Sprichwort über Freiheit

  • Frei Mann, frei Gut.

Gedanken zum Zitat

Das Sprichwort »Frei Mann, frei Gut« stammt aus einer Zeit, in der Freiheit – im rechtlichen wie im gesellschaftlichen Sinn – keine Selbstverständlichkeit war. Es bedeutet in seiner ursprünglichen Bedeutung: Ein freier Mensch besitzt eigenes Gut, also Eigentum oder Vermögen, und ist Herr über sich und seinen Besitz. Das Sprichwort bringt damit zwei zentrale Werte in Verbindung, die über Jahrhunderte hinweg eng miteinander verknüpft waren: persönliche Freiheit und wirtschaftliche Unabhängigkeit.

In früheren Gesellschaften, insbesondere im Mittelalter, war die soziale Stellung stark an Besitz und Rechte gebunden. Wer Land oder Eigentum hatte, war nicht nur wirtschaftlich selbstständig, sondern genoss auch politische und rechtliche Privilegien. Umgekehrt war derjenige, der kein Eigentum besaß, oft von anderen abhängig, sei es von einem Grundherrn, einem Arbeitgeber oder einer Obrigkeit. Das Sprichwort spiegelt diese Realität wider: Freiheit im umfassenden Sinne war lange Zeit nur dem vergönnt, der auch »Gut«, also Besitz, hatte.

Doch auch heute hat die Aussage nicht an Bedeutung verloren. In einer modernen Gesellschaft, die auf Eigenverantwortung, Selbstbestimmung und Chancengleichheit setzt, zeigt sich: Wer wirtschaftlich unabhängig ist, hat in vielen Lebensbereichen größere Entscheidungsfreiheit. Ob es um Wohnort, Berufswahl, Ausbildung oder politische Teilhabe geht – finanzielle Stabilität ermöglicht persönliche Freiheit. In diesem Sinne ist »frei Gut« auch heute ein Mittel zur Selbstverwirklichung.

Gleichzeitig verdient das Sprichwort eine kritische Betrachtung. Es legt nahe, dass Freiheit nur durch Eigentum möglich sei. Dies ist eine Vorstellung, die in einer demokratischen, solidarischen Gesellschaft nicht uneingeschränkt gelten darf. Auch Menschen ohne Vermögen haben ein Recht auf Freiheit, Würde und gesellschaftliche Teilhabe. Freiheit darf nicht zur exklusiven Domäne der Besitzenden werden. Deshalb erinnert das Sprichwort auch an eine soziale Verantwortung: Eine gerechte Gesellschaft sollte Rahmenbedingungen schaffen, in denen Freiheit nicht vom Kontostand abhängt.

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