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Gerhard Schröder über Politik

Richtig ist, was funktioniert.
Zitat von Gerhard Schröder
Gerhard Schröder
deutscher Politiker (SPD)
* 07.04.1944

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Gedanken zum Zitat von Christa Schyboll

Gerhard Schröder spricht mit der Aussage: "Richtig ist, was funktioniert"“ eine schlichte Wahrheit aus. Allerdings ist es nur eine halbe Wahrheit. Sie gilt nämlich nur einseitig im positiven Fall. Denn funktionieren kann aber auch das Negative. Und zwar atemberaubend gut, schnell und perfekt. Und richtig ist auch: Unsere Welt besteht aus beiden Seiten dieser Medaille, die einmal das Positive, einmal das Negative dominant sein lässt, was bei Äußerungen beachtet sein will.

Wer es beidseitig sieht, ist weder Schwarzseher noch Nihilist, sondern schlicht und einfach nur ein Weit- oder Durchblicker. Einer, der eben viele Möglichkeiten zugleich im Blick hat und sehr wohl weiß, was im Argen liegt. Und so mancher Zeitgenosse erlebt das Negative der Welt mindestens genauso stark, wenn nicht noch stärker, als das Positive. Richtig ist also auch, dass auch das Negative bestens funktioniert. Wäre aber dann Schröders Spruch noch passend?

Das gut Funktionierende kann auch schädigen, gar töten. Also kann es doch nicht mehr richtig sein, nur weil es funktioniert. Man denke zum Beispiel nur an die Waffenindustrie, die auch deshalb unter anderem bestens funktioniert weil es immer weiter neue Kriege gibt. Diese wiederum gibt es vor allem auch deshalb, weil es diese Waffen weiterhin gibt. Dazu mit immer attraktiveren Verbesserungen aus militärischer Sicht. Würden sich die Menschen noch mit Keulen Mann gegen Mann bekriegen müssen, würde so mancher Krieg unterbleiben, kürzer sein oder weniger Tote zeitigen.

An anderes Beispiel des Funktionierens im Negativen finden wir beim Umweltschmutz, der trotz Umweltschmutz auch bestens "funktioniert". Allen Emissionsabsichten, Abkommen, Beteuerungen und bilateralen Verträgen zum Trotz setzen wir weiterhin massenhaft Giftstoffe frei, verseuchen Boden, Luft, Wasser und belasten alle Lebewesen. Die Hintergründe kennt jedermann. Auch die Zwänge der Schwierigkeiten, nicht gleich alles umrüsten zu können, was derzeit unsere Systeme trägt.

Hat also Gerhard Schröder Unrecht mit seiner Aussage? Nein! Aber er bleibt unvollkommen in seiner Aussage, wenn man die Sache selbst weiter bis in ihr Gegenteil denkt.