscheinlich mit dem Status innerhalb der Gesellschaft zusammen. Bessergestellte spielen eher mit hohem Risiko um große Beträge und in Anwesenheit ihrer sozialen Schicht, etwa bei Pferdewetten, beim Poker oder im Spielcasino. Angehörige unterer Schichten bevorzugen eher die Variante bei der sie nicht physisch in Erscheinung treten und bei denen geringe Einsätze möglich sind. Dazu können die unterschiedlichen Lotto-Varianten gezählt werden, ebenso wie Automatenspiele.

Beinahe ebenso alt, wie das Glücksspiel selbst, ist der Versuch, dieses zu verbieten oder zumindest unter behördliche Aufsicht zu stellen. Diese Bemühungen sind durch Gesetzestexte und andere öffentliche Bekanntmachungen ebenfalls spätestens seit dem römischen Kaiserreich und durchgehend bis in die Neuzeit belegt. Damit soll einerseits die Bevölkerung vor sich selbst geschützt werden. Und gleichzeitig versucht der Staat durch Steuer und Abgaben, selbst mit zu kassieren. Diesen ethischen Balanceakt wagt derzeit auch die Bundesrepublik Deutschland in Bezug auf das Glücksspiel im Internet.

Von dem Bedürfnis, das Spiel zu kontrollieren...

Nachdem über lange Jahre die verantwortlichen Stellen der Bundesländer keine Einigung finden konnten, ist für das Jahr 2021 eine Novellierung des so genannten Glücksspielstaatsvertrages vorgesehen, bei dem der Gesetzgeber entsprechende Angebote unter strengen Auflagen für den Betrieb in Deutschland lizenzieren will. Was sich zunächst sinnvoll und vernünftig anhört, könnte sich bei näherem Hinsehen als Bumerang entpuppen. Immerhin handelt es sich hier um virtuelle Angebote und diese sind naturgemäß nicht an einen geographischen Standort gebunden. Spieler, die sich bei der Ausübung ihrer Freizeitbeschäftigung nicht bevormunden lassen möchten, können demnach mit überschaubarem Aufwand auf nicht-legale Angebote ausweichen. Entsprechende Ratgeber finden sich bereits jetzt leicht zugänglich und mit erklärenden Worten im Netz, wie beispielsweise DeutscherCasinoBonus.com.

Diese entziehen sich dann unter Umständen der geltenden Gesetzeslage und drängt Spieler erst Recht in prekäre Situationen, wo die Gefahr von Betrug oder Spielsucht deutlich größer sein können. Sowohl ein Blick in die Geschichte, wie auch einer über europäische Grenzen etwa nach Schweden zeigt, dass Verbote sich immer gleich auswirken: die Betroffenen gehen in die Illegalität. Gerade bei einer so tief in der menschlichen Natur verankerten Leidenschaft wie der für das Spiel ist es wenig wahrscheinlich, dass eine ausgetüftelter Staatsvertrag mit politischen Motivationen hier eine Änderung hervorbringt.